Sinkende Strompreise: Diese zwei Gemeinden senken trotz Kostenexplosion 2023 die Strompreise

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Sinkende StrompreiseDiese zwei Gemeinden senken trotz Kostenexplosion 2023 die Strompreise

In fast allen Gemeinden der Schweiz wird der Strom teurer. Nur in zwei Gemeinden zahlen die Einwohner bald weniger für den Strom. Wie ist das möglich?

von
Nicolas Meister
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In fast allen Gemeinden steigt der Stromtarif im Schnitt um 27 Prozent an. Die Ausnahme bilden zwei Berner Gemeinden, in denen der Strompreis sogar sinkt. Im Bild die Gemeinde Lütschental, in der der Stromtarif 2023 um zwei Prozent sinken wird.

In fast allen Gemeinden steigt der Stromtarif im Schnitt um 27 Prozent an. Die Ausnahme bilden zwei Berner Gemeinden, in denen der Strompreis sogar sinkt. Im Bild die Gemeinde Lütschental, in der der Stromtarif 2023 um zwei Prozent sinken wird.

Wasserkraftwerk Jungfraubahn
Die Nachbargemeinde Gündlischwand wird ebenfalls weniger zahlen müssen.

Die Nachbargemeinde Gündlischwand wird ebenfalls weniger zahlen müssen.

Screenshot/Google Maps
Stromlieferantin ist das Wasserkraftwerk Jungfraubahn. Dieses produziert vor allem im Sommer ausreichend Strom, um die beiden Gemeinden mit insgesamt 496 Einwohnerinnen und Einwohnern zu versorgen.

Stromlieferantin ist das Wasserkraftwerk Jungfraubahn. Dieses produziert vor allem im Sommer ausreichend Strom, um die beiden Gemeinden mit insgesamt 496 Einwohnerinnen und Einwohnern zu versorgen.

Wasserkraftwerk Jungfraubahn

Darum gehts

Die Strompreise steigen in fast allen von den 2148 Gemeinden stark an, teilweise um über 280 Prozent. Nur zwei Gemeinden bleiben davon verschont: Während in Grindelwald der Stromtarif gleich bleibt, müssen die Einwohnerinnen und Einwohner in Gündlischwand und Lütschental sogar weniger für eine Kilowattstunde bezahlen. Auch wenn es nur knapp einen halben Rappen pro kWh ist – wie lässt sich das erklären?

Hauptgrund ist, dass die Gemeinden über ein eigenes Wasserkraftwerk verfügen, das Kraftwerk Jungfraubahn. Dieses produziert vor allem im Sommer ausreichend Strom, um die beiden Gemeinden mit insgesamt 496 Einwohnerinnen und Einwohnern zu versorgen. Ausserhalb des Sommers muss das Kraftwerk laut Mediensprecherin Kathrin Naegeli zwar ebenfalls Strom einkaufen. «Unsere Einkaufskosten werden aber frühestens ab 2024 steigen, da wir langfristige Verträge mit unseren Stromlieferanten haben», sagt Naegeli.

Zu hohe Grundgebühren kompensieren

Dass das Kraftwerk die Kosten auf nächstes Jahr sogar senken kann, erklärt die Mediensprecherin so: «Die Jungfraubahnen hatten festgestellt, dass die Grundgebühr im Vergleich zu den umliegenden Netzen eher hoch war. Deshalb wird diese auf den 1. Januar 2023 gesenkt.» Die günstige Stromversorgung der zwei kleinen Berner Oberländer Gemeinden gelingt also dank des eigenen Kraftwerks und einer langfristigen Einkaufsplanung.

Die sinkenden Strompreise freuen Susanne Gertsch, Gemeindepräsidentin von Gündlischwand. «Es ist sehr erfreulich, dass der Strom billiger wird. Insbesondere, weil wir unser gesamtes Wasser nur mit Pumpen in die Gemeinde bringen und verteilen können.» Diese Pumpen brauchten viel Strom. Ausserdem sei es eine Erleichterung für das Gewerbe, auch wenn dieses eher klein sei, sagt Gertsch.

Ihre Freude teilt auch der Gemeindepräsident der Nachbargemeinde Lütschental. Man sei erleichtert, dass die Strompreise nicht angestiegen seien, sagt Hansruedi Burgener auf Anfrage von 20 Minuten.

Unabhängigkeit von Strommarkt bringt Preissicherheit

Doch warum schaffen es nur zwei von 2148 Gemeinden in der Schweiz, die Stromtarife zu senken? «Viele Gemeindewerke beziehen den Grossteil ihres Stroms von der Strombörse in Leipzig. Oft wird der Strom, der zum Beispiel aus Kohle- oder Atomkraftwerken stammt, mit Zertifikaten auf dem Papier zu Wasserstrom. Wenn die Strompreise am Markt steigen, spürt das der Kunde entsprechend», sagt Felix Nipkow, Energieexperte bei der Schweizerischen Energie-Stiftung.

Gemeindewerke wie das Wasserkraftwerk Jungfraubahn, die ihren Strom selber produzierten, seien unabhängig vom Markt und entsprechend auch nicht von den Fluktuationen an der Strombörse betroffen, sagt Nipkow. Solche Fälle seien aber nicht die Norm und ein weiterer Ausbau dezentraler Wasserkraft schwierig. «Das Potential der Wasserkraft ist grösstenteils ausgeschöpft. Viel Potential hingegen bieten Solar- und Windanlagen. Insbesondere Photovoltaikanlagen können schnell aufgebaut und in Betrieb genommen werden, was für die nächsten Winter hilfreich wäre.»

Wie stark wird der Stromtarif in deiner Gemeinde steigen?

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