Nati-Trainer Fischer vor WM: «Diese Wunde ist da, die vergisst man nicht – das soll so nicht mehr passieren»
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Nati-Trainer Fischer vor WM«Diese Wunde ist da, die vergisst man nicht – das soll so nicht mehr passieren»

Trainer Patrick Fischer steht mit der Eishockey-Nati kurz vor der WM in Finnland.  Mit 20 Minuten spricht der 46-Jährige darüber, wie man richtig verlieren lernen muss. 

von
Adrian Hunziker
(aus Helsinki)
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Nati-Trainer Patrick Fischer mit dem Mahnfinger: Der 46-Jährige befindet sich mit seinem Team kurz vor WM-Beginn. 

Nati-Trainer Patrick Fischer mit dem Mahnfinger: Der 46-Jährige befindet sich mit seinem Team kurz vor WM-Beginn. 

Pascal Muller/freshfocus
Fischer sagt, er spüre neuen Elan in seinem Team. 

Fischer sagt, er spüre neuen Elan in seinem Team. 

freshfocus
Der Trainer und sein Staff mussten eine harte Entscheidung treffen: Captain Raphael Diaz wurde nicht mehr aufgeboten. 

Der Trainer und sein Staff mussten eine harte Entscheidung treffen: Captain Raphael Diaz wurde nicht mehr aufgeboten. 

Claudio Thoma/freshfocus

Darum gehts

  • Nati-Trainer Patrick Fischer hat sein Team vor der WM in Finnland verjüngt. 

  • Dem 46-Jährigen gefällt der Elan seiner Mannschaft in der Vorbereitung. 

  • Er und sein Team freuen sich, in Helsinki endlich wieder vor vollen Rängen zu spielen. 

Wie zufrieden sind Sie mit dem Zustand der Mannschaft? 

Wir sind extrem zufrieden mit der Einstellung der Spieler, wir verlangen ihnen enorm viel ab. Wie in jeder WM-Vorbereitung arbeiten wir hart. Wir haben in diesem Jahr das Pensum noch erhöht, was die Intensität betrifft. Die Spieler sind präsent, fokussiert, wach – Kompliment an das Team. Sie wissen, dass ein frischer Wind weht und dass wir eine neue Leadership-Gruppe bilden wollen.

Sie haben vor den Olympischen Spielen gesagt, «das Feuer habe gefehlt» – wie sieht das jetzt aus?

Ich bin nun seit sechs Jahren Nationaltrainer und hatte immer einen ähnlichen Kern an Spielern dabei. Nach x Turnieren ist das Gefühl nicht mehr so da wie noch bei einer ersten WM. Das ist menschlich. Dem muss man entgegenwirken, man muss sich neu erfinden und das ist jetzt der Fall. 

Sie haben die Verjüngung angesprochen, Captain Raphael Diaz und Simon Moser mussten weichen. Nach Ihren Aussagen zu schliessen, haben Sie diesen Entscheid nicht bereut, da es einen Schritt in die richtige Richtung gegeben hat?

Aktuell ist das so. Ich merke einen enormen Elan. Bei den Jungen, die nun dabei sind, sieht man die Freude, die Energie, die wir auf dem Eis brauchen. Wir sind eine Mannschaft, die weltweit nie die beste im technischen Bereich sein wird. Wir leben von der Intensität und von harter Arbeit. Und das muss man bereit sein, zu geben. 

Würden Sie heute Diaz’ und Mosers «Rücktritt» anders kommunizieren? Oder war es einfach an der Zeit, diesen Schnitt zu machen?

Im Nachhinein ist das schwierig zu sagen. Wir wollten mit der bestmöglichen Mannschaft an die Olympischen Spiele reisen und ein Top-Turnier spielen. Und wir gingen mit dem Gefühl, 2021 eine sehr gute WM in der Gruppenphase gespielt zu haben. Nach Peking merkten wir aber, dass etwas fehlte. Dann wussten wir, es brauchte eine Veränderung. Aber gibt es einen guten Zeitpunkt, um das jemandem zu kommunizieren? Ich wollte niemandem während der Playoffs das Nati-Ende mitteilen. Ich wählte also den erstmöglichen Zeitpunkt nach der Saison. Am liebsten würde ich das immer persönlich machen, leider waren wir aber im Ausland. Also musste ich Diaz und Moser telefonisch informieren.  

