Mein schlimmstes Date«Ich hätte fast eine Sauerstoffmaske gebraucht»

Wünschst du dir, du hättest endlich mal wieder ein Date? Nach diesen Erlebnissen wahrscheinlich nicht mehr.

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Mittwoch, 9.9.2020

«Ich hätte fast eine Sauerstoffmaske gebraucht»

Leon* (24) hat sich ein bisschen in Mia* (20) verliebt. Und dabei ignoriert, dass sie sehr viel sportlicher ist als er.

Bild: Anna Deér

Ich bin nicht besonders fit, aber ich bin jetzt auch nicht Übergewichtig und liege den ganzen Tag auf dem Sofa. Ich mag einfach Sport nicht besonders. Aber ich mochte Mia! Ich habe Mia bei Tinder gematcht und ihre Bio gekonnt ignoriert. Als wir dann eine Weile geschrieben haben, habe ich schon gemerkt, dass Mia der aktive Typ ist.

Sie geht gerne wandern, velofahren, Tennis spielen, was auch immer. Sie mag Sport und ist sehr fit. Weil ich unbedingt bei ihr landen wollte, habe ich halt mal so getan, als wäre ich genau so ein begeisterter Berggänger wie sie. Berge sind ja auch schön, oder? Ist ja naheliegend.

«Mich auf ein Wander-Date einzulassen war ein Riesenfehler!»

Bei unserem ersten Treffen in einer Bar war alles super. Sie sah genau so wunderschön aus wie auf den Fotos, war lustig und sehr sympathisch. Wahrscheinlich habe ich mich auch deswegen von ihr zu einem «Wander-Date» überreden lassen. Das war ein Riesenfehler, ich sag es euch. Es hat schon damit angefangen, dass ich keine geeignete Ausrüstung habe: Ich habe weder Wanderschuhe, noch Windjacke oder einen brauchbaren Rucksack.

Ich bin halt eher ein Stadtkind, aber das sollte mich ja wohl nicht von meinem zweiten Date abhalten. Und so stand ich bei unserem zweiten Date mit einem lausigen Hoodie und meinen ausgelatschten Converse am Fuss eines Berges, von dem ich noch nie gehört hatte. Mia hat mich auf die Schuhe angesprochen, aber ich musste natürlich den harten Kerl mimen und habe gesagt, dass sei kein Problem.

«Bringt mir bitte jemand eine Sauerstoffmaske?»

Wir sind losgewandert und Mia hatte von Anfang an ein unfassbares Tempo drauf. Das Mädchen ist wie eine Gazelle, nein, wie ein Steinbock diesen Berg hochgehüpft, während ich ihr taumelnd und keuchend hinterhergekrabbelt bin. Die Route, die sie ausgewählt hatte, war auch nicht gerade einfach. Warum hatte ich auch so angeben müssen?

Irgendwann sind wir oben angekommen. Ich stand kurz vor einem Hitzetod, wünschte mir nichts mehr als ein Sauerstoffzelt. Ich habe bestimmt ausgesehen wie ein Häufchen Elend. Und Mia? Mia hat alles richtig gemacht: Anstatt mich auszulachen oder meine Fitness-Lüge aufzudecken, hat sie meinen Zustand auf die Höhenluft geschoben und mich liebevoll betreut.

«Meine Füsse waren voller Blasen»

Betreuung hatte ich auch dringend nötig. Mir lief nicht nur der Schweiss in Bächen vom Körper, ich hatte mich auch in der Sonne verbrannt und mehrere Blasen an den Füssen. Für den Abstieg hat sich Mia erbarmt und wir haben es wesentlich gemütlicher genommen. Sie hat mir meine Lüge übrigens nicht übel genommen: Wir waren danach zwei Jahre ein sehr glückliches Paar. Und ich gehe mittlerweile viel lieber wandern.

*Namen geändert

Donnerstag, 20.8.2020

«Sie hat sich einen Burger mitgebracht, falls ihr mein Essen nicht schmeckt»

Cem* (21) ist Vegetarier und wollte sein fleischessendes Date mit einem pflanzlichen Menü überraschen. Laura* (20) war skeptisch. Bild: Anna Deér

Ich bin schon sehr lange Vegetarier: Als Kind habe ich Bauernhöfe geliebt und wollte die herzigen Tierli einfach nicht mehr essen. Meine Eltern waren damals sehr verständnisvoll und haben sich sehr auf den vegetarischen Lebenswandel eingelassen, zu dem ich sie mit etwa 10 Jahren überreden wollte.

Ich bin aber ein eher entspannter Vegetarier: Wenn jemand für mich kocht und er verwendet zum Beispiel Rinderbouillon, dann mache ich jetzt kein Büro auf deswegen. Darum habe ich auch kein Problem gesehen, als ich angefangen habe Laura zu daten. Laura LIEBTE Fleisch, in fast jeder Form. Es gab kaum ein Gericht, das sie nicht mit Speckwürfeli oder ähnlichem verfeinern wollte.

«Ich hatte ein echt grosses Menü geplant»

In den Restaurants war es manchmal schwierig: Zwar gibt es inzwischen in eigentlich jedem Restaurant gute vegetarische Menüs, die Auswahl ist einfach meist nicht besonders gross. Für vegetarische Restaurants konnte ich Laura leider nie begeistern und so habe ich bei unserem vierten Date beschlossen, sie für ein richtig gutes Vegi-Dinner zu mir einzuladen.

