Airbus-Crash in Tripolis: Dieser Junge überlebte die Flugzeugexplosion
Aktualisiert

Airbus-Crash in TripolisDieser Junge überlebte die Flugzeugexplosion

Beim Flugzeugabsturz in Tripolis sind über 100 Menschen ums Leben gekommen. Nur einer blieb am Leben: ein Knabe aus Holland. Nun sind erste Bilder aufgetaucht.

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job/mdr

«Das ist ein wahres Wunder»: Mit diesen Worten bestätigte EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek die anfänglich unsichere Information vom Überleben des je nach Quelle acht-, neun- oder zehnjährigen niederländischen Jungen. Dem Jungen gehe es den Umständen entsprechend gut, er sei in ein Spital gebracht worden, berichtet der Fernsehsender «RTL Nieuws». Laut dem Fernsehsender sollen sich 61 Holländer unter den Opfern befinden.

Der Knabe ist nach aktuellen Angaben der einzige Überlebende des jüngsten Flugzeug-Crashes. Heute Morgen um 6.00 Uhr ist ein Airbus 330-200 der libyschen Fluggesellschaft El Afriqiyah beim Versuch zu landen abgestürzt und komplett zerstört worden.

Der niederländische TV-Sender «NOS» zeigte erste Bilder des Knaben:

(Quelle: YouTube.com)

Genaue Opferzahl noch unklar

Die Angaben über die genaue Zahl der Opfer widersprechen sich: Die Fluggesellschaft El Afriqiyah schreibt, dass 93 Passagiere und 11 Besatzungsmitglieder an Bord waren. Ein Vertreter der Flughafenbehörde sprach hingegen von 94 Passagieren.

96 der insgesamt 104 Insassen seien tot aus den Trümmern geborgen worden, sagte der libysche Verkehrsminister Mohammed Ali Saidan. «Wir schliessen die Hypothese definitiv aus, dass der Unfall auf einen Terrorakt zurückzuführen ist», sagte Sidan auf einer Pressekonferenz.

In dem Niederlanden lösten die Nachrichten von dem Flugzeugabsturz Entsetzen aus. Im Aussenministerium in Den Haag wurde ein Krisenstab eingerichtet. Ministerpräsident Jan Balkenende zeigte sich in einer ersten Reaktion schockiert. Die niederländischen Touristen kamen gemäss dem «Telegraaf» aus Südafrika und sollten in Tripolis auf Anschlussflüge nach Brüssel und Düsseldorf umsteigen.

Zerschollen oder explodiert?

Unklar ist sowohl der genaue Hergang als auch die Ursache des Unglücks. Laut dem El Afriqiyah-Vertreter in Johannesburg soll die Maschine wenige Meter über der Landebahn explodiert sein.Nach Agenturangaben hat aber niemand am Flughafen eine Rauchwolke gesehen. Gemäss SDA ist das Flugzeug am Boden zerschellt. Der Himmel sei zur Unfallzeit nur leicht bewölkt gewesen, sagte eine BBC-Reporterin.

Al-Jazeera berichtete unter Berufung auf die Luftfahrtbehörde in Tripolis, kurz vor der Landung sei ein technischer Defekt in der Maschine festgestellt worden.

Erste Fernsehbilder vor Ort zeigen auf einem weiten Areal verstreute Wrackteile, Feuerwehrleute und Mediziner, die sich mit Schutzmasken durch das Trümmerfeld kämpfen. Ein Rad liegt auf einem Haufen Gepäck. Zwei grüne Sitze stehen unversehrt inmitten ausgebrannter Flugzeugteile. Auch der Flugschreiber scheint nun gefunden worden zu sein.

Briten und Südafrikaner unter den Opfern

Der Airbus war als Flug 8U 771 von Johannesburg nach Tripolis unterwegs. Er startete gestern Abend in Südafrika zum knapp neunstündigen Flug und wurde als vermisst gemeldet, zitiert der amerikanische Sender ABC das südafrikanische Aussenministerium. Ein Al-Jazeera-Reporter in Johannesburg sagte, der dortige Flughafen habe noch keine genauen Informationen zur Nationalität der Opfer herausgegeben, man versuche noch immer herauszufinden, was passiert sei.

Laut BBC sollte die Maschine nach der Landung in Tripolis nach London Gatwick weiterfliegen. Die Besatzung sei ausschliesslich libyscher Nationalität.

Airline schweigt

Die Unglücksstelle wurde abgeriegelt. Ein AFP-Reporter vor Ort beobachtete verstärkte Sicherheitsmassnahmen rund um den Flughafen, der etwa 20 Kilometer von der Hauptstadt Tripolis entfernt liegt. Zahlreiche Krankenwagen und Fahrzeuge des Zivilschutzes waren im Einsatz.

Airbus hatte in einer Stellungnahme den Opfern das Beileid ausgesprochen und verspricht, bei der Untersuchung des Unglücks zu helfen. Die libysche Airline hingegen beschränkte sich auf ein knappes Statement, in welchem sie den Crash bestätigte und weitere Informationen versprach.

Neue Maschine

Laut Wikipedia sind bei der Fluggesellschaft El Afriqiyah schon öfters technische Mängel aufgetreten. Die Gesellschaft, die 2001 für eine engere Erschliessung unter den afrikanischen Ländern gegründet wurde, ist jedoch auf keiner schwarzen Liste aufgeführt. Zur Flotte der Airline gehören drei Flugzeuge des Typs A330-200. Sie sind laut Airline Industry Review alle weniger als ein Jahr alt. Laut Airbus ist die betreffende Maschine im September 2009 vom Band gelaufen.

Es soll sich um den zweiten Absturz eines A330-200 im kommerziellen Betrieb insgesamt handeln.

(job/mdr/sda)

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