Rettungsgasse: «Diesem Mann sollte das Auto verschrottet werden»
Aktualisiert

Rettungsgasse«Diesem Mann sollte das Auto verschrottet werden»

Ein Topmanager fuhr mit seinem weissen BMW durch die Rettungsgasse. Ein Verkehrspsychologe schätzt Leser-Kommentare ein.

von
Jennifer Furer

Das Video zeigt, wie der Mann in der Rettungsgasse fährt (Video: Leser-Reporter). 20 Minuten zeigt dieses Video, weil der Leser-Reporter filmte, während er im Stau stand und dabei nicht fuhr.

Ein Topmanager sorgt bei den 20-Minuten-Lesern für Unmut. Der Mann fuhr in seinem weissen BMW durch eine Rettungsgasse. Die Polizei ermittelt nun gegen den Mann.

In den Kommentarspalten wird rege über den Vorfall diskutiert. 20 Minuten hat fünf Kommentare herausgesucht und diese von dem Verkehrspsychologen Urs Gerhard einschätzen lassen.

So einem Autolenker sollte das Fahrzeug weggenommen und verschrottet werden und zusätzlich ein halbes Jahresgehalt als Busse auferlegt werden und ihm sollte ein Jahr der Führerschein weggenommen werden.

Urs Gerhard: Es ist verständlich, dass sich die Leute über das Verhalten des Topmanagers aufregen. Aber es liegt immer noch im Ermessen des Richters, wie er bestraft werden soll. Schlussendlich genügt Repression allein nicht, um das Verhalten eines fehlbaren Autofahrers zu ändern. Aber Strafen sind notwendig, und sie müssen auch spürbar sein.

Fahrausweisentzug oder Bussgeld nützt da nichts. Ein Monat Sozialdienst in einem Altersheim oder Spital würde sicher Wirkung zeigen.

Die Justiz muss entscheiden, welche Konsequenzen dem Mann auferlegt werden müssen. Ich könnte mir aber schon vorstellen, dass die Einsicht grösser wäre, wenn der Mann Sozialdienst in einem Rehabilitationszentrum für Verkehrsverletzte leisten müsste. Bis anhin gab es eine solche Massnahme noch nie. Einsicht kann aber durchaus auch durch Gespräche erreicht werden, wie sie im Rahmen einer Verkehrstherapie geführt werden.

Der Egoismus auf der Strasse und auch im sonstigen Leben grassiert.

Verhalten im Verkehr kann nicht unabhängig von alltäglichen Tätigkeiten betrachtet werden. Bei der Begutachtung schaut ein Verkehrspsychologe immer auch den Alltag von Verkehrsdelinquenten an und sucht nach Parallelen, die in den meisten Fällen vorhanden sind. Wer sich im Alltag rücksichtslos verhält, tut dies auch im Verkehr und wenn ein Mensch ungeduldig im Verkehr ist, ist er es meist auch im Alltag. Wenn diese Ungeduld zu einem Verkehrsdelikt führt, muss der Schuldige beweisen, dass er seine Einstellung und sein Verhalten im Alltag geändert hat, bevor er den Führerausweis zurückbekommt

Immer diese Ausreden der Beschuldigten. Hat man etwas anderes erwartet?

Ich stelle in der Verkehrstherapie immer wieder fest, dass Leute sich durch Ausreden aus der Affäre ziehen wollen. Das ist zwar verständlich, aber natürlich nicht zulässig. Es gilt dann, diese Ausreden zu hinterfragen. Einsicht in das eigene Fehlverhalten ist eine Mindestvoraussetzung, damit ein Autofahrer nach einem Verkehrsdelikt wieder zum Strassenverkehr zugelassen werden darf.

Gemäss Umfrage bilden aktuell 90 Prozent bei Stau immer eine Rettungsgasse. Ich stehe fast jeden Tag auf der A 1 im Stau, da sehe ich keine 90 Prozent.

Es hängt von der Einstellung dieses Lesers ab, ob er überall das Negative sehen möchte. Fakt ist aber, dass sich die Verkehrssicherheit in den letzten Jahren massiv verbessert hat. Es gibt viel weniger Unfälle mit Todesfolge oder Schwerverletzten. Das Verkehrsklima ist deutlich besser geworden, sprich: Mehr Leute halten sich an die strenger gewordenen Verkehrsregeln. Ausnahmefälle gibt es leider immer.

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