Kampfjet-Crash: Dieser Mann hat nie vergessen, was er hier sah
Aktualisiert

Kampfjet-CrashDieser Mann hat nie vergessen, was er hier sah

Mick Sutterby war 23, als direkt hinter seinem Traktor ein Kampfjet abstürzte. Ein Fotograf knipste im richtigen Moment und schuf so ein legendäres Bild.

von
jcg

Am 13. September 1962 ereignete sich beim Flugplatz in Hatfield nördlich von London ein Flugzeugabsturz, der Berühmtheit erlangen sollte. Allerdings nicht wegen seiner Schwere: Betroffen war ein einziger Kampfjet, der Pilot überlebte. Was das Unglück unvergesslich machte, war eine Fotografie, die vom Timing her nicht besser hätte sein können. Sie zeigt die Unglücksmaschine und den Piloten einen Sekundenbruchteil vor dem Aufprall – beobachtet von einem erstaunten Landarbeiter.

Beim Kampfjet handelt es sich um eine English Electric Lightning F1. Es war der einzige in Grossbritannien entwickelte und gebaute Jäger der Royal Air Force, der schneller als Mach 2 flog. Das Exemplar auf dem Foto war ein Vorserienmodell von 1959.

Familienfoto geplant

Doch wie kam es zu der spektakulären Aufnahme? Der Fotograf Jim Meads hatte von seinem Nachbarn, dem Piloten Bob Sowray, gesteckt bekommen, dass dieser an diesem Tag die F1 fliegen würde. Meads, der nahe dem Flugplatz wohnte, plante daraufhin ein Foto seiner zwei kleinen Kinder – inklusive der landenden Maschine, wie der Blog Fear of Landing schreibt.

Doch es kam anders. Erstens sass nicht Sowray, sondern George Aird am Steuerknüppel. Und zweitens sind auf dem Foto nicht Meads Kinder mit einem landenden Jet, sondern der Traktorfahrer Mick Sutterby und die letzten Sekunden einer F1 zu sehen.

Rettung per Schleudersitz

Die Probleme für Aird fingen an, als Treibstoff aus einem Leck im Treibwerk austrat und Feuer fing. Die Hitze führte zu einem Ausfall der Steuerung des Höhenleitwerks, als sich das Flugzeug noch rund 30 Meter über Boden befand. Das hatte zur Folge, dass sich die Nase des Jets gen Himmel richtete. Aird, ein erfahrener Testpilot, erkannte den Ernst der Lage und betätigte geistesgegenwärtig den Schleudersitz, bevor sich die Flugzeugnase wieder senkte.

So knapp über dem Boden nützte ihm aber sein Fallschirm nichts mehr. Er durchschlug mit dem Schleudersitz das Glasdach eines Gewächshauses und brach sich beim Aufprall beide Beine. Er blieb zuerst bewusstlos liegen, bevor ihn die Sprinkleranlage für die Tomaten sanft weckte. Später soll er gesagt haben, er habe zuerst gedacht, er sei im Himmel. Sechs Monate später sass er wieder im Cockpit einer Lightning.

Sutterby vergass nicht

Lebhafte Erinnerungen nahm auch Traktorfahrer Mick Sutterby mit. In einem E-Mail von 2011 gab er detaillierte Auskünfte zu den Vorkommnissen an jenem Tag Anfang der 1960er-Jahre. Darin beschreibt er seinen Sommerjob als Mäher auf dem Flugplatz und wie er den Fotografen Meads eigentlich gerade verjagen wollte, weil ihm dieser mit seinen Kindern im Weg stand. Dann «hörte ich ein Getöse, drehte mich um und er schoss das Foto!» Es habe keine Explosion beim Aufprall, sondern lediglich ein lautes «Whooooof» gegeben, so Sutterby. Von der Aufprallstelle seien sie knapp 200 Meter entfernt gewesen.

Meads Foto wurde anfänglich zwecks Beweisaufnahme vom Luftfahrtministerium konfisziert. Schliesslich erhielt der Fotograf das Bild zurück und ging damit zur Zeitung «Daily Mail». Dort schickte man ihn mit der Bemerkung fort, die Aufnahme sei eine Fälschung. Gekauft hat sie schliesslich der «Daily Mirror» für 1000 Pfund, was knapp 25'000 Franken in heutigem Geld entspricht. Ein Familienfoto ist es zwar nicht geworden, gelohnt hat es sich für den Fotografen aber allemal.

Mit der neuen English Electric Lightning F1 umwarb die Royal Air Force in den 1960er-Jahre potentielle Piloten. (Video: Youtube/Charlie Dean Archives)

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