Vom Zuhören zum Zuhauen - Aunty B. beim Spanking-Workshop
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Aunty B. – All-In«Diesem Unbekannten soll ich jetzt den Po versohlen?»

Aunty B. besucht einen Spanking-Workshop und lauscht interessiert, wie sie ihrem Sexpartner auf den Hintern geben kann – bis sie plötzlich selbst Hand anlegen beziehungsweise die Hosen runterlassen soll.

von
Aunty B.
Zora Schaad
Deborah Gonzalez
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Aunty B. hat an einem Spanking-Kurs teilgenommen und lernt dort, wie man richtig auf den Po haut. Zuerst ist sie eingeschüchtert, doch sie weiss: Consensual-Play wird bei BDSM-Praktiken grossgeschrieben. Gegenseitiges Einverständnis und Absprache ist klare Voraussetzung.

Aunty B. hat an einem Spanking-Kurs teilgenommen und lernt dort, wie man richtig auf den Po haut. Zuerst ist sie eingeschüchtert, doch sie weiss: Consensual-Play wird bei BDSM-Praktiken grossgeschrieben. Gegenseitiges Einverständnis und Absprache ist klare Voraussetzung.

Privat
Die renommierte «Sexpertin» und Pleasure-Aktivistin Maggie Tapert hat zum Spanking-Workshop eingeladen.

Die renommierte «Sexpertin» und Pleasure-Aktivistin Maggie Tapert hat zum Spanking-Workshop eingeladen.

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Marc* meldet sich als Spielpartner für die Spanking-Runde mit Aunty B. Sie schlägt ihm mehrmals auf die Brust, um den richtigen Klatschton zu lernen. «Ich fühle mich mächtig und bemächtigt, in dieser mir unbekannten, dominanten Rolle», sagt sie danach.

Marc* meldet sich als Spielpartner für die Spanking-Runde mit Aunty B. Sie schlägt ihm mehrmals auf die Brust, um den richtigen Klatschton zu lernen. «Ich fühle mich mächtig und bemächtigt, in dieser mir unbekannten, dominanten Rolle», sagt sie danach.

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Darum gehts

  • Aunty B. will wissen, was es mit «Spanking» auf sich hat und besucht einen Workshop.

  • «Sexpertin» und Pleasure-Aktivistin Maggie Tapert macht vor, wie es geht.

  • Ein Mann, der Aunty’s Vater sein könnte, möchte ihr Spanking-Partner sein.

  • Aunty schlägt zu und findet Gefallen daran, auch mal den dominanten Part einzunehmen.

Hast du schon mal gespankt? Oder bist du schon gespankt worden? Ich will herausfinden, was der Reiz daran ist. So sitze ich verkrampft auf einem dieser Schulaula-Stühle, meine Finger um mein Notizheft geklammert. Genau wie die rund 45 weiteren Teilnehmenden schaue ich zu einem Ohrensessel mit schwarzem Blumenmuster, auf dem es gleich zur Sache gehen wird. Daneben eine Conga-Trommel und ein Klavier. Was dem Setting für eine Musikaufführung gleicht, ist die Kulisse für einen Spanking-Workshop im Atelier für Kunst und Philosophie in Zürich.

Auf der Internetseite des Veranstalters «Zwischenwelten» sind die Workshops als Teil einer Märchenwelt beschrieben, in welcher Farben intensiver erscheinen und sich Einhörner und Dämonen zu sinnlichen Spielen treffen. Doch statt Trudy Gerster auf LSD, treffe ich auf die renommierte «Sexpertin» und Pleasure-Aktivistin Maggie Tapert, welche zum Spanking-Workshop eingeladen hat.

«Wie jetzt, ich muss hier mitmachen?!»

«We gonna have fun and be funny together». Die 74-jährige, aus den USA stammende Sexologin, hält den Workshop auf Englisch ab. «Kann mir eine gut 40 Jahre ältere Frau Spanking beibringen?», denke ich leicht skeptisch. Noch habe ich keine Ahnung, wie wörtlich ihre Einleitung gemeint ist. «Gibts Freiwillige?», fragt Maggie ins Publikum, und nur wenig später beugt sich eine Frau mit weit heruntergezogenen Leggins über ihren Schoss.

«Zum Spanking gehören streicheln und dirty talk» erklärt Maggie. Langsam fährt sie über die Pobacken der Blondine, um sie anschliessend mit gewölbter – und geübter – Hand zu spanken. «Heute Nachmittag habe ich mich mit meinem Lover schon mal warm gemacht», verrät Maggie, und lacht herzhaft.

