Bild falsch, Meldung wohl richtig: Dieses Bild zeigt nicht den Teileinsturz von russischer Brücke am 1. Mai
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Bild falsch, Meldung wohl richtigDieses Bild zeigt nicht den Teileinsturz von russischer Brücke am 1. Mai

In den sozialen Medien kursiert ein Bild, das angeblich die am 1. Mai 2022 eingestürzte Brücke im russischen Verwaltungsbezirk Kursk zeigt. Doch das tut es nicht.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Auf Twitter vermitteln Userinnen und User den Eindruck, dieses Bild zeige den Teileinsturz einer Brücke im russischen Verwaltungsbezirk Kursk. Doch das ist falsch. 

Auf Twitter vermitteln Userinnen und User den Eindruck, dieses Bild zeige den Teileinsturz einer Brücke im russischen Verwaltungsbezirk Kursk. Doch das ist falsch. 

Screenshot Twitter/@AS7404542949
Die Aufnahme stammt aus dem Juni 2020 und zeigt eine komplett eingestürzte Eisenbahnbrücke in der russischen Hafenstadt Murmansk, wie Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters belegen. 

Die Aufnahme stammt aus dem Juni 2020 und zeigt eine komplett eingestürzte Eisenbahnbrücke in der russischen Hafenstadt Murmansk, wie Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters belegen. 

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Das auf Twitter vielfach geteilte Bild wurde damit nicht nur zwei Jahre früher, sondern auch rund 2400 Kilometer entfernt vom Verwaltungsbezirk Kursk aufgenommen. Murmansk (rot) befindet sich im Norden des Landes,  Kursk (blau) grenzt im Südwesten an die Ukraine.

Das auf Twitter vielfach geteilte Bild wurde damit nicht nur zwei Jahre früher, sondern auch rund 2400 Kilometer entfernt vom Verwaltungsbezirk Kursk aufgenommen. Murmansk (rot) befindet sich im Norden des Landes,  Kursk (blau) grenzt im Südwesten an die Ukraine.

Screenshot My Google Maps

Darum gehts

  • Der Gouverneur des russischen Verwaltungsbezirks Kursk hat auf Telegram den Teileinsturz einer Eisenbahnbrücke gemeldet. 

  • Auf Twitter wird die Meldung weiterverbreitet. 

  • Einige Twitter-Userinnen und -User verwenden dabei ein falsches Bild. 

  • Es stammt von einer Brücke aus einem anderen Teil Russlands.

Auf Twitter teilen Userinnen und User das Bild einer angeblich am vergangenen Wochenende teilweise eingestürzten Brücke im russischen Verwaltungsbezirk Kursk (siehe Box). Dass die Aufnahme jedoch eine mehr als nur ein bisschen zerstörte Brücke zeigt, irritiert sie zwar. Aber es hält sie nicht davon ab, sie zu teilen. So finden sich zahlreiche Beispiele für solche Posts.

Doch die Aufnahme stammt, anders als von den Nutzerinnen und Nutzern angegeben, nicht von Mai 2022, sondern von Juni 2020, wie Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters zeigen. Mittels umgekehrter Bildersuche konnte Reuters belegen, dass das Bild 2020 in einem Artikel über den Einsturz einer Eisenbahnbrücke, die die Hafenstadt Murmansk auf der russischen Halbinsel Kola mit dem Rest Russlands verbindet, erschienen war.

Eindeutig das falsche Bild

Dasselbe Bild wurde am 1. Juni 2020 auch von den Rettungsdiensten in der Region Murmansk veröffentlicht, so die Reuters-Faktencheckerinnen und -Faktenchecker. Als Ursache für den Einsturz wurde damals der hohe Wasserstand infolge starker Schneeschmelze genannt. Die Wassermassen hätten die Brückenpfeiler beschädigt, wodurch die Brücke zusammengesackt sei.

Damit ist ausgeschlossen, dass das Bild zur mit den Posts verbreiteten Nachricht vom Teileinsturz einer Eisenbahnbrücke in Kursk passt. Warum die Twitter-Userinnen und -User ein falsches Bild verwenden, ist unklar. Ebenso, ob es sich dabei um ein Versehen oder einen gezielten Manipulationsversuch handelt.

Was passierte in Kursk?

Am Sonntag, 1. Mai 2022, teilte der Gouverneur des russischen Verwaltungsbezirks Kursk, Roman Starovoit, auf seinem Telegram-Kanal mit, dass an der Grenze zur Ukraine eine Eisenbahnbrücke stark beschädigt worden ist. Es handle sich um einen «teilweisen Einsturz», der kurz vor dem Mittag «an Kilometer 67 der Bahnstrecke Sudscha-Sosnvoy Bor» festgestellt worden sei. «Spezialkräfte sind nun vor Ort, um die Ursache des Unfalls zu ermitteln.»

In einer rund fünf Stunden später abgesetzten Nachricht spricht er dann von einem «Sabotageakt». Angehängte Fotos zeigen laut ihm das Ausmass der Schäden – und, dass die Instandsetzungsarbeiten bereits auf den Weg gebracht wurden. Noch einmal drei Stunden später bestätigte das Untersuchungskomittee der Russischen Föderation auf seinem Telegram-Kanal die Prüfungen und erwähnt einen «Sprengsatz, der dort platziert und angezündet» wurde.

Ob dies stimmt, lässt sich aus der Ferne nicht beurteilen. Nimmt man aber alle von russischer Seite stammenden Angaben und Bilder zusammen, landet man auf Google Earth Pro und anderen Kartendiensten bei einer Eisenbahnbrücke, die nahe der Stadt Cherkasskaya-Konopel’ka über den weitgehend trocken liegenden Fluss Konopel'ka führt. Auf den dort zu findenden Satellitenbildern – die jüngsten stammen aus dem November 2021 und dem Frühjahr 2022 – scheint der Damm unter den Gleisen noch intakt (siehe Bildstrecke). Wann genau und warum es zu dem Teileinsturz kam, lässt sich unabhängig nicht sagen.

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