Ich kann ganz gut kochen und habe mir Tipps von vegetarischen Freunden geholt, wie ich das so hinkriege, das Laura es mag. Die haben mir tolle Tipps gegegeben. Es sollte einen klassischen Vorspeisensalat geben und danach eine Lasagne mit Quinoa statt Hackfleisch. Klingt ein bisschen schräg, aber der Geschmack in der Lasagne kommt ja nicht vom Hackfleisch, sondern von all den anderen Zutaten. Ich war zuversichtlich, es roch nämlich fantastisch.

«Sie hatte einfach eine McDonalds-Tüte dabei!»

Als es klingelte war ich mega aufgeregt! Ich bin so, komplett mit Kochlöffel und Schürze (kein Witz, ich wollte keine Tomatenflecken auf meinem Hemd), zur Tür gestürmt um Laura zu begrüssen. Als ich die Tür geöffnet habe, ist mir schon so ein Frittiergeruch entgegengeschlagen. Laura hatte einfach eine McDonalds-Tüte unter dem Arm!

Sie hat meinen irritierten Blick bemerkt und meinte ernsthaft: «Ah, Cem, sei nicht böse, aber von diesem Pflanzenzeug werde ich einfach nicht satt und ich wollte auf Nummer sicher gehen.» Ich glaube ihr ja, das sie es nicht böse gemeint hat – aber beleidigt war ich trotzdem. Ich hatte mir solche Mühe gegeben! Sie hat die Lasagne dann auch gar nicht probiert, sondern nur ihren blöden Burger gegessen. Ich war so enttäuscht. Zum Glück habe ich hungrige Mitbewohner, die die Lasagne später noch so gerne gegessen haben. Mit Laura habe ich mich danach aber nicht mehr getroffen.

*Namen geändert

Donnerstag, 6.8.2020

«Unter einem Candle-Light-Dinner hat sie sich billigen Wein vorgestellt»

«Ich mochte Valerie sofort, als wir uns über gemeinsame Freunde in einer Bar kennengelernt hatten. Sie hatte einen wunderschönen blonden Lockenkopf, war klein und zierlich, also genau mein Typ. Und auch bei der Persönlichkeit schien es zu passen: Valerie hatte einen tollen Humor und war ein bisschen crazy, aber auch sehr entspannt.

Unser erstes Date war super! Wir waren in einem Restaurant und haben gut gegessen und getrunken. Valerie hatte sogar ein, zwei Gläser zu viel, aber ich habe mir da nicht all zu viele Gedanken gemacht – ich war auch nervös und habe deswegen mehr zum Glas gegriffen als sonst. Auch ihre, ich sag jetzt mal «mangelnden Tischmanieren» habe ich ignoriert – ist mir doch egal, mit welcher Gabel man was isst.

«Ich hatte mich sehr auf ein bisschen Intimität gefreut»

Wir fanden das erste Date beide toll und so habe ich mich mega gefreut, als Valerie mich für das zweite Date zu sich nach Hause eingeladen hat. Sie sagte, sie würde gerne für mich kochen und, ich zitiere, «mich ganz für sich alleine haben». ICH WAR SO AUFGEREGT! Ich hatte schon eine ganze Weile keine Partnerin mehr und habe mich ehrlich gesagt schon auf ein bisschen Intimität gefreut.

Versteht mich nicht falsch, natürlich habe ich es nicht «erwartet», nur weil sie mich eingeladen hat – aber ich habe es gehofft. Und so habe ich mich ein paar Mal umgezogen (Jacket ist overdressed, Trainerhose eindeutig underdressed) und mich freudig, sogar mit Blumen, auf dem Weg zu Valeries Wohnung gemacht.

«Auf dem Wohnzimmertisch stand eine zweite Flasche Wein – leer»

Ich weiss nicht, ob Valerie einfach einen schlechten Tag hatte oder vielleicht ein tieferliegendes Alkoholproblem, aber als ich um 18.30 Uhr bei ihr geklingelt habe, hat sie die Tür bereits ein bisschen schwankend und mit einer halbleeren Weinflasche in der Hand aufgemacht. Ich fand sie aber wirklich toll und habe mir das einfach schöngeredet: «Bestimmt war sie nur nervös, ist doch nicht schlimm...»

Auf dem Wohnzimmertisch stand eine zweite, bereits leere Weinflasche, bei der ich einfach hoffte, sie habe die am Abend zuvor getrunken und nicht an diesem Nachmittag. Zur Ablenkung habe ich sie gefragt, was es denn zum Essen gibt. Sie hat mich strahlend (und ein bisschen wankend) in die Küche geführt und mir eine Auswahl von Mikrowellenmenüs gezeigt, die sie im Kühlschrank hat.

«In der Mikrowelle lag etwas Undefinierbares»

Sie schien wirklich der Meinung zu sein, dass das ein grossartiger Move von ihr ist: Immerhin kann ich so aussuchen, was ich essen möchte. Ich finde Mikrowellenfood zwar schrecklich, aber Valerie zuliebe habe ich mich für eine Mikrowellen-Lasagne entschieden. Als ich die dann aber in die Mikrowelle legen wollte, lag da etwas Undefinierbares. Ich habe die Tür nicht geöffnet, weil ich Angst vor dem Geruch hatte, aber ich bin mir sehr sicher, dass dem Ding in der Mikrowelle bereits ein Pelz gewachsen ist und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis es von selbst in den Abfalleimer kriecht. Es sah echt eklig aus.

