«Ungläubigkeit und Todesangst» – Tweet von Schweizer Chefarzt über Intubation von Coronaskeptiker geht viral
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«Ungläubigkeit und Todesangst»Tweet von Schweizer Chefarzt über Intubation von Coronaskeptiker geht viral

Ein Chefarzt twitterte über einen Corona-Skeptiker auf der Intensivstation, um für die Impfung zu sensibilisieren. Wenig später wurde der Mediziner angefeindet.

von
Jacqueline Straub
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Ein Chefarzt berichtet auf Twitter über eine Begegnung mit einem Patienten.

Ein Chefarzt berichtet auf Twitter über eine Begegnung mit einem Patienten.

20min/Marvin Ancian
Daraufhin bekam er viel Zustimmung.

Daraufhin bekam er viel Zustimmung.

20min/Marvin Ancian
Ihm wurde aber auch vorgeworfen, dass er von der Pharmaindustrie bezahlt werde.

Ihm wurde aber auch vorgeworfen, dass er von der Pharmaindustrie bezahlt werde.

20min/Jacqueline Straub

Darum gehts:

  • Der Tweet eines Chefarztes für Anästhesie und Intensivmedizin über einen ungeimpften Corona-Patienten auf der Intensivstation ging viral.

  • Er bekommt viel Lob, wird aber auch harsch kritisiert.

  • In weiteren Tweets nimmt er Stellung zu den Vorwürfen.

In den letzten Monaten forderte ein Schweizer Chefarzt* für Anästhesie und Intensivmedizin immer wieder in seinen Tweets zur Impfung auf und informierte gleichzeitig seine knapp 900 Follower und Followerinnen aus medizinischer Perspektive über Covid-19.

Doch nun ging sein Tweet vom 4. Oktober viral. Der Mediziner schrieb, dass er gerade wieder einen nicht-geimpften Covid-19-Patienten intubiert habe. Dieser habe nicht geglaubt, dass es diese Krankheit gebe. Als er ihm erklärt habe, was nun passiere, habe er einen Blick geerntet, der eine «Mischung aus Ungläubigkeit und Todesangst» ausgedrückt habe. Seinen Tweet schloss der Chefarzt mit dem Appell, sich jetzt impfen zu lassen.

Der Tweet wurde über 2500 mal retweetet und erhielt fast 15’000 Likes. Unter den beinahe 500 Kommentaren findet sich viel Zustimmung, aber auch Kritik und viel Hass.

Kommentare sind «unerträglich»

So schrieb ein User: «Derlei öffentliche Angstmacherei ekelt mich an. Als ‹Arzt› verhalten Sie sich höchst unprofessionell und widerwärtig.» Jemand anderes fragte: «Wie viel Geld gibt es für solche ‹persönlichen Erfahrungsmärchen›?»

Auf die Flut von Reaktionen konnte der Chefarzt kaum reagieren. So nahm er in einem vierteiligen Tweet Stellung. Er beschreibt die «Qualität» der Kommentare auf seinen Impfaufruf als «unerträglich» und ging auf die «brennendsten Fragen» ein: Etwa, dass das Team alle intensivmedizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft habe und dem Patienten vor der Intubation Sauerstoff gegeben wurde.

In den Kommentaren wurde dem Chefarzt immer wieder vorgeworfen, dass er von der Pharmaindustrie oder einer anderen Lobby für seine Tweets bezahlt werde. Das verneinte er deutlich. Seinen Tweet endete er wieder mit der Aufforderung sich impfen zu lassen. Nach den heftigen Reaktionen will er sich gegenüber 20 Minuten nicht mehr weiter zum Fall äussern.

* Name der Redaktion bekannt.

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