Aktualisiert 21.03.2011 17:12

Fethi TerbilDieser Mann wurde Gaddafi zum Verhängnis

Als die Proteste am 15. und 16. Februar in der libyschen Stadt Bengasi ihren Anfang nahmen, forderten die Menschen vor allem die Freilassung des Anwalts Fethi Terbil.

Wie die politischen Umstürze in Tunesien und Ägypten sind auch die Massenproteste in Libyen eng mit dem Schicksal einer zentralen Identifikationsfigur verbunden: Fethi

Terbil vertritt als Anwalt einige jener Familien, die im Jahr 2006 bei einer Schiesserei im Gefängnis Abu Salim in der Hauptstadt Tripolis etwa 1200 Verwandte verloren.

Muammar Gaddafis Rede am Dienstag Abend

Nach seiner Festnahme versammeln sich in Bengasi Unterstützer zu einer Sitzblockade vor einer Polizeiwache. Es kommt zu Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften von Machthaber Muammar al Gaddafi, bei denen fast 40 Demonstranten verletzt werden.

Gaddafi's schräge TV-Ansage

Ab diesem Zeitpunkt breitet sich der Aufstand über das ganze Land aus. Das Ziel ist bald der Sturz Gaddafis. Die Vorbilder sind Tunesien, wo die Selbstverbrennung eines jungen Arbeitslosen die Proteste auslöste, und Ägypten, wo ein Aktivist Gräueltaten der Polizei anprangerte.

Ankunft europäischer Flüchtl. aus Libyen

Als Terbil seine Geschichte erzählt, ist er sehr aufgeregt. Die grosse Aufmerksamkeit der Medien ist er sich nicht gewöhnt. Er entschuldigt sich für die Schirmmütze auf seinem Kopf und die Turnschuhe an seinen Füssen. Beides bezeichnet er als «Kleidung der Revolution», die er wieder ablegen werde.

Kein Politiker - Mann des Rechts

In die Politik wolle er nicht, stellt er sofort klar. Sein Ziel sei nur Gerechtigkeit für die im Gefängnis Getöteten. Sie hätten lediglich bessere Haftbedingungen gefordert und seien deswegen getötet worden, klagt er. Terbil ist ein Mann des Rechts. «Ich hoffe aus vollem Herzen, dass Gaddafi lebendig festgenommen wird», sagt der 39-Jährige nach fast zweiwöchigen Kämpfen zwischen Demonstranten und Getreuen des Staatschefs, in denen zahlreiche Menschen ihr Leben lassen mussten.

«Er soll der Justiz übergeben werden und einen gerechten Prozess bekommen», fügt er noch hinzu. Dann gehen die Emotionen mit ihm durch. «Wenn dies nicht möglich ist...», sagt er noch und führt eine Handkante in unmissverständlicher Geste zu seinem Hals.

Sieben Mal festgenommen

Seit der Übernahme der Mandate in den juristischen Verfahren um die Gefängnisschiesserei ist Terbil sieben Mal festgenommen worden, zuletzt am 15. Februar. «Rund 20 schwer bewaffnete Sicherheitskräfte sind zu mir nach Hause gekommen und haben mich mitgenommen», sagt er.

Die Nachricht habe sich unter den Familien der Opfer verbreitet und zu den Protesten geführt. «Ich wurde zu Abdallah Senussi, Gaddafis persönlichem Sicherheitsverantwortlichen, gebracht», sagt Terbil weiter. Dieser sei wegen der Proteste «sehr nervös» gewesen.

«Also habe ich vorgeschlagen, mich freizulassen, um mit den Demonstranten zu sprechen», sagt Terbil. Dies habe Senussi jedoch abgelehnt und gesagt, die Sicherheitskräfte würden die Kundgebungen verhindern. Allerdings habe ihn Senussi nach den Forderungen der Demonstranten gefragt. «Die Wahrheit über Abu Salim», sei seine Antwort gewesen.

Nach den Zusammenstössen in der Nacht sei er dann am Morgen entlassen worden, sagt Terbil. Die Ausbreitung der Proteste in Libyen sei zu diesem Zeitpunkt jedoch schon nicht mehr aufzuhalten gewesen. (sda)

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