Amphitheater in Kaiseraugst entdeckt - «Dieser Fund ist sensationell, damit haben wir nicht gerechnet»
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Amphitheater in Kaiseraugst entdeckt«Dieser Fund ist sensationell, damit haben wir nicht gerechnet»

Bei Bauarbeiten in Kaiseraugst stiessen Archäologen auf ein bisher vollkommen unbekanntes Amphitheater. Es handelt sich dabei um das bisher jüngste aus dem antiken römischen Imperium.

von
Tanya Vögeli
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Das neu entdeckte Amphitheater von Kaiseraugst unmittelbar am Rheinufer in einer Drohnenaufnahme.

Das neu entdeckte Amphitheater von Kaiseraugst unmittelbar am Rheinufer in einer Drohnenaufnahme.

Kantonsarchäologie Aargau, Kanton Aargau
Die Schwelle des Seiteneingangs besteht aus einem Sandsteinblock.

Die Schwelle des Seiteneingangs besteht aus einem Sandsteinblock.

Kantonsarchäologie Aargau, Kanton Aargau
Freigelegt ist etwa ein Viertel des Mauerovals.

Freigelegt ist etwa ein Viertel des Mauerovals.

Kantonsarchäologie Aargau, Kanton Aargau

Darum gehts

Bei Bauarbeiten für das neue Bootshaus des Basler Ruderclubs in Kaiseraugst ist im Dezember letzten Jahres ein bisher vollkommen unbekanntes Amphitheater zum Vorschein gekommen. Das machte der Kanton Aargau am Mittwoch bekannt. Es ist das zweite Amphitheater im Kanton Aargau und das dritte in der Römerstadt Augusta Raurica. Schweizweit sind nun acht solcher Bauten bekannt. «Wir sind sehr stolz einen solchen Fund auf unserem zukünftigen Bootshausgelände zu haben», sagt der Präsident Christoph Socin des Basler Ruderclubs.

Das Bauprojekt tangierte einen römischen Steinbruch, was der Kantonsarchäologie bekannt war. «Der Fund hat uns überrascht, wegen des Steinbruches rechnete man nicht mit Mauern und schon gar nicht mit einem Amphitheater», sagt Ausgrabungsleiter Jakob Baerlocher.

«Ungewöhnlich, solche Bauwerke so spät zu entdecken»

Die Funktion des ovalen Mauerrings war zunächst unklar und erst im Verlauf der Ausgrabung erkannte man, dass es sich um ein römisches Amphitheater handelte. Die Anlage ist rund 50 Meter lang und 40 Meter breit und liegt in der Senke eines noch in römischer Zeit aufgegebenen Steinbruchs unmittelbar westlich des Kastells Kaiseraugst. «Es ist ungewöhnlich, so ein grosses Bauwerk erst spät zu entdecken. Normalerweise kennt man deren Standorte schnell», so Bearlocher. Vom westlichen Seiteneingang hatte sich noch die Schwelle aus Sandsteinquadern erhalten. Die Innenseite der Arenamauer war verputzt. Die Tribünen bestanden aus einer Holzkonstruktion, von der sich noch der Abdruck eines Holzpfostens nachweisen liess.

Aufgrund der verwendeten Baumaterialien und der Funde kann das Theater in die Spätantike, wahrscheinlich ins 4. Jahrhundert nach Christus datiert werden. Damit ist es das jüngste bekannte Amphitheater des Imperium Romanum. In den Arenen wurden in römischer Zeit Spiele dargeboten wie Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen, die sich damals grosser Beliebtheit erfreuten.

Das Monument bleibt erhalten

Das Bauprojekt konnte so angepasst werden, dass das Amphitheater von Kaiseraugst im Boden erhalten bleibt. Den Ruderclub beeinträchtigt das nur am Rand. «Die Grabungen führen zu vertretbaren Verzögerungen, denn momentan ist nicht die Hauptsaison», so Socin. Darüber wird der Neubau errichtet.

Das Monument bleibt dadurch an seinem originalen Platz und ist optimal geschützt, sodass es für die Zukunft erhalten bleibt. «Dieser archäologische Fund ist sensationell, ein Amphitheater findet man nicht jeden Tag», so Baerlocher.

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