Publiziert

Terror in Kabul«Dieses Bild fasst 20 Jahre der USA in Afghanistan zusammen»

Nach den Anschlägen in Kabul mit Dutzenden Toten hat sich US-Präsident Joe Biden an die Öffentlichkeit gewendet. Er droht mit Vergeltung. Die Reaktionen im Netz fallen unterschiedlich aus.

1 / 3
Joe Biden hielt während seiner Pressekonferenz eine Schweigeminute für die Getöteten. (26. August 2021)

Joe Biden hielt während seiner Pressekonferenz eine Schweigeminute für die Getöteten. (26. August 2021)

via Twitter.com
Der Präsident hat den Drahtziehern der Anschläge mit Vergeltung gedroht.

Der Präsident hat den Drahtziehern der Anschläge mit Vergeltung gedroht.

Screenshot CBS News
Die getöteten US-Soldaten seien «Helden», so Biden. Sie seien an einer «gefährlichen, selbstlosen Mission» beteiligt gewesen, «um das Leben anderer zu retten». 

Die getöteten US-Soldaten seien «Helden», so Biden. Sie seien an einer «gefährlichen, selbstlosen Mission» beteiligt gewesen, «um das Leben anderer zu retten».

Screenshot CBS News

US-Präsident Joe Biden hat nach dem tödlichen Anschlag in der Nähe des Flughafens von Kabul den dafür verantwortlichen Terroristen mit Vergeltung gedroht. «Wir werden euch jagen und euch dafür bezahlen lassen», sagte Biden am Donnerstag im Weissen Haus. Das US-Militär werde Einsätze gegen die für den Anschlag verantwortliche Terrormiliz Islamischer Staat (IS) durchführen, kündigte er an. Gleichzeitig kündigte er an, die Evakuierungen aus Afghanistan fortsetzen zu wollen. Er versicherte, die Terroristen könnten die USA nicht dazu bringen, ihre «Mission» zu stoppen. «Wir werden sie finden, und wir werden sie da rausholen», sagte Biden am Donnerstag (Ortszeit) in einer Ansprache im Weissen Haus in Washington mit Blick auf US-Bürger, die noch im Land seien.

Bei den Sprengstoffanschlägen in Kabul sind zahlreiche Menschen verletzt und getötet worden – darunter nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums auch zwölf amerikanische Soldaten. Es sind die ersten Soldaten seit Februar vergangenen Jahres, die in Afghanistan gewaltsam ums Leben kommen. Dutzende Menschen wurden nach Angaben der militant-islamistischen Taliban verletzt. Die genaue Zahl der Anschlagsopfer blieb zunächst offen. Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag für sich.

«Wir werden euch jagen und dafür bezahlen lassen»

US-Präsident Joe Biden

Auf Twitter ist Joe Bidens Rede diskutiert worden. Insbesondere ein Bild, das den Präsidenten während einer Schweigeminute für die Getöteten zeigt, sorgte für Gesprächsstoff.

«Dieses Foto fasst 20 Jahre der USA in Afghanistan zusammen», meint Twitter-User Ehsan Khan Shinwari.

«Ein prägendes Bild», so der Republikaner Matt Whitlock.

Andere Stimmen, wie jene von der Republikanerin Claudia Tenney gehen weiter und fordern Joe Bidens Absetzung. Ein Amtsenthebungsverfahren müsse umgehend eingeleitet werden, schreibt sie in einem Brief an die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi.

Das war geschehen

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums haben sich am Freitag mindestens zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz IS habe anschliessend das Feuer auf Zivilisten und Soldaten eröffnet, sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt. Die Evakuierungsmission in Kabul soll dennoch weiter fortgeführt werden. Die US-Regierung geht davon aus, dass noch etwa 1000 US-Amerikaner und Amerikanerinnen in Afghanistan sind.

Ersten Erkenntnissen nach haben sich zwei Explosionen ereignet. Eine fand ersten Informationen zufolge an einem der Flughafentore statt, eine weitere bei einem nahe gelegen Hotel. Der lokale Fernsehsender Tolo-News veröffentlichte auf Twitter Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Verletzte in Schubkarren transportiert werden. Ein Augenzeuge erzählte dem TV-Sender, die Explosion sei sehr stark gewesen.

Die USA hätten Informationen dazu, wo sich die Drahtzieher der Anschläge aufhielten. Die USA würden auch ohne grosse Militäreinsätze Möglichkeiten finden, diese zur Rechenschaft zu ziehen. «Wo auch immer sie sind», betonte Biden in seiner Rede.