Ich habe irgendwas von «nicht so viel Hunger» gemurmelt und habe mich erstmal auf die Toilette entschuldigt. Ich musste mir mal kurz überlegen, was ich tun sollte. Ich konnte hier nicht bleiben, auch das Bad war irgendwie… dreckig. Nicht richtig, richtig schlimm, aber eben auch alles andere als sauber. Ich wollte ins Wohnzimmer gehen, um mich von Valerie zu verabschieden – aber die ist im Weinrausch auf dem Sofa eingenickt. Ich bin dann einfach gegangen und habe sie zum Glück seit da nicht mehr gesehen.

*Namen geändert

Donnerstag, 23.7.2020

«So viel Pech hatte ich an einem Tag noch nie»

Moira* hat sich viel Zeit genommen, um sich auf ihr Date vorzubereiten – aber dabei ist einfach alles schief gegangen. Und besser wurde es danach auch nicht.

Bild: Anna Deér

«Ich war so aufgeregt vor meinem Date mit Florian*! Ich habe ihn auf einer Datingapp kennengelernt und wir haben die gleichen Interessen, die gleichen Zukunftsvorstellungen… Diese Date musste also klappen, ich war mir fast ein bisschen sicher, demnächst meinen zukünftigen Ehemann vor mir zu haben.

Also habe ich mir besonders viel Zeit für die Vorbereitungen genommen, doch bereits da nahm das Unheil seinen lauf. Am Abend vor dem Date habe ich mich überall gründlich rasiert (man weiss ja nie) und habe mich prompt mit dem Rasierer unter den Achseln geschnitten. Das tut saumässig weh, aber wenigstens hat man es nicht gesehen.

«Es ging einfach alles schief»

Am nächsten Tag habe ich mich abends geschminkt, was glücklicherweise ohne ein ausgestochenes Auge funktioniert hat. Ich habe mein schönstes Ausgeh-Kleid angezogen und war bereit! Ich bin fast zur Haustür gehüpft vor Freude und da kam das erste schlechte Omen: Bei meinem dritten Hüpfer bin ich voll in Katzenkotze getreten. Na herzlichen Dank, du kleiner Fellbeutel. Schuhe putzen, Boden putzen, Katze tadeln und schon war ich ein bisschen spät dran.

«Easy», dachte ich. Das reicht schon. Das hätte es auch, wenn mein, zugegeben unzuverlässiges Auto, angesprungen wäre. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits ein bisschen angepisst, aber ich hatte ja auch keine Ahnung, was mir noch bevorstand. Ich wusste, dass ich den Bus nur noch erreiche, wenn ich JETZT losrenne. Beim Aussteigen bleibe ich an einem Ast in der Hecke hängen, aber dafür habe ich jetzt keine Zeit.

«Ich sass halbnackt im Bus!»

Grosser Fehler. Als ich keuchend auf meinem Sitz im Bus sass, habe ich das erste mal an mir runtergesehen: Ich hatte einen Riss an meinem Kleid, direkt über der linken Brust. Das darf doch nicht wahr sein. Und während sich in meinem Kopf der Gedanke «Wenigstens sitzt meine Frisur...» bildet, fängt es draussen ernsthaft an zu regnen. Das kann doch nicht sein! Ich habe keine Jacke, keinen Schirm, nichts. Und zu spät war ich inzwischen auch.

Ich sollte Florian bescheid geben, oder? Das dachte ich auch. Und dann habe ich gemerkt, dass ich bei meinem überstürzten Abgang mein Handy im Auto liegen gelassen hatte. Ich konnte also nur hoffen, dass Florian 20 Minuten warten würde – und es mir nicht allzu übel nimmt.

«Florian hat mir den Tag gerettet»

Ich bin wie ein begossener Pudel beim Restaurant angekommen. Stellt euch das vor: Meine Frisur durchnässt, mein Kleid zerrissen, mein Makeup (vermutlich?) zerlaufen und irgendwo an meinem Schuh womöglich noch Katzenkotze. Ich muss ein faszinierendes Bild abgegeben haben.

Aber Florian hat sich davon nicht abschrecken lassen: Er hat sich über meine Geschichte kaputt gelacht, hat mein Lieblingskleid mit mir betrauert und mir versichert, dass ich trotz Regenfrisur und Mascara-Bächen im Gesicht wunderschön bin. Wir waren danach etwa ein Jahr zusammen, was nach so viel Pech kaum zu glauben ist.

*Namen geändert

Donnerstag, 9.7.2020

«Sie wollte nur mit mir rummachen, um ihren Schwarm zu beeindrucken»

Sarah* (20) stand schon vor ihrem Outing ein bisschen auf ihr damaliges Schulgspänli Elena* (21). Als diese sie um ein Date gebeten hat, war Sarah im siebten Himmel.

Bild: Anna Deér

Ich kenne Elena schon seit der Schulzeit. Sie war immer Everybodys Darling, ein typisches, beliebtes Mädchen eben: Hübsch, ganz gut in der Schule, gut im Sport und manchmal ein bisschen gemein zu den weniger beliebten Mädchen. Zu diesen weniger beliebten Mädchen habe auch ich gehört, deswegen hatte ich kaum Kontakt mit Elena.

Ich habe auch schon in dieser Zeit gemerkt, dass ich Mädchen eigentlich viel besser finde als Jungs und mich auch mehr zu ihnen hingezogen fühle. In meiner Schule war die Stimmung aber nicht unbedingt «homofreundlich» und so habe ich mich dann erst auf dem Gymnasium geoutet.

