Aktualisiert 22.03.2018 16:25

Daten-MissbrauchDieser US-Milliardär steckt hinter dem FB-Skandal

Cambridge Analytica stürzt Facebook in die Krise. Möglich machte das ein erzkonservativer Superreicher.

von
Dominic Benz
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Der Milliardär Robert Mercer machte mit seinem Vermögen die Firma Cambridge Analytics gross und mächtig.

Der Milliardär Robert Mercer machte mit seinem Vermögen die Firma Cambridge Analytics gross und mächtig.

the Washington Post
Mit einer App innerhalb von Facebook verschaffte sich Cambridge Analytica Zugriff auf die Daten von 50 Millionen Nutzern des sozialen Netzwerks.

Mit einer App innerhalb von Facebook verschaffte sich Cambridge Analytica Zugriff auf die Daten von 50 Millionen Nutzern des sozialen Netzwerks.

epa/Sascha Steinbach
Aleksandr Kogan, Dozent an der Universität Cambridge, entwickelte eine Persönlichkeitsquiz-App namens Thisisyourdigitallife und bot amerikanischen Facebook-Nutzern zwischen 1 und 2 US-Dollar an, wenn sie die App herunterladen und nutzen.

Aleksandr Kogan, Dozent an der Universität Cambridge, entwickelte eine Persönlichkeitsquiz-App namens Thisisyourdigitallife und bot amerikanischen Facebook-Nutzern zwischen 1 und 2 US-Dollar an, wenn sie die App herunterladen und nutzen.

Screenshot

Robert Mercer meidet die Öffentlichkeit. Das verdeutlicht schon die prunkvolle Villa des konservativen Milliardärs: Sie steht unweit von New York City auf Long Island und heisst Eulennest. Die mit Pflastersteinen besetzte Zufahrt ist lang. Von der Strasse aus ist das Haus kaum zu sehen.

Ebenso wenig Einblicke gibt Mercer auf seine Person. Mit Journalisten spricht der 71-Jährige nicht. Seine Fäden spinnt er im Hintergrund. Und das so richtig: Mercer steckt als Hauptfinancier hinter Cambridge Analytica (CA). Das Datenanalysten-Unternehmen ist für den aktuellen Daten-Skandal bei Facebook mitverantwortlich.

Bannon holte Mercer an Bord

CA soll mit ihrer Daten-Wunderwaffe nicht nur Donald Trump ins Weisse Haus gehievt haben. Auch andere politische Kampagnen rund um den Globus dürfte die Firma beeinflusst haben. Laut Medienberichten soll das etwa bei den Regierungswahlen in Kenia 2013 und 2017 oder bei der Brexit-Abstimmung passiert sein.

Möglich war dies mit den Millionen von Mercer, der seit fast 50 Jahren verheiratet ist und drei Töchter hat. Er investierte 2013 in die Anfänge von CA – auf Geheiss von Trumps Ex-Berater Steve Bannon. Dieser soll später selbst für kurze Zeit im Aufsichtsrat gewesen sein. Insgesamt dürfte Mercer rund 15 Millionen in CA gesteckt haben. Mittlerweile sitzt Mercers Tochter Rebekah im Aufsichtsrat der Firma und hat dort das Sagen. Laut Berichten soll sie im Zuge des jetzigen Skandals über einen Austritt nachdenken.

Millionen für Breitbart

Vater Robert ist Mitglied der Waffen-Vereinigung National Rifle Association (NRA) und gehört zu den wenigen US-Milliardären mit starkem Einfluss auf die US-Politik. In den letzten zehn Jahren soll der Konservative über 100 Millionen Dollar in politische Kampagnen gesteckt haben. Unter anderem spendete er laut «Zeit» für die Beibehaltung der Todesstrafe in Nebraska oder unterstützte Kritiker der Klimaerwärmung.

In der Gunst von Mercer steht auch Breitbart. Die ultra-rechte Nachrichtenseite soll vom Milliardär laut «Bloomberg» über zehn Millionen Dollar erhalten haben. Letztlich schoss Mercer Millionen direkt in die Wahlkampagne von Donald Trump ein und zählt zu dessen wichtigsten Unterstützern. Mercers Spenden beflügelten die rechtspopulistische Stimmungsmache.

Mehr Forschungslabor als Investmentfirma

Sein immenses Vermögen scheffelte Mercer beim Hedgefonds Renaissance Technologies, zu dem er 1993 stiess und 2009 die Leitung übernahm. Der Hedgefonds schliesst mit Hilfe von mathematischen Berechnungen auf Trends an den Finanzmärkten und handelt auf dieser Basis mit Wertpapieren.

Laut Insidern hat das Unternehmen mehr Ähnlichkeit mit einem Forschungslabor als mit einer Investmentfirma. Angestellt sind unter anderem Astrophysiker und viele Mitarbeiter mit Doktortitel, schreibt die «Zeit». Allein 2015 soll Mercer laut Schätzungen rund 150 Millionen Dollar verdient haben. Ende letzten Jahres kündigte er seinen Rücktritt aus der Leitung an.

Voraussetzung für Apples Siri

Angefangen hatte der studierte Physiker und Mathematiker als Software-Entwickler beim IT-Konzern IBM. Dort war er zuständig für Spracherkennungsprogramme. Diese Forschungsarbeiten verhalfen letztlich den heute gängigen Programmen wie Google Translate oder Siri aus dem Hause Apple zum Durchbruch.

Zum jetzigen Daten-Skandal rund um Facebook und Cambridge Analytics wird sich Mercer wohl kaum öffentlich äussern. Er dürfte die Entwicklungen aus sicherer Distanz von seinem Eulennest aus beobachten. Für ihn war Rückzug schon immer eine Tugend. «Ich liebte die Einsamkeit des Computerlabors spät nachts, den Geruch der Klimaanlagenluft, das Geräusch der surrenden Datenträger und das Klacken der Drucker», sagte er laut «Zeit» über seine IBM-Arbeit vor ein paar Jahren bei einer Dankesrede.

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