Shoppi Tivoli: Dieser Saturn schliesst wegen Kundenmangels
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Shoppi TivoliDieser Saturn schliesst wegen Kundenmangels

Es ist paradox: Die Saturn-Filiale in Spreitenbach AG muss schliessen, weil sie zu wenige Kunden anzog. Dann wurde der Räumungsverkauf unterbrochen, weil zu viele Leute kamen.

von
jbu

Nach wenigen Stunden war es schon fast vorbei. Der gross angekündigte Räumungsverkauf im Saturn im Shoppi Tivoli war ein solcher Erfolg, dass die Regale des Elektronikgeschäfts bereits am frühen Mittwochnachmittag praktisch leer waren – der Laden wurde für mehrere Stunden geschlossen. Erst nach 17 Uhr wurde er erneut geöffnet, um auch die restlichen Rabattwaren an den Mann und die Frau zu bringen.

Vor der Saturn-Filiale war schon am frühen Morgen die Hölle los. Um 6:30 Uhr bezogen die ersten Schnäppchenjäger vor dem Geschäft Stellung – zweieinhalb Stunden vor Ladenöffnung. Gegen 10 Uhr tummelten sich dann bereits rund 2000 Personen vor dem Elektronikgeschäft. Es wurde gerempelt und gedrängelt – jeder wollte möglichst schnell zu den Wühlkisten im Innern des Geschäfts vordringen. 20 bis 70 Prozent auf alles, lautete das Versprechen des Elektronikriesen Saturn.

Das Angebot lockte auch Leser-Reporter Emrah Cinar nach Spreitenbach. «Ich warte hier, bis ich endlich herein darf. Ich habe gelesen, dass alle Preise stark reduziert sind. Deshalb will ich so richtig zuschlagen. Ich hoffe, dass auch die Fernsehgeräte heruntergesetzt sind. Dann kaufe ich gleich zwei», kündigte der euphorische Schnäppchenjäger am Morgen an.

20 Sicherheitsleute

Wer eine günstige DVD oder einen preiswerten Fernseher abstauben wollte, brauchte aber viel Geduld. Die Verantwortlichen des Shoppi Tivoli wurden vom Ansturm total überwältigt, wie der Centerleiter Patrick Stäuble auf Anfrage von 20 Minuten Online sagte.

Aus Sicherheitsgründen seien die Kunden deshalb nur tranchenweise ins Geschäft gelassen worden. «Wir haben 20 Sicherheitsleute aufgeboten, darunter auch mehrere Kantonspolizisten. Sie errichteten Absperrungen und liessen nur immer ein paar Dutzend Kunden gleichzeitig ins Geschäft.»

Trotzdem kam es zu einem enormen Gedränge, es wurde gestossen und geschubst. Die Leute rissen sich die Ware förmlich aus den Händen. Mehreren Kunden wurde es zu viel, sie mussten von Sicherheitsleuten nach draussen begleitet werden. Bald waren so viele Leute im Laden, dass der Eingang für neue Kunden komplett geschlossen wurde. Ein erster Einlassstopp wurde bereits ein Vormittag verhängt, ein zweiter dann am frühen Nachmittag.

Ab 17 Uhr gings wieder los

«Es sind zwar noch Leute am Einkaufen, bis 17 Uhr darf aber niemand mehr ins Geschäft», sagte Stäuble kurz nach 14 Uhr. Dann wurde im Chaos, das die kaufwütige Meute hinterlassen hat, wieder Ordnung geschaffen. Eigentlich hätte der Räumungsverkauf bis Samstag dauern sollen. Aber: «Derzeit sind bereits zwei Drittel der Regale leer geräumt. Ich rechne damit, dass heute oder morgen alles weg sein wird», so Stäuble.

Verkaufszahlen, wie sie wohl das Herz eines jeden Geschäftsmannes höher schlagen lassen. Ein bitterer Beigeschmack bleibt aber: «Hätte der Saturn immer so viele Kunden gehabt, müsste er jetzt nicht schliessen», so Stäuble nachdenklich. Dies zeige wohl, wie preisaffin Elektronikkunden seien – und wie hart umkämpft der Markt. Geiz ist eben doch geil.

Der Saturn im Shoppi Tivoli muss schliessen, weil sie nicht die gewünschte Anzahl Kunden anzog. Anstelle von CDs und Radiogeräten werden nun bald T-Shirts und Hosen verkauft: Ein Laden der spanischen Modekette Zara öffnet im September seine Tore.

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