«Elena hat sich plötzlich bei mir gemeldet»

Inzwischen bin ich 20 Jahre alt und habe angefangen zu studieren. Ich bin in den vergangenen Jahren immer selbstbewusster geworden und habe meine Sexualität immer öffentlicher ausgelebt – inzwischen steht in meinem Facebookprofil, dass ich auf Frauen stehe und auch bei Instagram steht «queer» in meiner Bio.

Vielleicht ist das der Grund, warum sich Elena plötzlich bei mir gemeldet hat. Sie hat mich auf Instagram angeschrieben und meinte «Hey, Sarah! Du hast dich ja mega gemacht seit der Schule, siehst richtig toll aus!» Ich war total gebauchpinselt, immerhin fand ich Elena schon immer wunderschön.

«Ein Club-Date? Warum nicht!»

Und dann wurde es sogar noch besser! Nach einigen ausgetauschten Komplimenten hat mich Elena gefragt, ob ich mit ihr Ausgehen will! Ich bin zwar mehr der Typ für gemütliche Kino-Dates, aber Elena hat einen Club vorgeschlagen und ich wollte ihr möglichst entgegenkommen, «Warum nicht?» habe ich mir gedacht. Wir haben uns für den nächsten Freitag verabredet.

Ein Grund, warum ich das lieber nicht gemacht hätte, habe ich dann schnell gefunden: Am Treffpunkt stand dann eben nicht nur Elena, sondern auch noch eine Gruppe von fünf jungen Männern, die sie mir als ihre Freunde vorstellte. Ich habe schon an der Art, wie sie mich dem einen Typen vorgestellt hat, gemerkt, dass sie ihn wohl ganz gut findet. Mist.

Ein Traum oder doch ein Albtraum?

Wir sind dann alle zusammen in den Club, haben getrunken und getanzt. Ich und Elena haben auch eng getanzt, was ich natürlich super fand. Irgendwann hat sie mein Gesicht zu sich gezogen und angefangen, mitten auf der Tanzfläche, mit mir zu knutschen. Ich war im siebten Himmel! Und dann… dann habe ich kurz die Augen geöffnet und bemerkt, wie sie beim Küssen die ganze Zeit zu diesem blonden Typen rüber sieht.

Ich habe meinen ganzen Mut zusammengenommen und sie gefragt, ob sie mit mir nach Hause kommen möchte. Elena hat mich nur entgeistert angesehen und dann angefangen zu lachen. «Ich bin nicht lesbisch, Sarah, das weisst du doch!» hat sie gesagt. «Aber weisst du, Thomas steht total auf Frauen, die sich küssen und ich dachte, vielleicht versucht er es dann endlich bei mir.»

Ein gebrochenes Herz

Ich musste den Club auf der Stelle verlassen, um nicht auf der Tanzfläche anzufangen zu heulen. Es war schrecklich. Elena hat mich nur benutzt, um ihren Schwarm zu beeindrucken. Und soweit ich es von ihrem Insta-Profil beurteilen kann, hatte sie damit auch noch Erfolg – die zwei sind jetzt zusammen und ich habe noch immer ein gebrochenes Herz.

*Namen geändert

Donnerstag, 25.6.2020

«Ich war einfach nur eine kostenlose Nanny»

Lola* (30) hat sich sehr auf das Date mit Jonathan* (35) gefreut. Sie hatte aber nicht damit gerechnet, einen Abend lang Kindermädchen zu spielen.

Bild: Anna Deér

Damit ihr versteht, warum ich Jonathan so toll fand, muss ich etwas weiter ausholen. Ich kann keine Kinder bekommen, bin unfruchtbar. Aber schon seit ich ein kleines Mädchen war, habe ich mir eine Familie gewünscht. Für mich war also klar: Entweder ich möchte Kinder adoptieren (das dauert aber lange, ist aufwändig und teuer), oder ich suche mir einen Mann, der bereits Kinder hat.

Ich habe beim Daten bereits einige schlechte Erfahrungen gemacht. Die meisten Männer, die ich bisher getroffen hatte, wollten Vater werden – mit meinem Problem ist das aber nicht möglich und ich möchte schliesslich auch niemanden um diese Erfahrung bringen.

Bart, zwei Kinder, keine Ehefrau – perfekt!

Als ich Jonathan über gemeinsame Freunde auf Facebook kennengelernt habe, war ich entsprechend begeistert: Ein gutaussehender bärtiger Mann – der bereits zwei Kinder hatte! Wir haben uns für ein spätes Kaffeedate in einer gemütlichen Bar verabredet. Als Jonathan den Raum betreten hat, war ich erstmal hin und weg – so sehr, dass mir die beiden kleinen Kinder an seiner Hand erst aufgefallen sind, als er am Tisch stand.

Okay, gut, dachte ich mir. Ein bisschen speziell, die Kids ans erste Date mitzubringen, aber vielleicht hat er ja keine Betreuungsperson gefunden? Oder meint er es besonders ernst? Denkste! Jonathan hat sich genau für einen halben Kaffee zu mir gesetzt, danach hat er Bekannte von sich an der Bar gesehen und war plötzlich weg.

Kostenlose Kinderbetreuung

Und während Jonathan an der Bar stand und neben ein, zwei, drei Bier auch plötzlich einen Cocktail in der Hand hatte, sass ich mit seinen Kindern in der Ecke. Und so sehr ich mir Kinder wünsche, bei einem Date möchte ich eigentlich keine fremden Kids betreuen müssen. Die zwei waren wirklich herzig, mir, einer Fremden, gegenüber aber natürlich sehr schüchtern.

