«Unbezahlbare Erfahrungen»: Dieser 17-jährige Schüler ist jetzt schon Chef von zwei Start-ups
Publiziert

«Unbezahlbare Erfahrungen»Dieser 17-jährige Schüler ist jetzt schon Chef von zwei Start-ups

Der Schüler-Businessman Felix Kläres hat mit 14 sein erstes Unternehmen gegründet. Bei Kundenterminen während des Unterrichts muss er den Lehrer um Erlaubnis bitten.

von
Fabian Pöschl
1 / 8
Felix Kläres startet bereits mit seiner zweiten Firma durch.

Felix Kläres startet bereits mit seiner zweiten Firma durch.

3DNavigator GmbH
Der 17-jährige Deutsche hat schon zwei Start-ups gegründet und bekam dafür Auszeichnungen wie den Hessischen Gründerpreis als jüngster Unternehmer.

Der 17-jährige Deutsche hat schon zwei Start-ups gegründet und bekam dafür Auszeichnungen wie den Hessischen Gründerpreis als jüngster Unternehmer.

Hessischer Gründerpreis
Seine erste Firma 3Dforyou ist auf 3D-Druck spezialisiert.

Seine erste Firma 3Dforyou ist auf 3D-Druck spezialisiert.

3DNavigator GmbH

Darum gehts

  • Felix Kläres hat dieses Jahr sein zweites Unternehmen gegründet.

  • Er freut sich auf den 18. Geburtstag, wenn er Geschäftsführer seiner Firmen werden kann.

  • Je früher man ein Unternehmen gründet, desto besser, sagen Experten.

Wer jung ein Unternehmen gründet, nimmt eine hohe Belastung auf sich, wenn gleichzeitig Schule ist. So geht es auch dem 17-jährigen Felix Kläres aus Deutschland, der schon zwei Start-ups aufgebaut hat.

Seine erste Firma für 3D-Druck gründete er mit 14. Sie war laut Kläres von Beginn an profitabel. Einen Lohn zahlt er aber trotzdem nicht aus. Die zweite Firma folgte dieses Jahr. Sie zeigt virtuelle Modelle von Immobilien für Bauprojekte in einer App an. Im Sommer soll es dafür eine Finanzierungsrunde mit 500’000 Euro von Investoren geben.

Mutter leitet Firma

Wenn Kläres in der Schule ist, muss er für Videocalls mit Investoren oder Kunden häufig den Lehrer fragen, ob er ihm einen Raum geben kann, wie er sagt. Die Schule störe sich nicht an seinen Geschäften, solange die Noten stimmen.

Weil er noch nicht volljährig ist, leitet offiziell die Mutter die Firmen, in der Schweiz ist das auch so (siehe Box). Er freue sich auf seinen 18. Geburtstag im September, wenn er den Posten des Geschäftsführers dann auch offiziell bekleiden kann. Der Junggründer will sich neben der Schule nun voll auf den Aufbau der zweiten Firma konzentrieren, weitere Firmen seien deshalb nicht mehr geplant.

Hürden für minderjährige Gründerinnen und Gründer

Die Firmengründung bei Minderjährigen ist kompliziert, sagt Startups.ch-CEO Michele Blasucci. Die Eltern müssen eine Einwilligungserklärung unterschreiben und notariell beglaubigen lassen. Überdies muss man dem Handelsregister eine Kopie des Familienbüchleins als Beweis senden. Um das Ganze zu organisieren, dauert es etwa zwei bis drei Tage. Deshalb liessen sich viele von den Eltern vertreten. Diese haften dann für allfällige Schulden bei AHV, Mehrwert- und Quellensteuer. Blasucci empfiehlt deshalb einen professionellen Treuhänder, der einem beispielsweise alle sechs Monate bestätigen könnte, ob alles gut läuft und bezahlt wurde.

Kläres empfiehlt auch anderen, schon in jungen Jahren ein Unternehmen zu gründen. Der bürokratische Aufwand sei zwar hoch und manchmal nicht leicht zu stemmen, wenn gleichzeitig Schule ist. «Aber die Erfahrungen als Gründer sind unbezahlbar», so Kläres. Man lerne stets dazu und bekomme ein Geschick dafür, kurz-, mittel- oder langfristige Projekte planen zu können.

«Unbedingt nachmachen»

Startups.ch-CEO Michele Blasucci zeigt sich beeindruckt. «Solche Leute sind Ausnahmetalente», sagt er zu 20 Minuten. Wer ebenfalls früh eine Firmenidee habe und davon begeistert sei, solle es ihm unbedingt nachmachen.

«Aus jungen Gründerinnen und Gründern werden irgendwann richtig gute Unternehmer oder Top-Manager», sagt Blasucci. Denn in grossen Unternehmen sehe man in der Regel immer nur einen kleinen Teil, während man als Gründer das Ganze sehe. «Man hat Kontakt mit Kunden und Lieferanten, hat schon mit Personal zu tun, muss die Buchhaltung machen und lernt, eine ganze Reihe von Problemen zu lösen.»

Die Erfahrungen seien super, allerdings dürfe man auch die Schule nicht schleifen lassen. «Man muss sich auch als Unternehmer immer weiterbilden», so Blasucci. Auch Beat Schillig vom Institut für Jungunternehmen in St. Gallen rät zum Schulabschluss, auch bei unternehmerischem Erfolg.

Je früher, desto besser

Schillig empfiehlt, sich Zeit für die Firma zu geben und nach einem oder zwei Jahren zu schauen, ob es damit weitergehen kann. «In einem Jahr als Unternehmer lernt man mehr als im ganzen Betriebswirtschaftsstudium», so Schillig.

Je früher man anfange, desto mehr Kompetenzen könne man sich aneignen. Ein Jungunternehmer habe später bessere Chancen auf einen Job als jemand, der beim Militär weitergedient hat oder auf Weltreisen war, so Schillig.

Die Arbeit im eigenen Unternehmen sei unglaublich befriedigend. «Man kann aber nicht einfach ausschlafen und nichts tun, weil man als Unternehmer Verpflichtungen etwa für die Angestellten hat», so Schillig.

Er nimmt Jungunternehmenden auch die Angst vor dem Scheitern, von den 860 Spin-off-Projekten der Schweizer Hochschulen, die von der Start-up-Förderung Venture-Kick mit Kapital unterstützt wurden, seien nach zehn Jahren noch rund 80 Prozent am Markt. 

Deine Meinung

40 Kommentare