Daheim bei Gaddafis: Diesel-Jeans, Fitness-DVD, Schwulenpornos

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Daheim bei GaddafisDiesel-Jeans, Fitness-DVD, Schwulenpornos

Die Aufständischen in Libyen haben Häuser des Gaddafi-Clans gestürmt. Was sie in den Prunk-Palästen fanden, empörte und amüsierte sie zugleich.

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Etwa 200 Menschen plünderten am Mittwoch die Strandvilla von Muammar Gaddafis Sohn Saadi. Nach einem fünfstündigen Feuergefecht mit Wachleuten stürmten sie auch das Haus seiner Tochter Aisha. Die Rebellen drangen in die prunkvollen Anwesen ein – und ihre Empörung steigerte sich noch, als sie entdeckten, mit wie viel Luxus die Gaddafi-Sprösslinge ihre Häuser ausgestattet hatten.

«Ich kann nicht glauben, was ich da sehe», sagte Muftah Shubri, ein Nachbar von Aisha. Er wohnt genau gegenüber, in einer Siedlung mit kleinen, zusammengedrückten Häuschen. Shubri wollte sehen, wie gut es sich Aisha all die Jahre hatte gehen lassen.

Rebellen fuhren mit vier Autos davon

Der 23-jährige Seifallah Gneidi war einer der Rebellen, die Saadis Villa am Mittelmeer stürmten. Er packte eine grosse Flasche Gin, eine mit einem Goldhandgriff geschmückte Zahnbürste und ein Paar Diesel-Jeans ein. «Wir wollen die Dinge haben, die sie hatten», sagte er einem Reporter der Nachrichtenagentur AP, während er sich das Kalaschnikow-Gewehr umhängte. Die Rebellen könnten nicht widerstehen, Ware aus den Gaddafi-Residenzen zu entwenden, gibt er zu. Nur die Symbole ihrer Macht würden zerstört.

Fündig wurden Gneidi und seine Mitkämpfer auch in Saadis Garage. Der Gaddafi-Sohn besass vier Autos: einen BMW, einen Audi, einen weissen Lamborghini und einen Toyota. Sie wurden von den Aufständischen konfisziert. In der Garage liessen sie nur ein riesiges Plakat eines gelben Lamborghinis zurück.

Jachten, Autos – und Schwulenpornos

Im Büro der Strandvilla fanden die Rebellen einen Stapel mit Jacht- und Autokatalogen. An einem Prospekt der Firma Benetti war noch ein gelber Post-It-Zettel befestigt, auf dem der Preis einer 30 Meter langen Jacht notiert war: sieben Millionen Euro. Unter den Papieren und Ordnern auf dem Tisch kam zudem eine DVD mit dem Schwulenporno «Boyz Tracks» zum Vorschein.

Gefunden wurden viele Visitenkarten, auf denen Saadi Gaddafi als «Partner» und «Executive Producer» des Filmunternehmens «Natural Selection» vermerkt war. Die angegebene Adresse war der Sunset Boulevard in Los Angeles. Gleich daneben lag das schwarze Rückteil eines Regiestuhls, auf dem ebenfalls der Name Saadi aufgedruckt war.

Offenbar war Saadi um seine Sicherheit besorgt: Die Rebellen fanden bei der Durchsuchung einen Tunnel, der in eine zweite Villa auf dem Grundstück führte und ihm einen alternativen Zugang zur Strasse ermöglichte. Zwischen den Häusern hatte sich der Gaddafi-Sohn ein Fussballfeld mit natürlichem Rasen bauen lassen. Direkt daneben befand sich die Grillstelle. Dort waren zwei grosse Zelte aufgespannt. In einem der Zelte fanden die Rebellen Munition, erzählte Gneidi.

Saadi war auch ein grosser Hundeliebhaber: Er besass mehrere Hundehütten, eine davon mit Bildern von Dobermännern dekoriert.

Viel Kinderkram bei Aisha

Nicht weniger luxuriös sah es in der Residenz der 35-jährigen Aisha Gaddafi aus. Bevor sie ihre zweistöckige Villa bauen liess, stand an dem Ort eine kleine Klinik für die Leute aus der Region, erzählten Nachbarn den Reportern. Diese wurde dann einfach plattgemacht.

Im Inneren des Hauses trafen die Rebellen auf viele Artikel für Kleinkinder. Im Wohnzimmer lag Spielzeug auf dem Boden, ein Laufgitter war aufgestellt. In der Bibliothek gab es mehrere Kinderbücher. Aisha war offenbar eine grosse Liebhaberin von Krimis und Action-Filmen. Besonders amüsant werden die Plünderer die DVDs mit Rückbildungsturnen gefunden haben: Die Juristin wollte sofort nach der Geburt ihrer Kinder wieder in Form kommen.

In den Kleiderschränken hingen sehr viele teure Markenartikel. Die Kinder trugen unter anderem Lederjacken von Dolce & Gabbana. Aisha besass zudem eine exklusive Sammlung böhmischer Gläser. Als die Reporter einen Nachbarn fragten, was er von Aishas Anwesenheit hielt, meinte er, man solle nur aus dem Fenster der Residenz schauen: Ausserhalb der hohen Mauern befindet sich ein armseliges Dorf mit kleinen, einfachen Häusern.

Rebellen filmen im Badezimmer von Aisha Gaddafi

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