Jonathan hat die nächsten zwei Stunden den Lebemann gemimt, mit jeder Person in der Bar gesprochen und die Barkeeperin angegraben – all das, während ich mit seinem Sohn und seiner Tochter gespielt habe. Dann hatte ich endlich genug: Ich bin zu Jonathan hin, habe ihn zu seinen Kindern geschickt und gesagt, dass er sich nächstes Mal eine Nanny buchen soll. Mir tun nur die Kids leid, die können ja auch nichts dafür, dass ihr Vater so ein Idiot ist.

*Namen geändert

Mittwoch, 10.6.2020

«Mein Date hat sich als lesbisch geoutet»

Florian* (25) hat sich vom Date mit Jessica* (22) viel erhofft. Eine solche Enthüllung hat er aber bestimmt nicht erwartet.

Bild: Anna Deér

Ich «kenne» Jessica schon lange. Wir stammen aus der gleichen Gemeinde in Zürich, hatten aber während der Schulzeit nicht viel miteinander zu tun. Umso mehr hat es mich gefreut, als ich kürzlich bei Facebook über ihr Profil gestolpert bin: Jessica hat sich echt gemacht, dachte ich mir. Aus dem schüchternen Mädchen mit Topf-Haarschnitt ist eine wirklich heisse Frau geworden.

Wir haben uns ein bisschen ausgetauscht und schnell gemerkt, dass wir wohl auf einer Wellenlänge sind. Also haben wir uns, da die Clubs ja jetzt endlich wieder geöffnet haben, auf Drinks verabredet. Ich will ja nicht Spoilern, aber lasst euch gesagt sein: Das war womöglich ein Fehler.

Tanzen, Gelächter – ein perfekter Abend

Am frühen Abend haben wir uns bei einem der Clubs getroffen, die den Betrieb gerade wieder früher aufnehmen. Genau wie ich hatte auch Jessica während der Quarantäne praktisch nicht gefeiert und war sehr bereit, sich mit mir zu betrinken. Shots, Drinks, noch mehr Shots – wir haben wirklich gut gebechert und hatten einen mega tollen Abend, mit Tanzen, guten Gesprächen und viel Gelächter.

Ich muss zugeben, ich war sozusagen schon ein bisschen verknallt. Jessica schien einfach «perfekt» zu sein, soweit sowas überhaupt möglich ist. Auf mich hatte es auch den Eindruck gemacht, dass Jessica mich auch gut fand. Wir haben uns ein Taxi nach Hause geteilt und ich habe zwar nicht damit gerechnet, dass sie mich zu sich einlädt, aber ehrlich gesagt schon darauf gehofft.

Ein abgelehnter Kuss

Im Taxi wurde Jessica bereits ein bisschen sentimental, was ich aber auf den Alkohol geschoben habe – da werden Menschen halt manchmal rührselig. Wir sind dann ausgestiegen und ich habe meinen ganzen Mut zusammengenommen und wollte sie zum Abschied küssen. Und dann hat sie angefangen zu weinen! Mitten, während ich ihr einen wirklich zärtlichen Kuss gegeben hatte! «Shit!» dachte ich, «habe ich die Signale SO falsch interpretiert??».

In diesem Moment, und mit vermutlich rund 1,5 Promille, hat sich Jessica bei mir geoutet: Sie ist lesbisch, wollte das aber lange nicht wahrhaben und hat Angst vor der Reaktion ihrer Familie. Sie meinte, dass der schöne Abend und der Kuss, bei dem sie überhaupt nichts gefühlt hatte (ja, herzlichen Dank), für sie ein weiteres Zeichen war und sie sich wohl nicht mehr länger selbst belügen kann.

Wir haben weiterhin noch Kontakt und ich habe sie beim Outing bei ihrer Familie unterstützt. Ein bisschen weh tut es aber immer noch, ich hatte mir wirklich mehr erhofft. Alles Gute, Jessica!

*Namen geändert

Mittwoch, 27.5.2020

«Mitten während dem Date stürmte seine Ehefrau ins Restaurant»

Cecilia* (32) konnte sich mit Fabian* (38) mehr vorstellen. Bis sich herausgestellt hat, dass Fabian schon viel mehr hat – und gar nicht Fabian heisst.

Bild: Anna Deér

Ich habe Fabian bei Tinder kennengelernt und wir haben eine ganze Weile nur geschrieben. Er war zwar mit manchen Antworten ein bisschen vage («Ich wohne in einer Art Wohngemeinschaft mit verschiedenen Generationen» hat er gesagt), aber für mich hat nichts davon irgendwelche Warnglocken läuten lassen. Das lag wohl, zugegeben, auch an einer Optik: Fabian sah aus, wie der perfekte Schwiegersohn.

Fabian hatte ausserdem einen guten Job, einen herzigen Hund und konnte gut mit Kindern – so sah es zumindest auf den Tinderbildern aus, auf denen auch zwei Kids zu sehen waren. Das seien die Kinder seine Mitbewohnerin, hat er gesagt. Ich dachte mit so «Cool, ein Typ der kein Problem hat, mit einer alleinerziehenden Mutter zusammenzuwohnen. Voll sympathisch!» – ich könnte mir inzwischen selbst eine runterhauen.

«So viele Lügen...»

