Aktualisiert

PersonenspürhundeDieser Hund hat Menschen das Leben gerettet

Bei der Polizei helfen Hunde nicht nur Verbrecher zu fangen, sondern auch Vermisste aufzuspüren. Sie müssen fast täglich ausrücken.

von
ann

Gesucht, geschnüffelt, gefunden – Spürhund Benia im Einsatz. (Video: Alice Grosjean)

Benia und Jörg Guggisberg sind ein eingeschworenes Team bei der Kantonspolizei Zürich. Die sieben Jahre alte Bayerische Gebirgsschweisshündin ist ein ausgebildeter Mantrailer und folgt Geruchsspuren vermisster oder gesuchter Personen, Kantonspolizist und Hundeführer Guggisberg unterstützt sie dabei und merkt sich, wo sie wie reagiert.

Bis vor einigen Jahren hatte die Kantonspolizei vor allem Schutz- und Betäubungsmittelspürhunde. Jetzt gehören nebst einigen anderen neuen Spezialisten bereits vier ausgebildete Personenspürhunde zum Korps. «Wir brauchen fast täglich so einen Hund», sagt Guggisberg, der Leiter der Mantrailer-Ausbildung ist.

Vermisstensuche und Verbrechensaufklärung

Am häufigsten würden Personenspürhunde eingesetzt, wenn ältere oft demente Personen vermisst werden. «Wir rücken aber auch aus und suchen, wenn ein Suizid angedroht wurde.» Immer wieder komme es vor, dass Kinder gesucht werden müssen. «Etwa autistische Kinder, die auf Rufe nicht reagieren und sich auch sonst nicht melden.»

Neben der Suche nach Vermissten werden Benia und ihre Kollegen aber auch eingesetzt, um bei der Aufklärung von Verbrechen zu helfen. «Um ein Alibi zu bestätigen oder zu überprüfen, ob eine Person am Tatort war.»

Entscheidende Hinweise für die Ermittlungen

Nur selten führt die Spur den Hund direkt zur gesuchten Person. «Meistens endet sie irgendwo an einem Bahnhof, einer Bus- oder Tramhaltestelle.»

Für die ermittelnden Polizisten seien auch diese Informationen wichtig. «Der Hund zeigt mir durch sein Verhalten an, dass die Spur der gesuchten Person an dieser Stelle endet und die Person zum Beispiel ein öffentliches Verkehrsmittel bestiegen hat. Dies ist für die weiteren Ermittlungen entscheidend.»

Zwei Fälle, die ans Herz gehen

Benia und Guggisberg haben in ihrer Tätigkeit schon mehrere Personen tatsächlich gefunden. Besonders in Erinnerung blieben Guggisberg zwei Fälle.

Im einen hat sein Hund eine geistig behinderte Frau gefunden, die in den Wald gelaufen und weit abseits des Weges erschöpft zusammengebrochen war. «Sie war vom Weg abgekommen und in ein Brombeer-Dickicht gestürzt.» Die Frau habe sich aufgrund des Erschöpfungszustandes nicht mehr bewegen können. «Hätten wir sie nicht gefunden, wäre sie wohl erfroren.»

In einem anderen Fall konnte man einen 94-Jährigen aufspüren, der im Wald abgestürzt und im Dornendickicht liegen geblieben war. «Auch hier hat der Geruchssinn meines Hundes dem Mann wohl das Leben gerettet», sagt Guggisberg nicht ohne Stolz.

Aufwendige schwierige Ausbildung

Während im Schutzhunde-Bereich der Polizei vor allem Schäferhunde oder Rottweiler eingesetzt werden, greift man bei Mantrailern gern auf Jagdrassen zurück, die wegen ihrer guten Nase und dem stark ausgeprägten Suchtrieb gezüchtet wurden.

Dennoch sei es keine einfache Sache, einen Hund so weit zu bringen, dass er den individuellen Geruch einer Person speichern und dessen Spur flogen kann. «Die Ausbildung dauert zwei bis drei Jahre», so Guggisberg. Die Arbeit beginne schon beim Welpen. Mit Zwang oder Gehorsam erreiche man gar nichts. Guggisberg: «Man muss den Hund dazu bringen, dass er selbst um jeden Preis die Person finden will.»

«Ich bin Benias Augen und Ohren»

Eine ganz zentrale Rolle spiele darum auch der Hundeführer. «Er muss sehr erfahren sein», so Guggisberg. Von der Zusammenarbeit und dem Vertrauen zwischen Hund und Führer hänge ab, wie gut ein Team funktioniere. «Ich muss mir jede kleinste Auffälligkeit bei der Suche merken und Benia helfen, wenn sie nicht mehr weiterkommt.» So könne er sie wieder an den Punkt zurückführen, wo sie eine Spur verloren habe oder ihr eine Auszeit geben, wenn sie eine Pause brauche.

Ausserdem sei die Hündin bei der Suche so konzentriert, dass sie kaum noch etwas um sich herum bemerke. «Ich bin Benias Augen und Ohren und passe auf, dass sie nicht überfahren wird oder irgendwo hineinläuft.»

Polizei rät dringend von privater Suche mit Hunden ab

Immer wieder sind die Mantrailer der Polizei damit konfrontiert, dass schon Private mit ihren eigenen, zum Teil zu Suchhunden ausgebildeten Hunden, versucht haben, eine Person zu finden. Die Polizei rät aber ausdrücklich davon ab, dies zu tun. «Die Gefahr ist gross, dass eine Spur danach kontaminiert ist und unsere Hunde nicht mehr suchen können.» Die Personensuche sei eine Aufgabe der Polizei. Hunde und Führer seien ausgesprochene Spezialisten, würden dies jeden Tag tun und hätten grosse Erfahrung. «Darum sollte man so eine Suche den Profis überlassen.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.