18.10.2020 13:52

Rot-Grün-SchwächeDieser Berner Künstler ist farbenblind und hat dennoch Erfolg

Trotz seiner Farbenschwäche stellt sich der Berner Künstler Vierwind den Farben Rot und Grün. Deswegen hat sich auf seinem neusten Werk ein Fehler eingeschlichen, den er selbst gar nicht bemerkte.

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Wer genau hinschaut, erkennt auf dem neusten Bild des Künstlers einen Fehler, der sich eingeschlichen hat.

Wer genau hinschaut, erkennt auf dem neusten Bild des Künstlers einen Fehler, der sich eingeschlichen hat.

Vierwind
Wer das Bild des Künstlers genau betrachtet und nicht farbenblind ist, erkennt, dass im unteren Teil des Bildes, im Bereich des vakuumierten Plastiks, die Farbe Rot verwendet wurde.

Wer das Bild des Künstlers genau betrachtet und nicht farbenblind ist, erkennt, dass im unteren Teil des Bildes, im Bereich des vakuumierten Plastiks, die Farbe Rot verwendet wurde.

Vierwind
Das Bild wird der Berner an einer Ausstellung in Miami ausstellen.

Das Bild wird der Berner an einer Ausstellung in Miami ausstellen.

Vierwind

Darum gehts

  • Der Berner Künstler Vierwind kann die Farben Rot und Grün kaum erkennen.

  • In seinem neusten Werk stellte er sich seiner Rot-Grün-Schwäche.

  • Dies führte zu einem Fehler auf dem Bild, den er selbst gar nicht bemerkte.

Seit mehreren Jahren kann der Berner Street-Art-Künstler Vierwind von seinen Bildern leben. Dabei hat der 25-jährige ein Handicap, das gerade in diesem kreativen Bereich ziemlich nervig sein kann. «Als ich sechs Jahre alt war, stellte der Kinderarzt fest, dass ich ich farbenblind bin beziehungsweise eine Rot-Grün-Schwäche habe», sagt Vierwind, der mit bürgerlichem Namen Micha Häni heisst. Der Künstler kann also die Farben Grün und Rot nicht so klar und deutlich erkennen, wie das Normalsichtige können.

Dies prägte den Berner schon während seinen künstlerischen Anfängen: «Als ich meine ersten Bilder malte, verwendete ich ausschliesslich knallige Farben oder griff auf Schwarz oder Weiss zurück», so Vierwind. Auch im Alltag wird er mit seiner Farbenschwäche konfrontiert: «Oft sehe ich auf öffentlichen Toiletten nicht, ob diese frei oder besetzt ist, was zu unangenehmen Situationen führen kann.» Die Unsicherheit beim Verwenden von roten oder grünen Farben hat der Berner mittlerweile abgelegt: «Wie man bei meinem neusten Werk erkennen kann, stelle ich mich heute diesen zwei Farben.» Auf seinem neusten Bild malte der Künstler eine vakuumierte Rose mit dem Bildtitel «Forever Young».

Der scheinbar unsichtbare Fehler

Der Künstler hat mittlerweile einige Tricks auf Lager, mit denen er seine Farbenschwäche überlisten kann. So liess er sich die Grundtöne der roten Rose mit grünem Stiel von einem Normalsichtigen absegnen. «Für die verschiedenen Abstufungen in den Farben habe ich dann jeweils Weiss oder Schwarz hinzugegeben. So konnte ich sicher sein, dass sich der Grundton nicht verändert», sagt Vierwind.

Trotz dieses Tricks geschah etwas Ungewolltes: «Als das Bild fertig war und ich die limitierten Prints bestellt hatte, fragte mich ein Kumpel, wieso ich im unteren Teil des Bildes die Farbe Rot benutzt habe.» Der Künstler befürchtete das Schlimmste: «Ich hatte keine Ahnung, wovon er spricht, ich sah und sehe bis heute nicht, was er meint», so Vierwind. Wer das Bild des Künstlers genau betrachtet und keine Farbenschwäche hat, erkennt, dass im unteren Teil des Bildes, im Bereich des vakuumierten Plastiks, ganz fein die Farbe Rot verwendet wurde.

«Kunst lebt nicht von der Perfektion»

Grund für dieses Missgeschick sei eine nicht gründlich genug ausgewaschene Spritzpistole gewesen, die der Künstler verwendete. «Normalerweise wäre mir ein solcher Fehler sofort aufgefallen und ich hätte ihn direkt ausgebessert. Wegen meiner Farbenblindheit habe ich nichts bemerkt», so Vierwind. Der Künstler fragte sich, ob er den Druck der Prints stornieren sollte, entschied sich schlussendlich aber dagegen. «Kunst lebt nicht von der Perfektion», sagt er dazu. Das Original und weitere Werke des Künstlers werden im kommenden Jahr in einer renommierten Galerie in Miami ausgestellt.

Farbenblindheit

Umgangssprachlich spricht man bei Personen, die an einer Rot-Grün-Schwäche beziehungsweise Farbfehlsichtigkeit leiden, oftmals von Farbenblindheit. Die Betroffenen können gewisse Farben, meist Grün und Rot, nur eingeschränkt oder gar nicht voneinander unterscheiden. Andere Farben werden von diesen Personen jedoch problemlos erkannt. Dagegen können Menschen mit einer sogenannten Achromatopsie gar keine Farben erkennen und sind somit im wahrsten Sinne des Wortes farbenblind.

(RC)

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