Schliesslich haben wir uns getroffen. Ich habe ein Restaurant in Bern ausgewählt, da wir beide aus Gemeinden ausserhalb der Stadt sind. Bei der Begrüssung wollte Fabian mich gleich küssen, was mir ein bisschen zu schnell ging. Wir haben uns hingesetzt und unterhalten – und ich habe zum ersten Mal realisiert, dass er vielleicht lügt, weil er sich immer wieder in seinen eigenen Geschichten verstrickt hat.

Ich habe ihn nämlich gefragt, wie es zu seiner Wohnsituation gekommen ist – und plötzlich ändert er die Story. Nichts mehr von einer Mehr-Generationen-WG, plötzlich will Fabian alleine wohnen und die Kinder auf den Fotos sind die von seiner Schwester, die er zuvor auch nie erwähnt hat. Ich bin verwirrt, will ihm aber noch eine Chance geben. Vielleicht war das ja ein Missverständnis. Denkste.

«Es war wie im Film!»

In diesem Augenblick, gleichzeitig mit dem Kellner und unserem Hauptgang, taucht am Tisch eine blonde, wütende Frau auf und schreit mein gegenüber an: «ICH KANN NICHT GLAUBEN, DASS DU MICH SCHON WIEDER BETRÜGST, MARKUS!». Wie, Markus? Fabian heisst gar nicht Fabian? UND ER IST VERHEIRATET? Es war wirklich wie im Film, ich sags euch. Surreal.

Mir war das so schrecklich unangenehm, ich habe einfach mal gar nichts gesagt. Die Blondine hat Markus/Fabian dann sehr schnell unter wüsten Beschimpfungen aus dem Restaurant gezerrt und ich sass da immer noch am Tisch – wie bestellt und nicht abgeholt. Wenigstens hatten die vom Restaurant «verbarmen» mit mir und haben mir die Rechnung für das wirklich misslungene Essen erlassen...

*Namen geändert

Donnerstag, 14.5.2020

«Mein schwules Date war echt homophob»

Leandro* (26) bezeichnet sich selbst als «eher weiblicher Mann». Bei seinem Date mit Tim* (32) kam das nicht so gut an.

Bild: Anna Deér

Ich habe kein Problem mit meiner Sexualität. Ich bin, offensichtlich, schwul. Ich habe eine sehr feminine Art und ja, manchmal bezeichne ich mich selbst liebevoll als «kleine Tunte». All das ist auf meinem Grindr-Profil ersichtlich, genau wie die Tatsache, dass ich eher so nach einem «manly Man» suche, halt so das Modell Holzfäller.

Als ich mit Tim gematcht habe, war ich sozusagen verliebt. Er war unfassbar attraktiv. Wie aus einem Werbespot für Flanellhemden, Old Spice oder Holzäxte! Gross, bärtig, insgesamt also genau mein Typ. Auch er schien interessiert und so haben wir uns für Drinks in einer Bar in Aarau verabredet.


«Wow, du bist echt eine Tunte, was?»


Als Tim in der Bar auftauchte, war ich erstmal hin und weg. Der sah ja noch besser auf als auf den Fotos! Überschwänglich bin ich also zu ihm hin und habe ihn sehr euphorisch begrüsst. Und wisst ihr, was das erste war, das der schöne Tim zu mir gesagt hat? «Wow, du bist echt eine Tunte, was?» Ich war sprachlos, habe aber ehrlich gesagt gehofft, das es einfach eine Feststellung war und nicht so wertend, wie es sich angehört hatte. Oh boy, lag ich falsch.


Tim wurde mit jedem Satz unattraktiver für mich. Er lästerte über all die Männer, die seiner Meinung nach keine richtigen sind (Also schlaksige, eher kleinere Männer mit femininen Zügen, wie ich es habe) und liess keine Gelegenheit aus, sich über meine «übertrieben Weiblichkeit» lustig zu machen. Er hat mich sogar gefragt, ob ich transsexuell sei und eine Frau werden möchte. Ugh.


Ich bin schliesslich gegangen, als er einen zehnminütigen Rant über Ausländer abgelassen hat (ich bin Halb-Spanier) und die Barkeeperin (dunkelhäutig) beleidigt hat. Irgendwann ist echt genug. Ich finde es schockierend, wie viele Vorurteile jemand haben kann, der selbst einer Minderheit angehört.

*Namen geändert

Donnerstag, 30.4.2020

«Ich war das Horrordate»

Jonas* (29) wollte Anna* (24) zum Essen ausführen – und hat dann alles falsch gemacht. Bild: Anna Deér

Ich möchte erstmal sagen: Anna, es tut mir leid. Falls du das liest und dich erkennst, ich schäme mich immer noch dafür. Dabei hat alles so gut angefangen! Ich habe Anna auf einer «seriösen» Datingplattform kennengelernt und unsere Beschreibungen haben super zueinander gepasst. Wir gehen beide gerne in die Natur und haben ähnliche Interessen.

Wir haben uns also zum Essen verabredet. Schon da ist mir der erste blöde Fehler passiert: Anna ist Vegetarierin und ich habe es geschafft, sie in in Restaurant auszuführen, in dem es ausser dem Beilagensalat und Nudeln mit Tomatensauce eigentlich nichts vegetarisches gab. Okay, blöd, aber sie hätte ja auch was sagen können.

«Plötzlich ist mir schlecht geworden»

Irgendwann während dem Essen ist mir plötzlich furchtbar schlecht geworden. Magenverstimmung, keine Ahnung. Ich habe mich ein-, zweimal entschuldigt und bin zur Toilette, aber es ist einfach nicht besser geworden. Ihr ahnt bestimmt, was jetzt kommt. Die arme Anna sass mir, einem bleichen, schwitzenden Bündel Elend gegenüber und hat versucht, mich zu trösten oder aufzumuntern – und dann habe ich in hohem Bogen in meinen Teller gekotzt. Volle Kanne. Mitten im Restaurant, vor allen Menschen.