Mit weiteren Anschlägen sei zu rechnen

Die Sicherheitslage rund um den Flughafen hatte sich zuletzt noch einmal deutlich zugespitzt. Die Bundeswehr hatte bereits am Dienstag berichtet, dass zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter des IS in Kabul unterwegs seien. Ähnlich hatte sich US-Präsident Biden geäussert. Die Terrormiliz sei auch ein «erklärter Feind» der Taliban, hatte er Anfang der Woche erklärt. Biden begründete unter anderem mit dieser Terrorgefahr auch sein Festhalten an dem Plan, die US-Truppen bis zum 31. August aus Afghanistan abzuziehen.

Das US-Militär rechnet auch weiter mit Anschlägen. «Wir glauben, es ist ihr Wunsch, diese Angriffe fortzusetzen und wir rechnen damit, dass sich diese Angriffe fortsetzen werden», sagte McKenzie. Tausende Menschen versuchen aus Angst vor den Taliban ins Ausland zu fliehen. Seit mehr als einer Woche versammeln sie sich rund um verschiedene Eingänge des Flughafens, um auf einen Evakuierungsflug zu kommen. Dabei herrschten rund um den Flughafen dramatische Zustände.

Die deutsche Luftwaffe flog am Donnerstag alle Bundeswehrsoldaten, Diplomaten und verbliebenen Polizisten aus dem Krisenstaat aus, wie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) nach dem Start der letzten Maschine am Donnerstag sagte. Laut Aussenminister Heiko Maas (SPD) gibt es zurzeit keine Informationen über deutsche Opfer bei dem Anschlag.

1 / 30
Der erste westliche Staat, der sich in der Neuzeit in Afghanistan engagierte, war das Britische Empire im 19. Jahrhundert. Dies in direkter Konkurrenz zum Russischen Reich. Die Russen wollten ihr Herrschaftsgebiet bis zum Indischen Ozean ausdehnen, um einen eisfreien Marinehafen zu errichten. Das bedrohte die Herrschaft der Briten in Südasien. (Bild: Britische Truppen nehmen 1839 die Festung in der Schlacht von Ghazni ein.)

Der erste westliche Staat, der sich in der Neuzeit in Afghanistan engagierte, war das Britische Empire im 19. Jahrhundert. Dies in direkter Konkurrenz zum Russischen Reich. Die Russen wollten ihr Herrschaftsgebiet bis zum Indischen Ozean ausdehnen, um einen eisfreien Marinehafen zu errichten. Das bedrohte die Herrschaft der Briten in Südasien. (Bild: Britische Truppen nehmen 1839 die Festung in der Schlacht von Ghazni ein.)

PD
Um seine Vormachtstellung im zentralasiatischen Raum abzusichern, unternahm das britische Empire ab 1839 einen ersten Versuch, Afghanistan zu erobern. Im Ersten Anglo-Afghanischen Krieg gelang es der gut ausgerüsteten Armee schnell, das Land einzunehmen. Doch bereits 1842 mussten sich die Briten nach einem Aufstand der Bevölkerung wieder aus Afghanistan zurückziehen. (Bild: Die britische Armee überschreitet den Bolan-Pass).

Um seine Vormachtstellung im zentralasiatischen Raum abzusichern, unternahm das britische Empire ab 1839 einen ersten Versuch, Afghanistan zu erobern. Im Ersten Anglo-Afghanischen Krieg gelang es der gut ausgerüsteten Armee schnell, das Land einzunehmen. Doch bereits 1842 mussten sich die Briten nach einem Aufstand der Bevölkerung wieder aus Afghanistan zurückziehen. (Bild: Die britische Armee überschreitet den Bolan-Pass).

PD
Mitte des 19. Jahrhunderts unterwarf das Russische Reich weitere Gebiete in Zentralasien und gründete das Generalgouvernement Turkestan in unmittelbarer Nachbarschaft zu Afghanistan. 1878 gewann Russland mit der Einrichtung einer Gesandtschaft in Kabul an Einfluss in Afghanistan. (Bild: Der Kampf um Samarkand, heutiges Usbekistan.)

Mitte des 19. Jahrhunderts unterwarf das Russische Reich weitere Gebiete in Zentralasien und gründete das Generalgouvernement Turkestan in unmittelbarer Nachbarschaft zu Afghanistan. 1878 gewann Russland mit der Einrichtung einer Gesandtschaft in Kabul an Einfluss in Afghanistan. (Bild: Der Kampf um Samarkand, heutiges Usbekistan.)

PD

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

(DPA/AFP/roy)

Deine Meinung

77 Kommentare