Eintrag im Guinness-Buch – Dieser Baum ist so giftig, dass man bei Regen nicht unter ihm stehen sollte
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Eintrag im Guinness-BuchDieser Baum ist so giftig, dass man bei Regen nicht unter ihm stehen sollte

Er sieht harmlos aus, seine Früchte sogar verlockend. Das kann schnell gefährlich werden. Vom Manchinelbaum sollte man sich besser fernhalten – er ist offiziell der giftigste Baum der Welt.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Der Manchinelbaum sieht aus, als könne er kein Wässerchen trügen. 

Der Manchinelbaum sieht aus, als könne er kein Wässerchen trügen.

Getty Images/iStockphoto
Doch gilt er als gefährlichster Baum der Welt. Nahezu alles an ihm kann für den Menschen problematisch sein. 

Doch gilt er als gefährlichster Baum der Welt. Nahezu alles an ihm kann für den Menschen problematisch sein.

Wikimedia Commons/Mica/CC BY 3.0
Stellt man sich bei Regen unter, erblindet man unter Umständen, weil Milchsaft aus den Blättern austritt.

Stellt man sich bei Regen unter, erblindet man unter Umständen, weil Milchsaft aus den Blättern austritt.

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Darum gehts

  • An den Küsten Zentralamerikas, in der Karibik, im nördlichen Südamerika und in Florida sollte man bei der Annäherung an Bäume vorsichtig sein.

  • Denn in diesen Gebieten ist der Manchinelbaum zuhause, der offiziell gefährlichste Baum der Welt.

  • Er enthält starke Giftstoffe, die schwere Schäden hervorrufen und sogar zum Tod führen können.

Der Schein trügt. Das trifft auch auf den Manchinelbaum (Hippomane mancinella) zu. Denn fast alles an ihm ist toxisch: Wer sich bei Regen unter ihn stellt, verätzt seine Haut. Auch der Verlust des Sehvermögens ist möglich. Grund dafür ist der Milchsaft, der aus seinen Blättern austritt. Wird sein Holz verbrannt, kann es ebenfalls zu Erblindung kommen, die aber meist nur temporär ist. Beim Verzehr seiner Früchte droht der Tod. Heftige körperliche Reaktionen sind sogar garantiert.

Diese Erfahrung machte auch die Londoner Radiologin Nicola H. Strickland. Gemeinsam mit einem Freund war sie im Jahr 1999 nach Tobago gereist, wo sie gleich am ersten Morgen einen dieser idyllischen, verlassenen Strände, genau wie im Prospekt beschrieben, fand: «weisser Sand, sich wiegende Palmen und türkisfarbenes Meer.» Doch die paradiesischen Eindrücke wichen kurz darauf körperlichen Qualen, so Strickland in einem im «British Medical Journal» veröffentlichten Bericht aus dem Jahr 2000.

«Äpfelchen des Todes»

«Auf der Suche nach exotischen Muscheln und Korallenfragmenten sah ich zwischen den verstreut am Strand liegenden Kokosnüssen und Mangos einige grüne Früchte. Sie waren rund, etwa so gross wie eine Mandarine, und waren offenbar von einem grossen Baum mit silbrigem Stamm und schräg stehenden Blättern gefallen», schildert Strickland die schicksalhafte Entdeckung.

Die Radiologin und ihr Begleiter kosteten von den Früchten, die wie kleine Äpfel aussahen. Ihnen verdankt der Baum seinen Namen. Denn «Manchinel» geht auf das Spanische «manzanilla» – «Äpfelchen» zurück. Inoffiziell wird der Baum, der zu den Wolfsmilchgewächsen gehört, auch Manzanilla de la muerte (Äpfelchen des Todes) genannt. Dies bezieht sich darauf, dass der Manchinelbaum der gefährlichste Baum der Welt ist. So steht es im Guinness-Buch der Rekorde.