Es war mir so unfassbar peinlich, ihr könnt es euch gar nicht vorstellen. Ich habe fast geweint, was meiner Attraktivität bei Anna wahrscheinlich nicht unbedingt geholfen hat. Als ich dann alles bezahlen wollte, um mein Date wenigstens zu «entschädigen», habe ich gemerkt, dass ich mein Portmonnaie nicht dabei hatte. Anna hatte also nicht nur ein reiherndes Date, sie musste auch noch dafür bezahlen. Ich habe nie wieder etwas von ihr gehört und ich kann das völlig verstehen.

*Namen geändert

Mittwoch, 15.4.2020

«Er hat mich mit der Rechnung für seine Drinks stehen lassen»

Tamara* (26) hat sich nach einigen Tinder-Nachrichten mit Pedro* (31) getroffen. Das Date kam sie teuer zu stehen. Bild: Anna Deér

Ich habe Pedro auf Tinder gesehen und war von seinem Foto hin und weg. Südländer halt, voll mein Typ, und dann war er auch noch sportlich und schien gerne feiern zu gehen. Ein Match! Ich habe mit ihm ein paar Mal geschrieben und dann haben wir uns Abends in einer Bar in Zürich getroffen. Eigentlich hätte ich schon misstrauisch werden müssen, als er gut 20 Minuten zu spät gekommen ist – ohne sich zu entschuldigen.


Dann, Red Flag: Nachdem ersten Small-Talk hat er mich gleich mal gefragt, wer denn die hübsche Blondine auf einem meiner Tinderfotos ist – die habe ihm nämlich mega gefallen, aber ich «sei ja auch ganz nett». Wow. Ich hätte da gehen sollen. Bin ich aber nicht, ich glaube nämlich an das Gute im Menschen und hielt das einfach nur für Unbeholfenheit.


«Er hat sich richtig zugeschüttet»


Ich habe ihn dann zur Bar geschleppt, weil ich gehofft habe, ein bisschen Promille könnte die Situation retten – aber nein. Ich habe einen Gin Tonic bestellt (war ja Freitag!) und bin mir damit vergleichsweise Verwegen vorgekommen. Er hat sich nicht nur einen doppelten Vodka bestellt, sondern auch noch fünf (FÜNF!) Shots, von denen er vier (VIER!) gleich selbst getrunken hat. Er hat sich richtig zugeschüttet!


Der gute Pedro war so natürlich nach kürzester Zeit voll wie eine Windel und zu nichts mehr zu gebrauchen. Zum Glück sass am Nebentisch eine nette Gruppe, mit der ich mich ein bisschen unterhalten konnte. Und jetzt kommt der Hammer: Irgendwann war Pedro plötzlich verschwunden – ich habe mir noch nichts dabei gedacht. Bis ich schliesslich zahlen wollte: Pedro hat mich mit seiner offenen Vodka-und-Shots-Rechnung über 200 Franken stehen lassen. So ein Idiot. Und er war sogar dreist genug, danach noch bei Tinder nach der Handynummer meiner Freundin zu fragen. Nie mehr Onlinedating, ich sags euch!

*Namen geändert

Donnerstag, 2.4.2020

«Dieses Date ging richtig in die Hose»

Nando* (26) hatte ein wirklich schönes Date mit seiner Online-Bekanntschaft. Bis ihm ein gewisses Bedürfnis einen Strich durch die Rechnung machte.

Bild: Anna Deér

Ich habe die Frau online kennengelernt und wir haben uns gleich mega gut verstanden! So gut, dass wir bereits nach wenigen Tagen ein Treffen ausgemacht haben. Wir haben uns an einem schönen Sommertag am Rhein getroffen und dort zwei sehr angenehme Stunden verbracht.

Danach habe ich ihr noch die Stadt gezeigt. Und während wir so stundenlang durch die Gassen von Basel gelaufen sind, habe ich plötzlich einen leichten Druck auf der Blase gespürt. Ich habe mir aber noch keine Gedanken gemacht und meinem Date gesagt, dass ich langsam zurück sollte, um bei mir Zuhause aufs WC zu gehen. Easypeasy.

Der Druck wurde immer grösser

Wir haben uns dann also auf den Rückweg gemacht, rund zwei Kilometer waren es bis zu mir. Einige, die das lesen, kennen das Gefühl vielleicht: Je näher man der rettenden Schüssel kommt, desto grösser wird der Druck auf die Blase – genau so war das bei mir. Inzwischen fiel mir sogar das Laufen ein bisschen schwer, ich musste wirklich furchtbar dringend aufs Klo.

Und dann ist es passiert, 200 Meter vor meiner Haustür: Mein Körper, meine Blase, hat versagt und dem Druck nachgegeben. Ich bin mit eingenässten Hosen stehengeblieben. Sie hat mich angestarrt. Ich habe sie angestarrt. Wir waren beide sprachlos, es war schrecklich. Das Date war so richtig in die Hose gegangen und sie hat den Kontakt zu mir abgebrochen.

*Namen geändert

Dienstag, 24.3.2020

«Er glaubte die wildesten Verschwörungstheorien»

Melodia* (28) hat nicht damit gerechnet, dass ihr Date so ziemlich jede Verschwörungstheorie glaubt – und versucht, sie auf seine Seite zu ziehen.

