Senats-Hearing: Dieser Mann soll die UBS retten
Aktualisiert

Senats-HearingDieser Mann soll die UBS retten

Mark Branson wird heute um 15.30 Uhr Schweizer Zeit vor dem Ausschuss des amerikanischen Senats Rede und Antwort stehen. Von seinem Geschick hängt massgeblich Gedeih und Verderb der UBS ab - zumindest im US-Geschäft.

von
Lukas Hässig

Die US-Senatoren wünschten von der UBS für ihr Hearing einen hochrangigen Manager aus dem Bereich Vermögensverwaltung, der in der Schweizer Zentrale sitzt. Als Finanzchef des Wealth Managements mit Arbeitsort Zürich erfüllt der einstige Kommunikationschef Mark Branson die Anforderungen. Er wird ab 15.30 Uhr ein kurzes Statement verlesen und danach Fragen beantworten.

Branson, 40, geniesst in der UBS den Ruf eines aussergewöhnlich intelligenten, scharf denkenden und klar argumentierenden Managers. Er wird heute alle seine Fähigkeiten brauchen, um einem hochkarätigen Gremium von US-Senatoren standzuhalten. Branson wird ab 15.30 Uhr in Washington DC vermutlich als einziger UBS-Manager Red und Antwort stehen. Sein Kollege, der seit April in Miami festsitzende Martin Liechti, Chef der Vermögensverwaltung Americas International, könnte sich auf sein Schweigerecht berufen. Liechti könnte in den USA selbst angeklagt werden.

Verblüffendes Gedächtnis, bemerkenswerte Rhetorik

Dass die UBS Branson zur Befragung schickt, spricht für den jungen Angelsachsen. Für Schweizer Journalisten ist er kein Unbekannter. Von 2002 bis 2005 präsentierte Branson als oberster Kommunikationschef die Zahlen der Grossbank an den «Bilanz»pressekonferenzen. Er tat dies auf erstaunliche Art und Weise. Mit dem Finger markierte er die jeweilige Stelle im Manuskript, richtete dann seinen Blick an die immer gleiche Stelle im Publikum, ohne jemanden zu fixieren, und sprach lange Passagen mit vielen Zahlen ohne einen einzigen Versprecher. Auf Beobachter wirkte Branson dabei wie ein Whiz kid, der über ein besonders leistungsfähiges Gedächnis und eine bemerkenswerte rhetorische Begabung verfügt.

Allerdings hatte Branson bei diesen Auftritten auch etwas von einem Sprechcomputer. Die absolute Fehlerlosigkeit und Monotonie seiner Reden erweckten bei einem Teil der Besucher den Eindruck, dass es sich bei Branson um eine eher kühle, wenig empathische Person handeln könnte. Branson wurde 2006 zum CEO von UBS Securities Japan befördert, um vor wenigen Monaten in die Schweiz zurückzukehren, wo er zur Bewältigung der Subprime-Krise und der US-Ermittlungen wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung gebraucht wird.

«Traditionelle Zurückhaltung überwinden»

In einem seiner seltenen Interviews sagte Branson im Herbst 2005 dem Magazin Bilanz auf die Frage, welches die schwierigste Aufgabe als Chef-Kommunikator der UBS gewesen sei: «1998 erreichte der Ruf der Bank seinen Tiefpunkt. Um ihn zu retten, galt es, nicht nur von Transparenz und Offenheit zu reden, sondern diese auch zu zeigen, in Worten und Zahlen. Die Bank musste ihre traditionelle Zurückhaltung überwinden. Wir mussten lernen, auch Fehler und Enttäuschendes zu kommunizieren und das, was verbessert werden muss.»

Bransons UBS steht erneut an einem Tiefpunkt. Allerdings liegt dieser deutlich tiefer als 1998.

Das Hearing ist unter http://hsgac.senate.gov/public/index.cfm?Fuseaction=Hearings.Detail&HearingID=3b2c1960-1147-4025-91a0-ed2cb728c962 live zu verfolgen.

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