Neuer SBB-Zug: «Dieser Zug wird zum Exportschlager»

Aktualisiert

Neuer SBB-Zug«Dieser Zug wird zum Exportschlager»

Der neue Hochgeschwindigkeits-Zug von Stadler begeistert nicht nur Bundespräsidentin Doris Leuthard. Nun soll er die Welt erobern.

von
Stefan Ehrbar

Freude herrscht: Bundespräsidentin Doris Leuthard, SBB-Chef Andreas Meyer und Stadler-Inhaber Peter Spuhler zum neuen Hochgeschwindigkeits-Zug.

Jetzt rollt der erste Schweizer Hochgeschwindigkeits-Zug von Stadler Rail mit dem Namen «Giruno». Inhaber Peter Spuhler präsentierte ihn heute offiziell. Die SBB hat davon 29 Züge für den Verkehr nach Italien und Deutschland bestellt.

Doch die Schweiz ist nur der Anfang. Der neue Zug soll in Zukunft auch in anderen Ländern unterwegs sein. Bereits seien zwei bis drei Interessenten bekannt, sagte Spuhler heute.

Stadler wird beobachtet

«Wir hoffen, dass wir den Zug in einigen europäischen Ländern verkaufen können», sagt er zu 20 Minuten. Ausländische Bahnen beobachteten nun genau, wie sich der Zug im Ernsteinsatz schlage und wie er den Passagieren gefalle.

Gute Chancen hat Stadler vor allem in westeuropäischen Ländern. Auch Privatbahnen setzen häufig auf Stadler-Züge, etwa die österreichische Westbahn. Ob diese auch den Giruno kauft, sei noch unklar, heisst es dort.

SBB-Auftrag als Eisbrecher

Spuhlers Traum ist, dass der SBB-Auftrag zum Eisbrecher wird. So erging es schon früheren Stadler-Zügen. Der einstöckige Regionalzug Flirt wurde etwa erstmals von der SBB bestellt. Mittlerweile fahren über 1'000 Exemplare auf der ganzen Welt herum.

Ähnlich erging es Stadler mit dem Regional-Doppelstockzug. Auch der trat nach einer Erstbestellung durch die SBB seinen Siegeszug an. Im besten Fall laufe es gleich wie bei diesen Zügen, sagt Spuhler.

«Bin dann schon am Rollator»

Vielleicht fahren die Züge in Zukunft sogar in den USA. Kalifornien etwa baut eine Schnellstrecke zwischen Los Angeles und San Francisco, ab 2025 sollen erste Teile fertig sein. Stadler hatte bereits früher angetönt, sich mit dem neuen Zug darauf bewerben. Er gehe dann wahrscheinlich schon am Rollator, sagt Peter Spuhler. Möglich wäre es dennoch.

Ähnliche Hoffnungen hegt die Bundespräsidentin Doris Leuthard. «Die Chancen für den Zug stehen wirklich gut», sagt sie zu 20 Minuten. Die Firma Stadler habe einen guten Ruf etwa in Deutschland oder Polen, und es werde überall in Bahninfrastruktur investiert (s. Video). Der Giruno sei ein absolut konkurrenzfähiges Produkt. «Dass der Zug familien- und businessfreundlich ist, könnte bei einigen Interessenten den Ausschlag geben.»

Viele Länder schotten sich ab

Skeptischer ist hingegen Christian Lässer, Mobilitäts-Professor an der Universität St. Gallen: «Im Markt der normalen Fernverkehrszüge könnte der Giruno durchaus zum Exportschlager werden», sagt er.

Im Hochgeschwindigkeits-Bereich werde aber meist eine Geschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde verlangt – zuviel für den Stadler-Zug. Und viele Länder wie China handelten protektionistisch und bevorzugten eigene Zugbauer.

Zug kommt noch früher

Wie viele Züge verkauft werden, hängt schlussendlich auch von der SBB ab. Sie kann bis 92 weitere Züge dazukaufen. Und das könnte schneller gehen als geplant. Eigentlich sollten die Stadler-Züge ab Ende 2019 im Fahrplaneinsatz stehen. Doch ein früherer Termin ist durchaus realistisch.

«Wir werden alles daran setzen, dass die Zulassungen schneller kommen und dass wir den Zug schneller in den Verkehr bringen», sagt Peter Spuhler. «In der Schweiz sollte das durchaus möglich sein.»

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