Nass und kalt - Dieser Sommer war eine Katastrophe – gibt er im September ein Comeback?
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Nass und kaltDieser Sommer war eine Katastrophe – gibt er im September ein Comeback?

Man hätte den Eindruck gewinnen können, dass es 2021 gar keinen Sommer gab. Trotzdem war er nicht kälter als andere Sommer – dafür viel nässer. Ein Meteorologe macht aber Hoffnungen, dass der Sommer im September nochmals zurückkommt.

von
Reto Heimann
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Ein Zelt steht unter Wasser am Campingplatz Agno im Tessin am 5. August 2021: Der Sommer verwöhnt uns dieses Jahr nicht.

Ein Zelt steht unter Wasser am Campingplatz Agno im Tessin am 5. August 2021: Der Sommer verwöhnt uns dieses Jahr nicht.

20min/News-Scout
Er war zwar nicht kälter, aber um ein Vielfaches nässer als die Sommer anderer Jahre.

Er war zwar nicht kälter, aber um ein Vielfaches nässer als die Sommer anderer Jahre.

20min/Simon Glauser
Dazu richteten die verheerenden Unwetter, wie hier in Schlattingen SH am 15. Juli, grosse Schäden an.

Dazu richteten die verheerenden Unwetter, wie hier in Schlattingen SH am 15. Juli, grosse Schäden an.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Der Sommer 2021 war lokal der nässeste seit Messbeginn.

  • Es gab viel weniger Hitzetage als in anderen Jahren.

  • Anfangs September könnte es nochmals sommerlich warm werden.

Sommer 2021, es war kein Glacé-Schlecken mit dir – und auch das Fläzen in der Sonne kam viel zu kurz. Zwar lag die Durchschnittstemperatur mit 13,9 Grad Celsius sogar 0,6 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Das aber lag vor allem am Juni, der phasenweise sommerlich heiss war und darum schweizweit als der viertwärmste in die Geschichte eingehen wird.

Was dann aber im Juli und August folgte, war wenig berauschend. Nördlich der Alpen resultierte daraus der fünftnasseste Sommer seit Messbeginn. In den Zentralalpen war der diesjährige Sommer sogar der nässeste überhaupt. Das berichten die Experten und Expertinnen von Meteoschweiz.

Der Frust über den verregneten, verhagelten und kühlen Sommer ist gross. Verschiedene User und Userinnen lassen auf Twitter ihren Frust über die Sommer-Katastrophe freien Lauf.

Meteoschweiz weist darauf hin, dass in früheren Jahrzehnten kühle Sommer durchaus keine Seltenheit waren: «Vor der kräftigen Sommererwärmung ab den 1990er Jahren gab es nur wenige Schweizer Sommer im Bereich von 14 °C oder höher im landesweiten Mittel.» So sei die Sommer-Durchschnittstemperatur seit der vorindustriellen Periode 1871-1900 um über zwei Grad Celsius angestiegen.

Dass es allerdings so viel regnet und unter anderem deshalb zu so wenigen Hitzetagen kommt, das sei ungewöhnlich. Für manche fühlt sich dieses Wetter bereits an, als befände man sich im tiefsten November.

Es kommt noch schlimmer. Für die nächsten Tage ist ein regelrechter Temperatursturz angekündigt. Die Temperaturen fallen bereits auf 2000 Meter über Meer unter den Nullpunkt, auch im Flachland in der Tiefe wird es ungemütlich kühl. «Das wars wohl mit den Hitzetagen», meint SRF Meteo.

Müssen wir uns also ganz vom Sommer verabschieden? Klaus Marquardt von Meteonews wiegelt ab: «Das Timing muss gut passen. Für gewöhnlich kommt es wenn, dann noch am ehesten in der ersten Septemberhälfte zu Hitzetagen» Tatsächlich lasse sich aus den momentanen Daten noch kein präziser Trend ablesen, aber: «In den ersten Tagen des Septembers wird es sicher nochmals wärmer», so Marquardt. Ob es so warm wird, dass von Badewetter gesprochen werden kann oder ob es einfach noch gutes Wanderwetter gibt, kann Marquardt noch nicht abschätzen.

Generell müssen zwei Bedingungen erfüllt sein, dass es im September überhaupt noch zu Hitzetagen, das heisst Tagen mit Temperaturen über 30 Grad Celsius kommen kann. Erstens braucht es eine sehr warme Luftmasse, meist aus Süd-Südwest-Lage. Zweitens braucht es noch gute Sonneneinstrahlung oder etwas Wind, damit die Luft durchmischt wird und sich die Hitze überhaupt entfalten kann. Gerade die Sonne wird, je länger der September fortschreitet, immer schwächer.

Unwahrscheinlich und doch «guter Dinge»

«Mit jeder Woche, in der es keine Hitze- oder Sommertage gibt, wird es unwahrscheinlicher, dass es überhaupt noch zu solchen kommt», sagt Marquardt. Er sei aber «guter Dinge», dass die Schweiz noch ein, zwei Sommertage erleben wird, bevor sich der Sommer dann definitiv verabschiedet. Und selbst, wenn der Sommer nun ganz vorbei sein sollte: Es gibt durchaus Menschen, die daran nichts auszusetzen haben. Sommer ist ohnehin nicht jedermanns und jederfraus Sache.

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