Katholiken-Kalender: Dieser Priester ist sexy – aber falsch
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Katholiken-KalenderDieser Priester ist sexy – aber falsch

David Ruiz schmückt seit 2008 einen Kalender für Katholiken – dabei ist der 30-Jährige gar kein Priester. Wie es dazu kam, verrät der Fotograf 20 Minuten.

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Die zwölf Männer im Kalender haben eines gemeinsam: Sie sehen toll aus. Eigentlich sollte sie aber eine zweite Eigenschaft verbinden - wenn da nicht einer aus der Reihe tanzen würde. Im «Calendario Romano» präsentiert der italienische Fotograf Piero Pazzi seit acht Jahren die schönsten Priester und Seminaristen des Landes. «Pater März» ist jedoch eine Ausnahme. Der heute 30-jährige David Ruiz ist kein Geistlicher, sondern ein Immobilienmakler aus Sevilla.

Im Jahr 2008 erschien Ruiz erstmals im Katholiken-Kalender. Er entdeckte sein Bild erst, nachdem schon 40'000 Exemplare davon gedruckt worden waren. Seine Überraschung war riesig. «Meine Familie und ich konnten das nicht glauben. Ich bin ja kein Priester», erzählte er damals den spanischen Medien. Fotograf Pazzi hatte Ruiz zwei Jahre zuvor an Ostern bei einer Prozession entdeckt, an der der damals 21-jährige Spanier als Laie für eine Bruderschaft teilgenommen hatte.

Mitmachen kann jeder

Zunächst war Ruiz etwas unglücklich, doch als die Bruderschaft begeistert auf die Nachricht reagierte, sah auch er gewisse Vorteile an seiner Rolle als Schönling: «Ich hoffe, ich habe dann etwas mehr Glück bei den Frauen», sagte er. Im Kalender 2014 hat nun Fotograf Pazzi sein Foto ein weiteres Mal verwendet.

«Dieses Bild gefällt mir persönlich sehr», erklärt Pazzi gegenüber 20 Minuten. Es habe etwas von der Versuchung Jesu, der allein in der Wüste fastet und den Versuchungen des Teufels widersteht, sagt der Künstler. Auf dem Foto wird der Laie von einer Frauenhand gefüttert. Pazzi kennt die Geschichte dahinter. «Die Frau ist seine Schwester. Weil die Männer viele Stunden bei den Prozessionen mitlaufen, hat sie ihm etwas zu essen gebracht. Just in dem Moment hatte ich ihn vor der Linse.»

Dass Pater März kein echter Priester ist, findet Pazzi nicht schlimm. Schliesslich sei das Ziel des Kalenders, wichtige Informationen über den Vatikan zu vermitteln. «In erster Linie soll es eine Hilfe für Touristen sein, die sich in Rom nicht zurechtfinden.» Im Kalender seien unter anderem Öffnungszeiten von Museen, Palästen oder Apotheken und wichtige Erklärungen zur Schweizergarde angegeben. Die Texte sind deshalb in vier Sprachen abgedruckt, erklärt Pazzi. Er betont aber: «Das ist kein offizieller Vatikan-Kalender.»

Ab 2015 gibt es auch einen Nonnen-Kalender

Die Verkaufserträge sind Pazzis Privatsache. Das Geschäft lohnt sich: Der Pin-up-Kalender der schönen Priester verkauft sich wie warme Weggli. Er ist für 10 Euro über die Internetseite www.calendarioromano.org erhältlich. Die Kundschaft ist zwar international, doch besonders beliebt scheint er bei Norwegerinnen und Schwedinnen zu sein, so Pazzi weiter.

Weil sich von einem Jahr zum anderen die meisten Gesichter wiederholen, ist der Fotograf ständig auf der Suche nach neuen geistlichen Models. Dieses Jahr stellt Pazzi eine neue Akquisition vor: Der polnische Priester Jaroslaw Banasiak ist Pater August. Der Pole hatte sich auf Pazzis Ausschreibung gemeldet. «Pater Banasiak fragte mich an, ob er auch mitmachen könne. Er meinte, er habe ein Bild von sich aus seinem Besuch in Rom, das ihm sehr gefalle.»

Im kommenden Jahr will Piero Pazzi mit einem Nonnen-Kalender nachlegen. Auf seinen Reisen durch Europa entdeckt er immer wieder spannende Motive. «Ich habe ein wunderschönes Kloster mit Klausurnonnen im Süden Spaniens entdeckt.» Den 24 Nonnen, die dort wohnen, habe er in diesem Jahr den Kalender gewidmet.

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