Nicht jugendfrei: Dieser Skandalfilm soll uns schocken?
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Nicht jugendfreiDieser Skandalfilm soll uns schocken?

Der US-Streifen «White Girl» soll genauso provozieren wie der Kult- & Drogenfilm «Kids» aus den 90ern. Das Drama berührt uns allerdings nicht sehr.

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dan

Vor etwas mehr als zwanzig Jahren erschien «Kids». Der US-Streifen von Larry Clarke («Ken Park») sorgte weltweit für heftige Kontroversen und brachte Eltern dazu, ihren Kindern den Ausgang verwehrten, weil sie Schiss hatten, diese würden in einem hedonistischen Sumpf zugrunde gehen. Clarks «Kids» fuhren Skateboard, genossen Sex mit Fremden, konsumierten Drogen und pfiffen auf die Schule – all die Dinge, die man braucht, um als rebellischer Teenager glücklich zu werden. Kaum verwunderlich steht der Film heute noch symbolisch für die Hoffnungslosigkeit vieler US-Teens der 90er. Unsere Autorin hat sich den Skandalstreifen zum 20-jährigen Geburtstag reingezogen und gab ihm das Prädikat: Abgesehen von in Alkohol getränkten Tampons ziemlich langweilig.

«White Girl» soll laut vielen Kritikern im Zeitalter von Snapchat, Hologramm-Sexshows und Fetisch-Clubs genauso schocken wie «Kids» in den bunten Jahren der Untergrund-Raves. Seit Anfang Monat ist der Streifen auf Netflix streambar. Wir empfehlen aber: Lasst die Finger davon.

Armes Mädchen

«White Girl» dreht sich um Leah (Morgan Saylor). Die junge Studentin ist gerade erst mit ihrer Freundin nach Queens, ein Quartier in New York, gezogen und absolviert während den Ferien ein Praktikum bei einem Magazin. Weil sie verdammt gerne kifft, flirtet das naive Mädchen ein paar Latinos an der Strassenecke an, um Gras zu ziehen. So kommt sie zu Koks, einem Fickpartner namens Blue und ganz viel Stress.

Denn weil ihr neuer Freund Blue ziemlich viel Scheisse baut, sitzt Leah bald auf einem Haufen voller Probleme. Zwischendrin steigt sie aber immer wieder mit ihrem Chef in die Kiste oder lässt sich auf der Clubtoilette von einer Kollegin befriedigen. Wer sich bereits die eine oder andere derartige Ausschweifung gegönnt hat, den werden die filmischen Handungen nicht mehr gross erschrecken. Da sind einige Snaps deiner Clique wohl um einiges heftiger.

Eine schlechte Dealerin

Um die angehäuften Schulden zu tilgen, beginnt Leah mit Drogen zu dealen. Grundsätzlich ein passabler Plan, wenn man rasch Cash braucht, kokainbegeisterte Freunde hat und seinem Leben keinen Rappen Wert zurechnet. Das Problem: Sie stellt sich dabei so doof an, dass sogar ein besoffener Typ mit Weihnachtsmannkostüm und einem transparenten Sack voller Koks ein besserer Dealer wäre.

Da waren die Alkoholtampons besser

Verglichen mit «Kids» stinkt «White Girl» ab. Denn ganz ehrlich: Kokain wird heutzutage in allen Gesellschaftsschichten konsumiert – gerade in Zürich –, Sex im Club ist auch keine Überraschung mehr und dass naive, junge Menschen keine guten Dealer abgeben, schleckt keine Geiss und auch keine bisexuelle Kollegin auf dem Clubklo weg. Da waren die Alk-Tampons aus «Kids» doch um einiges abgefuckter.

Während Larry Clarks 90er-Skandalfilm eine Jugend ohne Hoffnung zeigt und gerade deshalb desillusionierte, fokussiert «White Girl» von Filmemacherin Elizabeth Wood hauptsächlich auf ein junges Mädchen, das sich selbst die Zukunft verbockt. Das ist zwar definitiv spannend und dank der vielen Sexszenen und hübschen Hauptdarstellerin schön anzusehen, aber ein Kultfilm wird keiner daraus. Dafür fehlt es Woods Regiedebüt an Tiefe.