Afrikanischer Hosenlupf: Dieser Mann will König der Schweiz werden
Aktualisiert

Afrikanischer HosenlupfDieser Mann will König der Schweiz werden

Dieylani Pouye (26) will die urschweizerischste aller Sportarten aufmischen: Der Senegalese träumt davon, am diesjährigen Eidgenössischen Schwingfest Schwingerkönig zu werden.

von
Deborah Sutter

Wenn für ihn alles gut läuft, wird am Eidgenössischen Schwingfest 2013 ein exotischer Schwinger mitkämpfen: Dieylani Pouye, ein 26-jähriger Schwinger aus Dakar, bereitet sich derzeit in Genf auf die Qualifikationskämpfe im Juli vor.

Obwohl er der erste afrikanische Schwinger ist, hat er grosse Pläne: «Ich will hier Champion werden», sagt der 1.90 m grosse und 105 kg schwere Mann gegenüber «Le Matin». Denn Champion ist er bereits in der senegalesischen Version des Schwingens, dem Laamb. Pouye fühlt sich aber auch in dem sehr schweizerischen Umfeld der Schwingertradition wohl: «Meine Gegner grüssen mich, sie sind sehr nett zu mir. Es läuft gut.»

Die Technik machts aus, nicht die Kraft

Das Schwingen gestaltet sich für ihn jedoch einiges komplizierter als zunächst gedacht: «Das Niveau der Schwinger hier ist viel höher als dasjenige im Senegal – ich habe Mühe, sie auf den Rücken zu legen», so Pouye schmunzelnd. Seine physische Erscheinung unterscheidet sich zudem von derjenigen der meisten Schwinger: Sind die Schweizer eher massig und weniger gestählt, sieht Pouye aus wie ein Bodybuilder. «Doch die Technik macht es aus, nicht die Kraft, das habe ich mittlerweile gelernt.»

4 bis 5 Ausländer schwingen jeweils am Eidgenössischen mit

Ob der senegalesische Schwinger tatsächlich Schwingerkönig wird, steht in den Sternen. Doch der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) freut sich über den exotischen Zuwachs in der Schwingerszene: «Wir geben allen eine Chance, egal woher sie stammen. In der Regel haben wir an jedem Eidgenössischen 4 bis 5 ausländische Teilnehmer», sagt der Geschäftsführer Rolf Gasser. Der Senegalese und sein Kollege seien aber noch «nirgends» und müssten Vollgas geben. «Träumen darf man gern, es ist aber noch ein weiter Weg», so Gasser.

Von den insgesamt 7000 Mitgliedern des ESV haben rund 1 Prozent Migrationshintergrund. «Es freut uns besonders, wenn Leute zu uns stossen, die keine ‹Urschweizer› sind.» Würde Pouye tatsächlich Schwingerkönig, wäre er der erste Nicht-Schweizer seit 116 Jahren: «Damals gewann der Franzose Alfons Thurneysen – seinen Titel gestand man ihm allerdings erst 20 Jahre später zu», so Gasser.

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