Aktualisiert 21.11.2016 15:36

Shopping-Mall-RuinenDieses Amerika bleibt für immer verloren

US-Fotograf Seph Lawless dokumentiert den Niedergang seiner Heimat. In verfallenden Einkaufszentren ist er in Endzeitstimmung verfallen.

von
Mareike Rehberg
1 / 18
Der Fotograf Seph Lawless war mehr als zehn Jahre an verlassenen Orten und in verfallenden Gebäuden in den USA unterwegs. Die folgenden Bilder schoss Lawless in der Metro North Mall in Kansas City - kurz bevor sie abgerissen wurde.

Der Fotograf Seph Lawless war mehr als zehn Jahre an verlassenen Orten und in verfallenden Gebäuden in den USA unterwegs. Die folgenden Bilder schoss Lawless in der Metro North Mall in Kansas City - kurz bevor sie abgerissen wurde.

Seph Lawless
Auf dieser Rolltreppe herrschte früher einmal reges Treiben. Die Mall wurde 1976 gebaut und 2014 geschlossen. Die Fotos entstanden erst vor wenigen Wochen.

Auf dieser Rolltreppe herrschte früher einmal reges Treiben. Die Mall wurde 1976 gebaut und 2014 geschlossen. Die Fotos entstanden erst vor wenigen Wochen.

Seph Lawless
Lawless dokumentierte nicht nur den Verfall der Metro North Mall in Kansas City. Er schoss Bilder von 24 weiteren Einkaufszentren.

Lawless dokumentierte nicht nur den Verfall der Metro North Mall in Kansas City. Er schoss Bilder von 24 weiteren Einkaufszentren.

Seph Lawless

Herr Lawless, Sie haben in den USA 25 verlassene Einkaufszentren besucht und fotografiert. Wie haben Sie diese apokalyptischen Orte ausfindig gemacht?

Ich war unterwegs für mein Projekt «Autopsy of America: The Death of a Nation». Das ist der Name meines Buches, das im kommenden Jahr erscheint. Ich habe mehr als zehn Jahre daran gearbeitet und nicht nur Bilder von Shopping-Malls, sondern auch von verwaisten Vergnügungsparks, Theatern, Fabriken und anderen Gebäuden gemacht. Das war eine ein Jahrzehnt andauernde emotionale Reise für mich.

Wofür stehen die zerfallenden Gebäude Ihrer Meinung nach?

Sie repräsentieren den Anfang vom Ende der grössten Wirtschaftsmaschine, die die Welt je gesehen hat: Amerika. Wo Kapitalismus und Gier alles zerstören. Das Ergebnis sind die Globalisierung und die Auslagerung von amerikanischen Arbeitsplätzen.

Die Malls dienten früher vielen Menschen als Treffpunkt. Wie können sie ersetzt werden?

Diese Orte können nicht ersetzt werden. Nicht so lange, wie die sozialen Medien die neuen Räume sind, in denen sich die Leute treffen und miteinander interagieren.

Sie sagten zu CNN, Sie hätten sich bei Ihrer Arbeit wie «der letzte Mensch auf Erden» gefühlt. Wie war das, an diesen toten Orten unterwegs zu sein?

Oft war es wirklich deprimierend, manchmal aber auch einfach sehr friedlich. Die Grabesstille und das Gefühl, dass die Welt untergegangen ist und du immer noch am Leben bist – das war surreal.

Haben Sie auch mit Menschen gesprochen, die in der Nähe dieser verfallenen Malls und Gebäude leben?

Ja, mehrere Leute haben ihre Erinnerungen, die sie an die Einkaufszentren haben, mit mir geteilt. Einige Menschen sind sogar in Tränen ausgebrochen, nachdem sie auf meinen Fotos sahen, was aus den Malls geworden ist. Ein Mann sagte mir, es sei Zeit für ihn, sich von diesem Ort zu lösen. Er sprach davon, wie er seiner Frau in der Mall einen Heiratsantrag gemacht hatte. Später starb sie an Krebs und das Shopping Center ist für ihn eine schmerzliche Erinnerung daran, dass am Ende immer der Tod steht.

Sehen Sie eine Auswahl der Fotografien von Seph Lawless in der Bildstrecke.

Dieses Video dokumentiert, wie Lawless in einem der verlassenen Einkaufszentren unterwegs ist:

Weitere Informationen zum Fotografen finden Sie auf seiner Hompage, auf Facebook, Twitter oder Instagram.

Der US-Fotograf Seph Lawless, der unter Pseudonym arbeitet, fotografiert mit Vorliebe verfallende und verlassene Orte. Dazu gehören nicht nur Einkaufzentren, sondern auch Spitäler, Vergnügungsparks oder Kirchen. Er stammt aus Cleveland, Ohio. Sein Buch «Autopsy of America: The Death of a Nation» erscheint im April 2017.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.