08.03.2019 04:45

Festung Furggels

Dieser Schweizer besitzt ein unterirdisches Dorf

Der Widnauer Erich Breitenmoser ist stolzer Besitzer einer der grössten Festungen der Schweiz. Diese war bis vor 20 Jahren streng geheim.

von
juu
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Armee-Fan Erich Breitenmoser hat sich zum Jahresanfang etwas Besonderes gegönnt: Eine der grössten Festungen der Schweiz.

Armee-Fan Erich Breitenmoser hat sich zum Jahresanfang etwas Besonderes gegönnt: Eine der grössten Festungen der Schweiz.

Erich Breitenmoser
Die Festung Furggels liegt in St. Margrethenberg SG an einer Strasse.

Die Festung Furggels liegt in St. Margrethenberg SG an einer Strasse.

Erich Breitenmoser
Die ersten rund hundert Meter ist die Festung sogar befahrbar.

Die ersten rund hundert Meter ist die Festung sogar befahrbar.

Erich Breitenmoser

Anfang Januar 2019 erfüllte sich die Familie Breitenmoser einen kleinen Traum. Vielleicht auch einen grossen. Vater Erich Breitenmoser kaufte in St. Margrethenberg SG eine Festung, die sich über rund 7,5 Kilometer erstreckt. Auf die Idee kam die Familie in den USA: «Wir haben von 1983 bis 2012 in Amerika gelebt. Dort gibt es viele sogenannte Prepper», so Breitenmoser. Unter Preppers versteht man Leute, die sich gezielt auf denkbare Naturkatastrophen oder Kriege vorbereiten, etwa durch den Bau von Schutzbunkern. «Was bringen mir fünf Lamborghinis, wenn doch mal etwas passiert? Da ist eine Festung schon nützlicher», sagt Breitenmoser mit einem Lachen.

Erich Breitenmoser im Interview. (Video: juu)

In den USA gibt es sogar TV-Serien und Shows für Preppers. Kein Wunder also, dass auch Breitenmosers Tochter von Bunkern und Schutzräumen fasziniert ist. «Ich habe die Festung Furggels also auch für sie gekauft», so der Vater. Der riesige Bunker war 1939 für die Schweizer Armee im Zweiten Weltkrieg erbaut worden und blieb danach bis Ende der 90er-Jahre in Betrieb. 38 Monate dauerte die Bauzeit. Breitenmoser: «Hier können rund 600 Leute Schutz finden und sich in einer Extremsituation bis zu sechs Monate unter der Erde aufhalten.»

Befahrbare Festung

In der Festung sieht es aus, als wäre die Zeit stehen geblieben. Neben alten Telefonen mit Wahlscheiben und grossflächigen Munitionslagern kann man im Inneren auch noch originale Geschütze antreffen. Bis Ende der 90er-Jahre sei die Festung kontinuierlich an neue Bedrohungen angepasst und daher stets auf dem neuesten Stand der Technik gebracht worden. «Auch eine ABC-Filter-Anlage ist hier unter der Erde installiert», erzählt Breitenmoser.

Doch der unterirdische Bunker hat noch mehr Besonderheiten. Im Gegensatz zu anderen Militärfestungen liegt er nicht mitten im Wald oder abseits der Dörfer, sondern direkt an einer Strasse. Der Haupteingang konnte sogar mit einem Fahrzeug befahren werden. «Im Eingangsbereich der Festung befindet sich auch heute noch eine intakte Drehscheibe, mit der man sein Auto oder Lastwagen zur Wegfahrt wenden kann», so der Besitzer.

Bunker war als «streng geheim» eingestuft

Umso kurioser, dass die Festung Furggels bis 2002 ein «geheimer» Bunker war. «Man durfte nicht einmal seiner Frau erzählen, wo man genau hinging. Der unterirdische Bau war top secret.» Die ganze Anlage umfasst über 190 gewölbte und betonierte Räume, mitten im Fels. Neben diversen Schlafsälen im Untergeschoss der mehrstöckigen Festung befinden sich unter anderem noch eine alte Post, eine Telefonzentrale, ein Spitaltrakt, eine Totenkammer und eine riesige Kantine in der Festung.

Ein Blick in den Bunker. (Video: juu)

Da das Riesenareal im Unterhalt und vor allem beim Strom sehr teuer ist, versucht Breitenmoser derzeit einige der Räume zu vermieten. «Bei konstanter Temperatur von 10 Grad eignen sich diese zum Beispiel als Lager für Lebensmittel, Wein, für die Sicherung von Daten, für Bitcoin Mining, aber auch als Schiesskeller für Polizei oder Grenzwacht.» Aber auch die Prepper-Szene will er nicht ausser Acht lassen. Aus den USA habe er bereits die ersten Anfragen erhalten. «Einige Amerikaner wollen einfach damit bluffen, dass sie im Falle einer Katastrophe einen Schutzraum in der Schweiz hätten», sagt Breitenmoser.

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