Casa Loma in Toronto: 98-Zimmer-Schloss treibt Millionär in den Ruin
Das ist die Casa Loma, ein Schloss mit fast 100 Zimmern, in Toronto, Kanada.

Das ist die Casa Loma, ein Schloss mit fast 100 Zimmern, in Toronto, Kanada.

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Casa LomaDieses 98-Zimmer-Schloss hat einen Millionär in den Ruin getrieben

Ein kanadischer Financier hat sich seinen Traum von einem Schloss erfüllt. Er hat nicht damit gerechnet, dass ihn dieses Projekt finanziell zugrunde richten wird.

von
Meret Steiger

Sir Henry Mill Pellatt war ein kanadischer Soldat und Financier, der 1883 die Toronto Electric Light Company gründete – das Unternehmen, das elektrische Strassenbeleuchtungen in Kanadas grösste Stadt brachte. Schon nach kürzester Zeit gehörten im 21 Unternehmen, mehrere Zuglinien und ein Wasserkraftwerk bei den Niagara-Fällen. Und ganz nebenbei wurde er auch noch für seine Einsätze im Militär zum Ritter geschlagen. Kurz: Bei Sir Henry lief es richtig, richtig gut. Zumindest für die nächsten 28 Jahre.

1911 entschied Sir Henry, sich ein standesgemässes Haus zu bauen. Von seinen Reisen nach Europa geprägt, wollte der Unternehmer ein «typisch europäisches Château» bauen. Zu diesem Zeitpunkt war Sir Henry rund 17 Millionen Dollar schwer, was heute ungefähr 412 Millionen Dollar entsprechen würde. Genug für ein Schloss, könnte man meinen.

Sir Henry Mill Pellatt wurde beim Design des Schlosses von diversen Reisen nach Europa inspiriert.

Sir Henry Mill Pellatt wurde beim Design des Schlosses von diversen Reisen nach Europa inspiriert.

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40 permanente Angestellte und goldene Namenstafeln für die Pferde

Und so begann Sir Henry mit dem Bau der Casa Loma, einem 98-Zimmer-Schloss, mitten in Toronto. Der Bau verschlang nicht nur mehrere Millionen Dollar, sondern gemäss Aufzeichnungen auch rund zwei Millionen Arbeitsstunden. Unter den Ausgaben, bei denen zum Beispiel auch die Kosten für Personal aufgeführt sind (40’000 Dollar für ein Jahr), hat es auch absurde Punkte: So hat Sir Henry 250’000 Dollar bezahlt, um die Namen seiner Pferde auf 18-Karat-Goldplaketten zu drucken.

Das Schloss ist heute eine beliebte Touristen-Attraktion und ein Museum.

Das Schloss ist heute eine beliebte Touristen-Attraktion und ein Museum.

Ken Lund/CC BY-SA 2.0/Wikpedia
Eines der Highlights ist die 18 Meter hohe Eingangshalle. Die Orgel wurde bei der Auktion verkauft, Was heute im Schloss zu sehen ist, ist eine Nachbildung.

Eines der Highlights ist die 18 Meter hohe Eingangshalle. Die Orgel wurde bei der Auktion verkauft, Was heute im Schloss zu sehen ist, ist eine Nachbildung.

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Auch einige der Schlafzimmer wurden mit wieder gefundenen Originalteilen und Replikas ausgestattet.

Auch einige der Schlafzimmer wurden mit wieder gefundenen Originalteilen und Replikas ausgestattet.

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Alles hätte klappen können für Sir Henry und sein Schloss, wäre ihm nicht die vom ersten Weltkrieg angeschlagene Weltwirtschaft in die Quere gekommen – und die Tatsache, dass die Elektrizitätsversorgung 1920 verstaatlicht wurde und Sir Henry damit einen grossen Teil seines Einkommens verlor.

«Ein Perserteppich zum Preis einer Fussmatte»

Sir Henry hatte zu diesem Zeitpunkt bereits etwa eine Million Dollar Schulden bei der Home Bank of Canada und war verzweifelt. Er verkaufte fast alles, was er besass für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises – im Durchschnitt bekam er nur noch 17 Prozent des eigentlichen Werts. An der Auktion wurde zum Beispiel eine 75’000-Dollar-Orgel für unglaubliche 40 Dollar verkauft.

«Ein Perserteppich zum Preis einer Fussmatte», wird der kanadische Politiker Charles Henderson später über die Auktion sagen. Leider hat es nicht gereicht, um Sir Henrys Schulden zu bezahlen: Er musste sein geliebtes Schloss versteigern lassen. Von 1925 bis 1929 wurde es ohne Erfolg als Luxushotel geführt. 

Museum und Tourismus-Attraktion

Seit 1933 gehört die Casa Loma der Stadt Toronto und wurde in den späten Dreissigerjahren in ein Museum umgewandelt. Denn: Obwohl Sir Henry viele seiner Besitztümer verkauft hat, befinden sich im Schloss immer noch Originalteile. Als besonders beeindruckend gilt die Bibliothek, in der 10’000 Bücher Platz finden, aber auch die 18 Meter hohe Eingangshalle. Neben den schönen Gärten und Stallungen gibt es auch hier einige schräge Details zu entdecken.

Das ist die Bibliothek. Hier hat es Platz für beeindruckende 10’000 Bücher.

Das ist die Bibliothek. Hier hat es Platz für beeindruckende 10’000 Bücher.

In die Stallungen hatte Sir Henry viel Geld investiert. Unter anderem 250’000 Dollar für goldene Namensplaketten für seine Pferde.

In die Stallungen hatte Sir Henry viel Geld investiert. Unter anderem 250’000 Dollar für goldene Namensplaketten für seine Pferde.

Das schrägste Feature des Hauses ist aber ein Swimming-Pool, der nie fertig gebaut wurde – und jetzt mit Grabsteinen gefüllt ist. 

Das schrägste Feature des Hauses ist aber ein Swimming-Pool, der nie fertig gebaut wurde – und jetzt mit Grabsteinen gefüllt ist. 

John Vetterli/CC BY-SA 2.0

So befindet sich im Garten ein Swimmingpool, der nie fertig gebaut wurde. Heute liegen darin diverse Grabsteine. Es gibt ausserdem einen Schiessstand, zwei Geheimgänge durch das Schloss und insgesamt 30 Badezimmer. Die Casa Loma ist aber nicht nur ein Wahrzeichen und eine beliebte Dreh-Location für Filme (wie beispielsweise «X-Men»), sie ist auch ein ständiger Reminder, bedacht mit dem eigenen Geld umzugehen.

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