Autor von «Drogenkonsum für Erwachsene»: Dieser Uni-Professor nimmt regelmässig Heroin
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Autor von «Drogenkonsum für Erwachsene»Dieser Uni-Professor nimmt regelmässig Heroin

Carl Hart ist Vater, Universitätsprofessor – und nimmt regelmässig harte Drogen. Er hat ein Buch geschrieben, in dem er sagt: Die Gefährlichkeit von harten Drogen wird überschätzt. Nun möchte er in die Schweiz ziehen.

von
Reto Heimann
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Carl Hart ist Psychologieprofessor – und Heroin-Konsument.

Carl Hart ist Psychologieprofessor – und Heroin-Konsument.

Columbia University
In einem neu veröffentlichten Buch argumentiert Hart damit, dass die Gefahren von harten Drogen überschätzt werden.

In einem neu veröffentlichten Buch argumentiert Hart damit, dass die Gefahren von harten Drogen überschätzt werden.

REUTERS
«Ich befinde mich nun im fünften Jahr als regelmässiger Heroin-Konsument», sagt Hart.

«Ich befinde mich nun im fünften Jahr als regelmässiger Heroin-Konsument», sagt Hart.

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Darum gehts

  • Professor Carl Hart von der Columbia University in den USA sagt, dass harte Drogen nicht so schädlich seien, wie oft gesagt wird.

  • Er selbst konsumiert regelmässig Heroin, Amphetamine und Kokain. Ein Drogenproblem habe er noch nie gehabt.

  • Die nationale Drogenberatungsstelle der USA widerspricht ihm.

  • Hart möchte nun in die Schweiz ziehen – wegen der progressiven Drogenpolitik.

Carl Hart sieht nicht aus wie ein Junkie, und auch sein Lebensstil deutet nicht darauf hin, dass er ein Drogenproblem hätte. Er ist Vater, Universitätsprofessor für Psychologie an einer der angesehensten Universitäten der USA – der Columbia University in New York. Trotzdem sagt Hart von sich selbst: «Ich befinde mich nun im fünften Jahr als regelmässiger Heroin-Konsument.»

Seines Erachtens werden die Gefahren, die vom Konsum harter Drogen wie zum Beispiel Heroin ausgehen, überschätzt. So zumindest argumentiert Hart in seinem neu erschienenen Buch «Drug Use for Grown-Ups». Der Titel lässt sich wie folgt übersetzen: «Drogenkonsum für Erwachsene.»

«Ich habe kein Drogenproblem und habe noch nie eines gehabt. Ich komme jeden Tag meinen elterlichen, beruflichen und privaten Verpflichtungen nach. Ich zahle meine Steuern und bin ein engagierter und informierter Bürger. Der Drogenkonsum macht mich stärker», sagt er im Interview mit der britischen Zeitung «The Guardian».

«Wissenschaft hat ein verzerrtes Bild von harten Drogen»

Hart ist sich bewusst, dass er mit dieser Haltung aneckt: «Es ist möglich, dass mich meine Arbeitgeber und meine Universität kritisieren. So ist das Leben. Wenn sich der Wirbel gelegt hat, werden mich mein Buch und die Beweise darin entlasten.»

Wie erklärt sich Hart, dass so viele Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen auf der ganzen Welt die negativen Auswirkungen von Drogen so stark betonen – seit Jahrzehnten? Für Hart ist es eine Frage der Perspektive. Wenn man sich über lange Zeit hinweg nur auf die negativen Aspekte eines Themas fokussiert, werde das Bild zwangsläufig verzerrt.

Wenn man beim Autofahren nur über Autounfälle sprechen würde, dann wäre das öffentliche Bild jenes, dass Autos gefährlich sind und verboten werden müssten, sagt Hart. Mit Drogen sei das nicht anders. Wenn man sich gut über sie informiere und sie verantwortungsvoll konsumiere, würden sie einen Nutzen erfüllen bei kleinstmöglichem Risiko.

Er möchte in die Schweiz ziehen

Hart selbst konsumiert regelmässig Opioide wie zum Beispiel Heroin. An Partys nimmt er gerne mal Amphetamine oder Kokain. Am meisten konsumiert er Drogen mit seiner Frau: «Es ist grossartig, mit ihr zusammen MDMA zu konsumieren und die Verbindung zu ihr zu spüren», sagt Hart.

Das US-amerikanische «National Institute on Drug Abuse» (Nida) ist gar nicht einverstanden mit den Befunden von Carl Hart. So listet die Nida zum Beispiel Heroin als «hochgradig süchtig machende Substanz» auf, die auf Dauer zu Herzerkrankungen, Magenkrämpfen, Leber- und Nierenproblemen, Lungeninfektionen und psychischen Erkrankungen führen könne. Dazu kommt es bei Heroin-Abhängigen zu starken Entzugs-Erscheinungen, wenn sie die Droge abzusetzen versuchen.

Carl Hart plant, demnächst in die Schweiz zu ziehen. Denn die Schweiz habe die progressivste Drogen-Politik der Welt. «Die Schweizer kümmern sich um ihre Leute. Für mich selbst besteht der Reiz darin, an einem ruhigen, langweiligen Ort zu sein, wo man mich in Ruhe lässt», so Hart.

Hast du oder jemand, den du kennst, ein Problem mit illegalen Drogen?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Infodrog, Informationen und Substanzwarnungen

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