«Fuck it, das machst du jetzt»

Nur um kurz darauf wieder ernst dreinzublicken. «Jetzt seid ihr dran», meint sie. «Immer zwei zusammen.» Schon werde ich angetippt: «Hallo, mein Name ist Marc*, und wer bist du?». Entgeistert schaue ich in blaue Augen, während ich noch krampfhaft überlege. «Wie jetzt, ich muss hier mitmachen?!» Doch Maggie versichert, dass niemand was machen soll, was sie oder er nicht will. Consensual-Play wird auch bei BDSM-Praktiken grossgeschrieben. Gegenseitiges Einverständnis und Absprache ist klare Voraussetzung.

Was ist «BDSM»?

BDSM steht für «Bondage & Discipline» (BD), «Dominance & Submission» (DS) und «Sadism & Masochism» (SM). Es handelt sich um Sexpraktiken, in welchen es vor allem um Lustschmerz, spielerische Bestrafung und Machtspiele in gegenseitigem Einverständnis geht.

Was ist «Spanking»?

Spanking ist primär das Schlagen mit der flachen Hand, vorzugsweise auf den Po. Durch die Schläge wird die Durchblutung erhöht, was den Orgasmus intensivieren kann. Hilfsmittel wie Peitsche, Paddel, Kochlöffel oder Gürtel können hinzugezogen werden.

«Wie ist deine Spanking-Erfahrung?», will ich also von Marc wissen, während mir mein Herz bis zum Hals schlägt. Marc ist trainiert, kahlrasiert, wirkt sympathisch und hat was von Bruce Willis. Er erzählt, dass Spanking für ihn kein Neuland sei und ihn in seiner Sexualität seit mehreren Jahren begleitet. Ich zögere nur kurz, dann sag ich mir: «Fuck it, das machst du jetzt».

«Er könnte mein Vater sein»

Eine Minute später liege ich bäuchlings über seinem Schoss, den Oberkörper auf einen zweiten Stuhl gestützt, die Hose in den Knien. Mit seinen 58 Jahren könnte Marc mein Vater sein. Crazy. Beim ersten Schlag halte ich die Luft an, meine Pobacken zucken zusammen und ich denk mir nur «autsch!», aber auf eine angenehme Weise. Dass ich mich in einem Raum voller Fremden befinde, ist mir in dem Moment egal.

Aus allen Ecken des Raumes klatscht es, doch es ist kein Applaus. «Geht`s?», fragt mich Marc, während mir Hitze ins Gesicht steigt, welches bestimmt röter als ein Chilli ist. Und ich fühle mich, als hätte ich in eine reingebissen. Ich bin voll auf mich und den Schmerz konzentriert. «Ja, es geht», antworte ich, ruf später aber zweimal das Safeword «orange». Bei Rot müsste Marc stoppen. Nach fünf Minuten wechseln wir die Position.

Mein Hintern kribbelt, Schweiss läuft mir den Nacken herunter, während ich sein Gewicht auf meinen Beinen spüre. «Hau ruhig fester», lotst mich Marc. Ich denke mir: «Ich kann doch keinen fremden, nackten Männerpo schlagen!?» Ich fühle mich total verunsichert, aktiv jemanden zu spanken, will aber gleichzeitig unbedingt wissen, wie sich das anfühlt. Dass mich in diesem Raum niemand kennt, hilft dabei sehr.

«Das war mega hot!»

In der zweiten Spanking-Session erhole ich mich vom intimen Moment zunächst als Beobachterin. «Wie bringe ich diesen schönen Klatschton hin?», will ich von Marc wissen. Ich darf an seiner nackten Brust üben, als etwas Unerwartetes passiert. Ich fühle mich mächtig und bemächtigt, in dieser mir unbekannten, dominanten Rolle. «I`m giving pleasure in an unexpected way”» beschreibt es Maggie. Und es stimmt. Auf dem Weg zu meinem Platz flüstert mir eine Frau zu: «Das war mega hot!».

Eine magische Welt ist Spanking nicht. Und doch hat es bei mir einen kleinen Zauber ausgelöst. Es ist prickelnd, ab und an als Frau den dominanten Part einzunehmen. Reines Spanking muss für mich nicht sein. Doch schön, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Danke Maggie. Danke Marc. Für heute ist die Märchenstunde beendet.

*Name geändert

Wer ist eigentlich Aunty B. ?

Aunty B. teilt einmal pro Monat Erfahrungen aus ihrem Leben.

Aunty B. teilt einmal pro Monat Erfahrungen aus ihrem Leben.

Privat

Aunty B. ist 29 Jahre alt und stürzt sich immer wieder in spannende Abenteuer rund ums Thema Liebe, Dating und Sex. Tabus zu knacken, ist ihre grösste Leidenschaft! Dein Lieblings-Tantchen nimmt dich mit auf ihre Reise und lässt dich an Geschichten und Erfahrungen teilhaben, die du sonst nicht zu Ohren bekommst. Einmal pro Monat kannst du hier die neuesten Erfahrungen der Single-Frau nachlesen. Hast du eine Idee, was Aunty B. als nächstes ausprobieren oder testen soll? Dann schreib es an: onelove@20minuten.ch

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