Wie haben die beiden Spieler reagiert?

Sie waren überrascht, was auch verständlich ist. Und sie waren enttäuscht, dass sie nicht mehr dabei sein können. Aber das ist ja normal, jeder will für die Nati spielen. «It’s part of the business and there is no good moment.» Der beste Moment wäre der, wenn du oben auf dem Berg mit der Goldmedaille abtrittst. Diesen treffen aber nicht viele.  

Wer übernimmt das Captain-Amt von Diaz? 

Das haben wir entschieden, das wird aber noch nicht kommuniziert.

«An den Winterspielen war er einer der Besten im Sturm und auch in den Playoffs zeigte er, dass er noch voller Energie ist.»

Fischer über einen seiner Routiniers. 

Andres Ambühl wurde wieder aufgeboten, er ist Leitwolf, Leader…

Wir haben erkannt, dass wir auf der rechten Verteidiger-Seite keine Veränderung hatten. Auf der linken Seite haben wir junge Spieler, die nachrücken, die bereits an einer WM gespielt haben. Auf den Flügeln und bei den Centern sind die Spieler im Schnitt 24, 25, 26 Jahre alt, das ist noch jung. Wir sagten uns, wenn wir einen Häuptling mitnehmen, dann Andres Ambühl. Erstens, weil er an den Winterspielen einer der Besten im Sturm war und auch in den Playoffs zeigte er, dass er noch voller Energie ist. Und es ist halt einfacher, einen Stürmer von 14 mitzunehmen, als einen der vier rechten Verteidiger. 

Der Schweizer WM-Spielplan

  • Samstag, 14. Mai, 15.20 Uhr: Schweiz – Italien

  • Sonntag, 15. Mai, 19.20 Uhr: Dänemark – Schweiz

  • Dienstag, 17. Mai, 19.20 Uhr: Schweiz – Kasachstan

  • Mittwoch, 18. Mai, 19.20 Uhr: Schweiz – Slowakei

  • Samstag, 21. Mai, 15.20 Uhr: Kanada – Schweiz

  • Sonntag, 22. Mai, 19.20 Uhr: Schweiz – Frankreich (statt Russland)

  • Dienstag, 24. Mai, 11.20 Uhr: Deutschland – Schweiz

  • ev. Donnerstag, 26. Mai: Viertelfinals

  • ev. Samstag, 28. Mai: Halbfinals

  • ev. Sonntag, 29. Mai: kleiner und grosser Final

Es ist das zweite grosse Highlight, die Olympischen Spiele waren kein Erfolg. Stapelt man da nun für die WM tiefer?

Nein. Wir sind in einer Position, die wir uns erarbeitet haben, mit konstanten Leistungen. Wir befinden uns erstmals in den Top 6. Wir haben mit Tschechien eine Riesen-Hockey-Nation überholt. Den Halbfinal zu erreichen, muss unser Ziel sein. Bei den Olympischen Spielen haben wir unser Ziel nicht erreicht, wir waren enttäuscht. Deshalb kann nun an der WM nicht der Viertelfinal das Ziel sein. An den letzten fünf Turnieren haben wir den Viertelfinal erreicht. Wir lernen in den K.-o.-Spielen immer wieder dazu. Wir spielen besser, wo wir früher stets verloren haben. In den letzten zehn Minuten müssen wir besser werden, das ist ein Prozess. Das Spiel stets durchzuziehen, daran sind wir hängengeblieben. 

Wie kann man das trainieren?

Das Leben trainiert uns. Man muss diese Situation durchleben. In den letzten acht K.-o.-Matches führten wir nach 50 Minuten sechsmal. Nun gilt es einfach, diese heimzubringen. Daran haben wir in der Zwischenzeit gearbeitet. Wir haben zuletzt den Gegnern zu viel Raum gegeben und haben dann Tore kassiert. Wir wurden energetisch passiv und kamen in den Hoffnungsmodus, dass man das Spiel über die Runde bringen kann. Diese Wunde ist da, die vergisst man nicht. Das nächste Mal soll das nicht mehr passieren. Kommt man gegen denselben Gegner, kann man diese Gefühle wieder rausholen. Die Mannschaft hat einen harten Preis gezahlt. Das ist ein Wachstumsprozess, man muss lernen zu verlieren, richtig zu verlieren. Dann muss man analysieren, wo man besser werden muss – das haben wir gemacht.  

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