SP reicht Vorstoss ein: Dieser Muskelprotz wird zum Politikum
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SP reicht Vorstoss einDieser Muskelprotz wird zum Politikum

Die Luzerner SP findet, die Stadt Luzern kommuniziere nicht genderlike. Ausdruck dafür sei etwa ein Info-Plakat in einem Outdoor-Fitnesspark, auf dem ein junger und sehr muskulöser Mann die Übungen vorzeigt.

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Ein Körper wie ein Adonis: Diese Figur ist auf einer Informationstafel bei einem Fitness-Outdoor-Park in der Stadt Luzern abgebildet.

Ein Körper wie ein Adonis: Diese Figur ist auf einer Informationstafel bei einem Fitness-Outdoor-Park in der Stadt Luzern abgebildet.

Nadine Wechsler
So sieht diese Tafel auf. Der Muskelmann zeigt zwölf Übungen vor.

So sieht diese Tafel auf. Der Muskelmann zeigt zwölf Übungen vor.

Nadine Wechsler
Und hier kann man die Übungen ausführen. Es sollen sich alle angesprochen fühlen, monieren zwei SP-Politikerinnen.

Und hier kann man die Übungen ausführen. Es sollen sich alle angesprochen fühlen, monieren zwei SP-Politikerinnen.

Nadine Wechsler

Darum gehts

  • Die SP der Stadt Luzern hat einen Vorstoss zur Kommunikations-Strategie der Stadtbehörden eingereicht.
  • Das Postulat trägt den Titel «Städtische Kommunikation muss einschliessen, nicht ausschliessen».
  • Die SP kritisiert unter anderem ein städtisches Info-Schild, auf dem ein Muskelprotz über Fitnessübungen informiert.
  • Weiter wird gefordert, dass Video Untertitel haben und dass in offizieller schriftlicher Kommunikation der Genderstern (*) verwendet wird.

Die Stadt Luzern setze sich zwar für Gleichstellung von Mann und Frau ein, ebenfalls für die Integration von Menschen mit einer Behinderung. «Trotzdem zeigen sich in letzter Zeit immer wieder Beispiele, wo die städtische Kommunikation hinter ihren eigenen Bekenntnissen zurückbleibt. Dies schliesst Teile der Bevölkerung aus und verlangsamt den gesellschaftlichen Fortschritt zur gleichberechtigten Integration aller Bürgerinnen und Bürger», teilt die SP in einem Vorstoss mit.

Lieber Frau oder rundliche Person statt Mann mit Sixpack

In ihrem Vorstoss präsentiert die SP drei Beispiele von aus ihrer Sicht behördlicher Kommunikation, die eben ausschliesse statt einschliesse. Ein solches Beispiel ist ein Muskelprotz. Dieser ist auf einem Infoschild beim Street Workout Park in der Ufschötti abgebildet und zeigt, wie die Übungen ausgeführt werden sollen. «Dieses zeige «eindeutig auf, für wen dieser Park gedacht ist», kritisieren die SP-Grossstadträtinnen Maria Pilotto und Tamara Celato, welche den Vorstoss eingereicht haben.

Gegenüber Zentralplus sagten sie, wie die Infotafel aus ihrer Sicht besser gestaltet werden könnte: Statt eines Muskelprotzes schlagen sie etwa «eine eher rundliche Person» vor, die eine der Übungen vorzeige, und andere Übungen sollen Frauen, dunkelhäutige, junge und alte Menschen präsentieren. Bei den zwölf Workout-Übungen, die auf dem Plakat abgebildet sind, sei das kein Problem und eine Chance, mehr Menschen damit abholen zu können, sagt Pilotto.

Untertitel für Videos und Übersetzung in Fremd- und Gebärdensprache

Weiter verlangt die SP, dass alle Videos der Stadt mit schriftdeutschen Untertiteln versehen werden. Die neuen Videos zu historischen Stadtrundgängen in der Luzern seien «erst nachträglich und aufgrund externer Hinweise mit schriftdeutschen Untertiteln versehen» worden seien. «Filme in Mundart sind für gehörlose Menschen sowie für viele zugewanderte Menschen nicht zugänglich. Filmproduktionen der Stadt Luzern sollen mit Untertiteln diesen Ausschluss vermeiden.»

Und bei Videos wird im Vorstoss gar noch mehr gefordert als nur Untertitel: Bei Bedarf sei die Übersetzung in Gebärdensprache oder in verschiedene Fremdsprachen zu prüfen.

SP fordert Genderstern (*)

Und schliesslich monieren die Politikerinnen, dass die Stadt in offizieller Kommunikation auf eine Schreibweise mit Genderstern (*) verzichte. Dabei stütze sich die Stadt auf einen 10-jährigen Sprachleitfaden. «Dies einfach auf die gesamte städtische Kommunikation zu übertragen, macht die Vielfalt der städtischen Bevölkerung absichtlich unsichtbar und ist nicht mehr zeitgemäss.»

Damit die Stadt Luzern einschliessender kommuniziert, stellt die SP in ihrem Vorstoss nun Forderungen: Findet der Vorstoss im Parlament eine Mehrheit, muss der Stadtrat prüfen, wie ihre Kommunikationsabteilungen konsequent zeitgemäss und einschliessend kommunizieren könnte.

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