16.05.2018 16:02

KI-Forschung

Dieser 19-Jährige will dein Hirn entschlüsseln

In Davos treffen sich derzeit Cracks aus aller Welt, um künstliche Intelligenz zu erforschen. Mit dabei ist auch ein besonders schlauer junger Berner.

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Donald Trump logierte hier am WEF, nun nehmen junge Wissenschaftler das Hotel Intercontinental in Davos in Beschlag. Die Schweizer Stiftung Mindfire hat die schlausten 50 Köpfe der Welt, die sich für künstliche Intelligenz (KI) interessieren, ausgewählt und ihnen eine Reise nach Davos gesponsert. Auch Kost und Logis werden bezahlt. Das Geld kommt von öffentlichen Stellen wie der Gemeinde Davos sowie von verschiedenen Unternehmen und Universitäten. Die Schweiz soll so im Standortwettbewerb um KI-Firmen und -Talente mitmachen und den Techgiganten im Silicon Valley den Kampf ansagen.

Der Berner Julius Vering (19) hat sich einen Platz unter den besten 50 gesichert. Er geht noch ins Gymi Neufeld (Notenschnitt: 6,0), belegt aber schon Kurse an der Uni Bern und wird bald an der Eliteuni Berkeley in Kalifornien studieren. Angebote des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Cambridge University hat er ausgeschlagen. «Die Stimmung hier ist super, sehr aufgeladen. Alle sind sehr motiviert, wir werfen uns die Ideen gegenseitig an den Kopf.» Wolle man Intelligenz verstehen, brauche es Teamarbeit. «Das Ziel ist, dass wir unsere Hirne zusammenschliessen und die zündende Idee kommt», sagt Vering.

Roboter sollen Menschen Aufgaben abnehmen

Aus Kanada reiste Nevicia Case (25) an, Psychologie-Doktorandin an der McGill University in Montreal. «Ich kann viel lernen, weil Leute aus so vielen Fachgebieten hier sind.» Mit dabei ist auch die 17-jährige Alyssa Patricia Ocampo aus den Philippinen. Sie hat an ihrer Schule einen intelligenten Abfalleimer entwickelt, der wiederverwertbaren Abfall wie Alu, PET oder Pappbecher automatisch aussortiert. Das Projekt gewann einen regionalen Innovationspreis. «Wir mussten alles selber finanzieren und uns gegen Privatschulen mit mehr Geld durchsetzen», sagt die 17-Jährige, die die weite Reise in die Schweiz ganz allein angetreten hat.

In den Workshops werden solche Projekte diskutiert. Die Gruppe von Case arbeitet etwa an einem Ernteroboter, der helfen soll, Hungersnöte zu lindern. Die Gruppe der kalifornischen Wissenschaftlerin Jennifer Goldmann, die Forscherin am Human-Brain-Projekt ist, konzipiert eine künstliche Intelligenz, die junge Menschen unterrichten soll. Und das Team von Vering kümmert sich um einen Tier-Roboter, der Abfall einsammeln soll. Das sind allerdings nur kleine Schritte zum eigentlichen Ziel: «Wir wollen den Brain-Code knacken, also die menschliche Intelligenz verstehen, entschlüsseln und nachbauen», sagt Mindfire-Initiator Kaufmann. Die KI soll künftig in der Forschung helfen, Krankheiten zu heilen, oder den Menschen lästige Jobs abnehmen.

«Im Silicon Valley gibt es vor allem Konkurrenz»

«Im Gegensatz zu Google, Apple und Facebook wollen wir unsere Erkenntnisse nicht für kommerzielle Interessen, sondern für das Wohl der Menschheit einsetzen», sagt Kaufmann. Die IT-Giganten beschäftigen im Silicon Valley bereits zahlreiche Mitarbeiter und in der Start-up-Szene ist KI ein derzeit sehr aktuelles Thema. Trotzdem glaubt Kaufmann an die Schweiz als Standort. «Ich habe mit Leuten im Silicon Valley gesprochen, die sagten mir, im Silicon Valley werde praktisch nicht kooperiert, sondern es gebe vor allem Konkurrenzdenken. Zudem haben die grossen Konzerne eher ein Interesse, möglichst viele Produkte zu verkaufen statt eine menschenähnliche KI zu schaffen.» Aus diesem Grund habe man auch einige Toptalente aus Kalifornien nach Davos holen können.

«Noch stehen wir ganz am Anfang», sagt Professor Christoph von der Malsburg, der das menschliche Hirn seit Jahrzehnten erforscht. Die Wissenschaft sei in der Vergangenheit immer wieder an der Erforschung der menschlichen Intelligenz gescheitert. Nun habe man aber dank immer grösserer Rechenleistung endlich die Chance, einen Durchbruch zu erzielen. Angst vor einer Machtübernahme der bösen Maschinen hat der Professor nicht: «Wir haben zum Glück Verhaltensforscher und Philosophen an Bord, die sich um solche Fragen kümmern. Unser Ethikrat kann Projekte bei Bedenken unterbinden.» Kaufmann ergänzt: «Das Rennen um künstliche Intelligenz findet ohnehin statt. Wenn wir den Brain-Code nicht knacken, tun es andere.»

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