Aktualisiert 21.08.2019 13:47

Krankenkassen

Diesen Herbst droht verstärkter Telefonterror

Callcenter dürften dieses Jahr noch häufiger anrufen, um zum Kassenwechsel aufzufordern, denn nächstes Jahr müssen Versicherer andere Wege gehen.

von
ish
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Um zum Kassenwechsel aufzurufen, dürfen Callcenter nächstes Jahr nicht mehr willkürlich Telefonnummern anrufen. Sie müssen die Nummern etwa von Wettbewerben haben, bei denen die Teilnehmer dazu ihre Zustimmung gaben  –  wenn auch nur im Kleingedruckten.

Um zum Kassenwechsel aufzurufen, dürfen Callcenter nächstes Jahr nicht mehr willkürlich Telefonnummern anrufen. Sie müssen die Nummern etwa von Wettbewerben haben, bei denen die Teilnehmer dazu ihre Zustimmung gaben – wenn auch nur im Kleingedruckten.

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Die meisten Kassen tun das schon heute, sie haben zumindest eine freiwillige Selbstverpflichtung dazu unterschrieben.

Die meisten Kassen tun das schon heute, sie haben zumindest eine freiwillige Selbstverpflichtung dazu unterschrieben.

Stevan Bukvic | CUSTOM IMAGES
Ab nächstem Jahr tritt ein allgemeines Gesetz gegen die wahllosen Anrufe in Kraft.

Ab nächstem Jahr tritt ein allgemeines Gesetz gegen die wahllosen Anrufe in Kraft.

AFP/Godong

Erst Ende September wird der definitive Prämienaufschlag der Krankenkassen bekannt. Der Telefonterror der Callcenter, die zum Kassenwechsel aufrufen und Termine mit Versicherern und Maklern vereinbaren, geht jedoch das ganze Jahr hindurch. Diesen Herbst dürften die Anrufe besonders häufig sein. Viele Kassen versuchen die letzte Möglichkeit dazu noch einmal auszunützen, bevor das neue Gesetz gegen wahllose Anrufe in Kraft tritt.

«Einige uneinsichtige Versicherer werden wohl versuchen, die Zitrone auszupressen, so lange es noch geht», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung Konsumentenschutz, zu 20 Minuten. Obwohl sie die meisten Leute damit verärgern, lohnt sich das wilde Herumtelefonieren der Callcenter. «Tendenziell dürften die grösseren Kassen versucht sein, das noch einmal verstärkt auszunutzen, denn die Versicherer müssen allgemein bekannt sein, um damit Erfolg zu haben », so Felix Schneuwly, Kassenexperte vom Vergleichsdienst Comparis.

Kassen kaufen Termine und Adressen vom Callcenter

Dieses Jahr ist es den Krankenversicherern zum letzten Mal erlaubt, Callcenter willkürlich auf Neukundenjagd gehen zu lassen. Die Telefonnummern werden von Computern willkürlich generiert – so dass auch unveröffentlichte Handynummern angerufen werden. Auch Anschlüsse, die explizit keine Werbeanrufe wünschen, werden kontaktiert. Das Parlament hat dagegen im Frühjahr ein Gesetz verabschiedet, das aber noch nicht umgesetzt ist.

Bislang sind die Anrufe nach dem Zufallsprinzip noch nicht verboten. Die Kassen führen die meist nicht selbst durch und geben sie auch nicht unbedingt eigens in Auftrag. Sondern Callcenter agieren auf eigene Faust und verkaufen die mit ihren Anrufen genierten Beratungsterminen erst später an Vermittler oder direkt an Versicherer weiter. «Dafür gibt es extra einen Terminmarkt», sagt Schneuwly.

Selbstverpflichtung hilft kaum

Schon vor einigen Jahren haben die Krankenkassen in einer Branchenerklärung erklärt, auf diese Art der Kundenakquise für die Grund- und Zusatzversicherung zu verzichten. Bei Curafutura, dem Verband der grossen Kassen, haben alle vier Mitglieder (CSS, Helsana, KPT und Sanitas) diese Selbstverpflichtung begrüsst. Ebenso beim Verband Santésuisse. Aber es kommt immer noch zu wahllosen Anrufen. «Würden sich alle Versicherer an die Branchenvereinbarungen halten, könnten dubiose Callcenter ihre Beratungstermine schon lange nicht mehr verkaufen», sagt Comparis-Experte Schneuwly.

Comparis vergibt seit vier Jahren Labels für Kassen, die tatsächlich auf wahllose Anrufe verzichten oder ganz und gar keine Telefonwerbung einsetzen. Wer dieses Label dieses Jahr erhalten hat, lesen Sie hier.

Alternative Werbung

Um ohne wahllosen Telefonterror an Adressen und Telefonnummern für die Anwerbung von Neukunden zu kommen, setzen Versicherer gerne auf Wettbewerbe oder Sponsoring von Sportanlässen. Die Athleten oder Teilnehmer an einem Preisausschreiben stimmen dann im Kleingedruckten zu, dass sie Werbeanrufe erhalten dürfen. Auch auf Messen wie der Olma werben Versicherer mit eigenen Ständen gerne für sich. (ish)

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