Brokeback what?: Dieser Film ist «zu schwul» für Hollywood
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Brokeback what?Dieser Film ist «zu schwul» für Hollywood

Steven Soderbergh dreht einen Film mit Michael Douglas und Matt Damon in den Hauptrollen. Dennoch findet der Kult-Regisseur keine Investoren. Das Verdikt: «too gay».

von
kis

«Behind the Candelabra» ist der jüngste Wurf des amerikanischen Regisseurs Steven Soderbergh. Der Film erzählt die Geschichte des Entertainers Wladziu Valentino Liberace, der seine Homosexualität und die Liebe zu seinem heimlichen Lebensgefährten Scott Thorsen zeitlebens verstecken musste. Liberace galt als musikalisches Wunderkind, gewann in den 50er-Jahren sieben Mal den Preis für den schnellsten Klassikpianisten der Welt und erhielt eine eigene Fernsehshow. Mit seinen schillernden Shows in Las Vegas setzte er sich nicht nur in der Wüste Nevadas ein Denkmal.

Immer wieder spekulierte die Presse über die Homosexualität von Mr. Showmanship, wie ihn die Medien nannten. Liberace führte etliche Rechtsstreitigkeiten gegen derartige Veröffentlichungen, die er allesamt für sich entscheiden konnte. Sogar vor Gericht sagte er unter Eid aus, dass er nicht homosexuell sei. Zu gross war seine Angst vor einem Imageschaden im prüden Amerika der damaligen Zeit. Wladziu Valentino Liberace erlag 1987 im Alter von 67 Jahren den Folgen von Aids.

Die Geschichte ist «zu schwul»

Das bewegte Leben von Liberace liefert den Stoff, aus dem tiefschürfende Filme gemacht sind. Zudem stehen mit Michael Douglas und Matt Damon zwei hochdekorierte Darsteller vor der Kamera, die als Kassenmagneten gehandelt werden. Investoren, um die tragische Geschichte auf die Kinoleinwand zu bringen, fand «Oceans Eleven»-Regisseur Soderbergh dennoch nicht. «Wir haben bei allen Studios in der Stadt angefragt. Wir brauchten fünf Millionen Dollar – aber keiner wollte es machen. Jeder sagte die Geschichte sei zu schwul. Das hat für niemanden von uns Sinn ergeben», so der Erfolgsproduzent gegenüber «The Wrap».

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In Anbetracht des lebenslangen und zermürbenden Versteckspiels von Liberace, muten diese Aussagen in Zeiten einer scheinbar modernen und toleranten Gesellschaft besonders unaufgeklärt an. Mit «Brokeback Mountain» und «Milk» gewannen vor ein paar Jahren gleich zwei Filme einen Oscar, die sich rund um das Leben homosexueller Männer drehen. Zudem läuft Soderberghs Werk am renommierten Film-Festival in Cannes. Obwohl es also eigentlich weder gesellschaftliche noch wirtschaftliche Gründe für eine Absage gibt, blieben die Studiobosse aus Hollywood hart. Wenigstens ins Programm des amerikanischen TV-Senders HBO hat es der Streifen aber geschafft. Die Ausstrahlung von «Behind the Candelabra» folgt im Mai.

Video: Liberaces TV-Show 1981, aufgenommen im Las-Vegas-Hilton.

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