Piña Coladas brachten Linderung

Strickland und ihr Freund überlebten den Biss in die Manchinel-Frucht zwar, durchlebten aber höllische Qualen: Zunächst schmeckte der Strandapfel süss, doch «wenige Augenblicke später bemerkten wir ein seltsam pfeffriges Gefühl im Mund, das sich allmählich zu einem brennenden, reissenden Gefühl und einem Engegefühl im Hals entwickelte.»

Die Symptome wurden in den kommenden Stunden noch heftiger. «Wegen der unerträglichen Schmerzen und des Gefühls eines riesigen blockierenden Rachenklumpens konnten wir kaum noch feste Nahrung schlucken», so Strickland in ihrem Bericht. Die stattdessen konsumierten, meist alkoholischen Getränke, verschlimmerten die Situation noch. Einzig Piña Coladas und Milch hätten die Beschwerden etwas gelindert.

Nach rund acht Stunden seien zumindest die oralen Symptome langsam verblasst. «Aber unsere Halslymphknoten wurden sehr empfindlich und waren leicht zu ertasten.»

«Geschwüre in der Speiseröhre»

Dass sie tatsächlich Glück im Unglück hatten, erfuhren Strickland und ihr Begleiter, als sie Einheimischen von ihren Erfahrungen berichteten. «Sie reagierten entsetzt und ungläubig, weil die Frucht giftig ist.» In ihrer ursprünglichen Heimat ist das schon lange bekannt. Erzählungen aus der Zeit der frühen Kolonialisierung Lateinamerikas zufolge fesselte man Gefangene damals an die Bäume, um sie dadurch langsam zu Tode zu foltern. Auch Pfeile wurden mithilfe des Saftes vergiftet.

Mehrere Gegengift-Kandidaten

Laut dem böhmischen Botaniker Vincenz Franz Kostelecky (1801 bis 1887) kann der Saft, der oft in der Nähe wachsenden Bignonia leucoxylon oder die Wurzeln der Pflanze Maranta arundinacea als Gegengift eingesetzt werden. Auch die Samen des Kürbisgewächses Fevillea cordifolia gelten als ein gutes Gegenmittel. Ebenfalls hilfreich soll das Trinken und Abwaschen mit Meerwasser sein.

Maranta arundinacea: Das Pfeilwurzelmehl dieser Pflanze kann als Gegenmittel eingesetzt werden. 

Maranta arundinacea: Das Pfeilwurzelmehl dieser Pflanze kann als Gegenmittel eingesetzt werden.

Wikimedia Commons/Conrado/CC BY-SA 3.0

Wie viel Schaden bereits ein kleiner Biss anrichten kann, zeigt der Fall der beiden Reisenden. Bei ihnen hatte bereits das Schlucken einer winzigen Menge des Fruchtsaftes zu «Geschwüren im Mund und in der Speiseröhre sowie zu schweren Ödemen» geführt, so Strickland, die mit ihrer Veröffentlichung andere warnen möchte: «Vielleicht wären nur wenige Erwachsene (insbesondere medizinisch ausgebildete) so töricht, eine unbekannte Frucht zu essen, die sie am fremden Strand gefunden haben. Aber Kinder würden dies mit grosser Wahrscheinlichkeit tun, vor allem, wenn sie herausfinden, dass sie süss riecht und schmeckt.»

Trotz der Gefährlichkeit, die von Manchinelbäumen ausgeht, verzichtet man an den Küsten Zentralamerikas, in der Karibik, im nördlichen Südamerika und in Florida darauf, sie zu entfernen – weil sie Dünen stabilisieren und so die Sandabtragung von Stränden verhindern. Um Menschen vor ihnen zu schützen, sind viele Manchinelbäume daher mit Warnschildern oder roten Markierungen gekennzeichnet, um auf die von ihnen ausgehende Gefahr aufmerksam zu machen.

Update: In einer früheren Version des Artikels wurde der Manchinelbaum den «Wolfsmilchgewächsen» zugeordnet. Korrekt ist, dass es eine Pflanzenart aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) ist.

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