Raubwürger in Oberriet SG: Dieser Vogel spiesst Mäuse auf und frisst sie dann

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Raubwürger in Oberriet SGDieser Vogel spiesst Mäuse auf und frisst sie dann

Ein seltener Wintergast hat sich im St. Galler Rheintal ein Plätzchen gesucht – konkret im Naturschutzgebiet Spitzmäder in Oberriet SG. Er findet dort ideale Bedingungen für die Jagd.

von
Leo Butie

Hier siehst du Aufnahmen des Raubwürgers.

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Darum gehts

  • Ein seltener Gast überwintert momentan im Naturschutzgebiet Spitzmäder in Oberriet SG.

  • Es handelt sich dabei um einen Raubwürger.

  • Dieser Vogel ist nur noch im Winter zu Gast. Zum Brüten im Sommer fehlt ihm der Lebensraum.

  • Auch am Bodensee wurde ein seltener Vogel beobachtet: der Austernfischer.

Im Naturschutzgebiet Spitzmäder in Oberriet hält sich momentan ein seltener Wintergast auf: ein Raubwürger. Der Verwandte des Neuntöters brütet nicht mehr in der Schweiz, doch nun verbringt ein Exemplar dieser Art das dritte Jahr in Folge den Winter im St. Galler Rheintal. Es ist dabei nicht klar, ob es sich um denselben Vogel handelt. Gesichtet wurde er dieses Jahr zum ersten Mal am 6. November und wurde beim Portal Ornitho.ch seither mehrere Male gemeldet. Für Dominic Frei vom Verein Pro Riet Rheintal ist es eine erfreuliche Meldung. «Es ist für das Naturschutzgebiet Spitzmäder ein Erfolg», so Frei.

Ideale Bedingungen für den Raubwürger

Dass nun mehr Vogelbeobachter ins Rheintal pilgern, um den seltenen Vogel zu erspähen, ist möglich. «Das kann sein, es waren bereits einige vor Ort», so Frei. Er schliesst aber aus, dass neugierige Hobby-Ornithologen den Vogel verscheuchen würden. «Diese Art ist darauf nicht sehr anfällig, und der Vogel hält sich primär im Naturschutzgebiet auf, in dem er genügend störungsfreie Rückzugsorte vorfindet.» Dass sich das Tier dieses Gebiet ausgesucht hat, ist auf die Bedingungen zurückzuführen. «Er findet ideale Bedingungen für die Nahrungssuche und bleibt ungestört.»

Der Raubwürger macht nämlich, wie der Neuntöter, Jagd auf Mäuse und auch auf andere Vogelarten. Um die erlegte Beute zu befestigen, spiesst er sie an Dornen auf und kann sie so besser fressen.

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Ein Raubwürger (Lanius excubitor) gastiert zurzeit im Naturschutzgebiet Spitzmäder in Oberriet SG. 

Ein Raubwürger (Lanius excubitor) gastiert zurzeit im Naturschutzgebiet Spitzmäder in Oberriet SG.

Wikimedia/Marek Szczepanek
Der Vogel wurde am 6. November zum ersten Mal gesichtet. 

Der Vogel wurde am 6. November zum ersten Mal gesichtet.

Dominic Frei
«Es ist für das Naturschutzgebiet Spitzmäder ein Erfolg», sagt Dominic Frei vom Verein Pro Riet Rheintal.

«Es ist für das Naturschutzgebiet Spitzmäder ein Erfolg», sagt Dominic Frei vom Verein Pro Riet Rheintal.

Dominic Frei 

Raubwürger brütet schon lange nicht mehr in der Schweiz

Laut Livio Rey, Biologe und Mediensprecher der Vogelwarte Sempach, ist der Raubwürger in der Schweiz ein regelmässiger Wintergast. Eine Sichtung im Sommer wäre allerdings sehr aussergewöhnlich. Denn seit 1986 brütet diese Art nicht mehr in der Schweiz. «Grund dafür ist die Intensivierung der Landwirtschaft und damit die Zerstörung seines Lebensraumes», erklärt Rey.

Der Vogel bevorzuge für die Brut Heckenlandschaften und fresse im Sommer grosse Insekten, beides Dinge, die in der Schweiz immer mehr fehlen. «Für die Rückkehr des Raubwürgers müsste die Landwirtschaft extensiviert werden und mehr Heckenlandschaften vorhanden sein», sagt Rey.

Vögel beobachten wird immer populärer

Der Rheintaler Raubwürger ist momentan nicht der einzige seltene Gast in der Ostschweiz. Wie das «St. Galler Tagblatt» (Bezahlartikel) berichtet, hält sich momentan ein Austernfischer am Bodensee auf. Der Zugvogel, der an den Küsten Skandinaviens beheimatet ist, macht wohl einen Zwischenstopp in der Schweiz. Sobald sich die Bedingungen verschlechtern, zieht er weiter.

Laut Rey wachse die Gemeinschaft der Interessierten stetig. Vermehrte Meldungen von seltenen Vogelarten gebe es deshalb aber nicht unbedingt. Schliesslich müssten seltene Vögel auch noch als solche erkannt werden, und dazu braucht es oft viel Erfahrung.

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