Japan-Blog: Dieses Brotgesicht ist beliebter als Hello Kitty
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Japan-BlogDieses Brotgesicht ist beliebter als Hello Kitty

Anpanman heisst der grösste Held im japanischen Kinderzimmer. Hierzulande ist die Comicfigur kaum bekannt. Zu Unrecht!

von
Ronja Sakata

Ronja Sakata erklärt das Phänomen Anpanman.

Anpanman ist überall! Lange habe ich nicht verstanden, weshalb der Superheld mit dem süssen Bohnenpasten-Brötchen-Kopf so fasziniert. Er ist allgegenwärtig im japanischen Alltag: Er lacht einem aus dem Supermarktgestell entgegen, ist auf Tassen, T-Shirts, Stäbchen, Sticker und Schirm aufgedruckt und als Verkleidung bei den kleinen Kindern der Hit.

Bei japanischen Kindern unter fünf Jahren ist Anpanman der Lieblingsmanga. Dank meiner kleinen Tochter kenne ich die Geschichten nun in- uns auswendig. Sie laufen nach dem üblichen Märchen-Strickmuster ab: Es gibt ein Problem, das allermeistens von Baikinman, dem Erzfeind, ausgelöst wird. Darauf kommt Anpanman unerschrocken angeflogen, um das Gute gewinnen zu lassen. Da sein Kopf aus Brot besteht, ist er jedoch anfällig für Wasser und Schimmel – Baikinmans Hauptwaffen.

Zum Glück sind Jamuojisan (der Brötchenbäcker) und seine Gehilfin Patakosan mit ihrem Anpanmobil immer sofort zur Stelle und werfen Anpanman einen frisch gebackenen Kopf zu. So bekommt er hundertfach neue Kräfte – auf Japanisch «genki hyakubai». Anpanman spediert Baikinman danach mit einem schwungvollen Faustschlag zurück in seine düstere Baikinman-Höhle, und es herrscht wieder Frieden im Land. Bis zur nächsten Geschichte.

Eine bunte Brotgesicht-Familie

Die Fantasie der Zeichner hat seit dem Anpanman-Start im Jahr 1969 unglaubliche 1767 verschiedene Rollen erstehen lassen. Karepanman, der Currybrötchen-Mann, Meronpannachan, das Mädchen mit dem Melonengeschmack-Brotkopf, und Shokupanman, der Toastbrot-Mann, gehören zum harten Kern und kommen in jeder Geschichte vor.

Diese Figurenvielfalt ist punkto Merchandising sehr ergiebig. Die Möglichkeiten der Spielzeugerfinder und Kleiderproduzentinnen sind unendlich. Anpanmans Umsatz schlägt in Japan sogar jenen von Micky Maus und Hello Kitty. 2010 hat die Brotgesicht-Familie über 9,5 Milliarden Dollar generiert! Live erleben kann man sie in den fünf verschiedenen Anpanman-Museen inklusive Shoppingmall, die über das ganze Land verteilt sind. Für Familien ist der Ausflug ein Riesenspass, selbst wenn man nicht alle Figuren kennt.

Auch in der Schweiz gibt es einen Anpanman-Bäcker: Hiro Takahashi bringt mit seiner Backstube in Adliswil die beliebten Japanbrötchen zu uns. Anime-Fans, Heimweh-Japaner und Fernweh-Kranke lieben die Originale: Anpan (süsse Bohnenpaste-Füllung), Meronpan (statt Melone mit Macha), Karepan (frittiertes Brot mit Curryfüllung) und Kurimupan (Vanillecremefüllung). Itadakimasu – en Guete!

Ronja Sakata (38), geborene Müller, ist studierte Lebensmittelingenieurin. Vor 15 Jahren reiste sie für ein Praktikum erstmals nach Japan. Dort verliebte sie sich nicht nur in das Land, sondern auch in ihren jetzigen Mann, dem sie den klingenden Nachnamen zu verdanken hat. Ihr Insiderwissen hat Sakata in einem E-Book und Audios auf unterhaltsame Weise zusammengefasst.

Weitere Infos: Ronjasakata.com

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