18.06.2020 02:58

Zurück am WanderwegDieser unförmige Stein erhitzte im Alpsteingebiet die Gemüter

Der Bösegg-Stein wurde vor neun Jahren mühsam an seinen Ursprungsort, die Bösegg, gehievt. Als er geklaut und in einen privaten Garten gestellt wurde, wehrten sich die Berggänger. Jetzt steht er in Wasserauen AI an einem zugänglichen Ort.

von
Jil Rietmann
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Der regional berühmte Bösegg-Stein wurde vor neun Jahren an seinen Platz im Gebiet Bösegg gebracht.

Der regional berühmte Bösegg-Stein wurde vor neun Jahren an seinen Platz im Gebiet Bösegg gebracht.

appenzellerlinks.ch
Er hatte eine schöne Aussicht auf den Säntis. Dort blieb er dann auch ein paar Jahre liegen.

Er hatte eine schöne Aussicht auf den Säntis. Dort blieb er dann auch ein paar Jahre liegen.

Wikipedia/B0rder
Doch dann wurde er plötzlich mit einem Helikopter abtransportiert. «Der Stein machte eine private Reise von der Bösegg in den Garten einer Privatperson», sagt der Innerrhoder Landeshauptmann, Stefan Müller.

Doch dann wurde er plötzlich mit einem Helikopter abtransportiert. «Der Stein machte eine private Reise von der Bösegg in den Garten einer Privatperson», sagt der Innerrhoder Landeshauptmann, Stefan Müller.

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Darum gehts

  • Der Bösegg-Stein wurde vor neun Jahren aus einer Mulde im Gebiet Bösegg gehievt.
  • Vor zwei Jahren wurde der Stein von einer Privatperson in den eigenen Garten gestellt.
  • Berggänger wehrten sich gegen die «Entführung».
  • Der «Entführer» und die Berggänger einigten sich auf einen neuen Standort für den Stein.
  • Jetzt steht er in Wasserauen AI, wo er über einen Wanderweg zugänglich ist.

Der Stein, der aussieht wie ein Tannenbaum, hat bereits eine lange Reise hinter sich. Ursprünglich stand er nämlich in einer Schrattenkalk-Mulde im Gebiet der Bösegg, zwischen der Wagenlücke und dem Säntis. Entdeckt wurde der Stein vor neun Jahren von dem Alpstein-Kenner Karl Zuberbühler aus Speicher AR. Zwei Tage dauerte die erste Rettungsaktion des Steins. Zusammen mit zwei Helfern hob Zuberbühler den Stein per Seilwinde aus dem Loch.

Der Stein wurde im alpinen Gelände an einer zugänglichen Stelle platziert. Dort blieb er ein paar Jahre liegen. Doch dann war er plötzlich weg. «Der Stein machte eine private Reise von der Bösegg in den Garten einer Privatperson», sagt der Innerrhoder Landeshauptmann, Stefan Müller, gegenüber «FM1 Today». Er kenne die Geschichte der «Entführung», wie man dem Verschwinden des Steines in der Region sagte, gutwie fast alle Appenzeller.

Ausmass nicht bewusst gewesen

Hinter der «Entführung» steckte der Bauer Patrick Wyss aus Weissbad AR. «Im Oktober 2018 brachte ein Helikopter, der zu diesem Zeitpunkt Baustellenflüge im Alpstein durchführte, den Stein nach Wasserauen AI. Von hier aus transportierte ich ihn auf unseren Hof, wo ich ihn auf dem Sitzplatz platzierte», schreibt Patrick Wyss in einem Leserbrief, der am Dienstag im «Appenzeller Volksfreund» erschien. Was er mit seiner Aktion auslösen würde, war ihm zu dem Zeitpunkt nicht bewusst.

Er habe den Stein Anfang Oktober auf einer Skitour entdeckt. Spontan kam ihm die Idee, den Stein zu bergen. Weder ihm noch dem Helikopter-Unternehmen sei klar gewesen, dass der Stein vor Jahren mühsam an genau diese Stelle transportiert worden sei. Dazu sagt Karl Zuberbühler: «Wir hätten etwas am Stein anbringen sollen.» Der 78-jährige Alpstein-Kenner bereut mittlerweile, wie das Ganze abgelaufen ist. Von der «Entführung» erfahren habe er erst Jahre danach. Zusammen mit seinen Alpstein-Kollegen setzte er sich dann dafür ein, dass der Stein an seinen Platz zurückkommt.

Neuer Standort für Bösegg-Stein

«Mitte August erfuhr ich durch einen Bergwirt von der Forderung von drei Personen, der Stein solle wieder zur Bösegg zurückgebracht werden», schreibt Patrick Wyss im Leserbrief. Ihm sei wichtig gewesen, mit diesen Personen ins Gespräch zu kommen. Zusammen mit Karl Zuberbühler und zwei weiteren Personen beschloss er einen neuen Standort für den Stein. Gemeinsam wurde ein Kompromiss gefunden. Der Stein wurde nämlich nicht zurück zu seinem ehemaligen Standort auf der Bösegg gebracht, sondern er steht nun an einem Ort in Wasserauen, der über einen Wanderweg zugänglich ist.

«Ich habe mit dem Stein abgeschlossen. Ich will mich nicht querstellen. Der Stein ist mir nicht mehr so wichtig, dass darüber gestritten werden muss», sagt Zuberbühler. Er habe akzeptiert, dass der Stein nicht mehr an seinen Ursprungsort zurückkommen werde. Vielleicht habe es auch etwas Gutes, dass der Stein jetzt an einem Ort stehe, wo ihn mehr Menschen ansehen könnten, sagt er. Auch er könne mit seinen 78 Jahren den Stein noch besichtigen. Einen Wunsch hat er dennoch: «Es wäre schön, wenn am Stein dieses Mal eine Plakette angebracht werden würde, die die Geschichte des Bösegg-Steins erzählt.» Das verhindere hoffentlich auch, dass der Stein ein weiteres Mal seinen Standort wechsle.

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