Bild: Anna Deér

Ich habe Steven* über ein Datingportal kennen gelernt und fand ihn richtig gut! Er war mittelgross, ein eher schmaler Typ und wirkte auf mich sehr sympathisch. Wir haben erst mal nur Nachrichten ausgetauscht und über ganz normale Sachen geredet: Wwas wir arbeiten, wo wir leben, unsere Hobbys und so weiter.

Steven wirkte wirklich völlig normal, und so haben wir ein Treffen in einer Bar ausgemacht. Als er ankam, meinte er, er habe noch was für mich, wolle mir das aber erst später geben. Ich habe mich gewundert, aber noch nichts Böses dabei gedacht.

«In zehn Jahren haben wir alle keinen freien Willen mehr»

Doch kaum hatte es sich Steven auf seinem Sessel bequem gemacht, ging das Gespräch in eine total schräge Richtung: «Das Leben ist kein Ponyhof, mir wärs echt egal, wenn ich heute sterbe», hat er gesagt. So aus dem Nichts! Und dann begann er zu zu erzählen, er habe ja auch schon «Haustiere, Verwandte und Jobs verloren» und «das Jenseits sei bestimmt auch schön».

Immer weiter holte der gute Steven aus und erklärte mir, ich müsse aufpassen, weil in zehn Jahren niemand mehr einen eigenen Willen habe. Wisst ihr, wieso? «Weil die Amerikaner uns Chips ins Hirn pflanzen und uns und unsere Gedanken steuern.» Äh, ja, okay.

Und dann ... holte er sein Horoskop heraus

Er wirkte so durchgeknallt, dass ich mich nicht traute, einfach zu gehen. Ich habe also erst mal einen neuen Drink bestellt. Er klaubte einen Zettel aus seiner Tasche – sein Mitbringsel – und hielt ihn mir unter die Nase: Es war sein Horoskop. Darin stand, er werde heute eine Person treffen, die er schon lange kenne, und sie würden sich verlieben.

Jesses. Ich kannte ihn gerade mal einen Monat und nach unserem Gespräch war die Option «verlieben» für mich gestorben. Unbeirrt sprach er weiter und legte dar, dass er, der noch bei seinen Eltern wohnte, eigentlich sofort mit mir zusammenziehen wollte.

Ich war so perplex, ich habe meiner Freundin geschrieben, ob sie mich anrufen und einen Notfall vortäuschen kann, damit ich von diesem Date wegkomme.

*Namen geändert

«Sie schlug mir ihre Tasche ins Gesicht»

Robert* (30) hatte grosse Hoffnungen in das Date mit Paula* (32) gesetzt. Mit einem solchen Ausgang hatte er aber nicht gerechnet.

Bild: Anna Deér

Über eine Dating-App habe ich Paula* kennengelernt. Auf den Fotos sah sie super aus: Sie hatte ein hübsches Gesicht und eine schlanke Figur. Wir verabredeten uns für ein Date in einem Starbucks.

An jenem Tag habe ich an unserem Treffpunkt auf sie gewartet. Paula war zu spät und ich dachte schon, dass sie nicht kommt, als eine Brünette laut ‹Hallo› rief und mir energisch zuwinkte. Die Frau war geschätzt 140 Kilo schwer und sah überhaupt nicht aus wie Paula auf ihren Profilbildern. Ich dachte erst, die Dame hat mich mit jemandem verwechselt.

Doch als sie zielstrebig auf mich zulief und sich vorstellte, war klar: Mein Date hatte sich auf der App bis zur Unkenntlichkeit gephotoshoppt. Ich war baff. Trotzdem wollte ich anständig sein und den versprochenen Kaffee mit ihr trinken. Wer weiss, vielleicht war sie ja ganz nett. Ich liess mir also nichts anmerken und lief mit ihr Richtung Starbucks.

«Du bist so fake!»

Es war ein schöner Tag und das Lokal war voller Leute. Als wir im Café sassen, meinte Paula plötzlich: «Auf deinen Bildern siehst du viel muskulöser aus.» Ich fragte, ob sie das als Witz meine – schliesslich habe ich meine Fotos nicht gephotoshoppt. Sie entgegnete mir: «Nein, ich fühle mich echt verarscht.» Da habe ich ihr gesagt, dass ich dachte, sie sei wesentlich schlanker.

Darauf ist sie ausgerastet. Vor allen Starbucks-Gästen schmiss sie mir ihre Tasche ins Gesicht und schrie: «Schaut euch dieses dürre Arschloch an! Du bist so fake!» Alle Leute im Café haben gelacht. Ich packte schnell meine Sachen und zog Leine. Sie blieb im Café und ass in aller Ruhe ihren Kuchen fertig.

Es scheint Paulas Masche zu sein

Später habe ich einen Kollegen kennen gelernt, dem das Gleiche passiert ist: Sein Date war in echt auch sehr viel korpulenter als auf den Bildern, die er von ihr erhalten hatte. Als er mir ihr Dating-Profil gezeigt hatte, war ich verdutzt: Die Foto-Fakerin war Paula.

Und: Wie er erzählte, war auch sie bei seinem Date aggressiv und rastete plötzlich völlig aus. Das scheint wohl ihre Masche zu sein.

Inzwischen bin ich in einer festen Beziehung. Aber als ich noch single war, habe ich mich nach dieser Erfahrung immer zweimal auf die Bilder meiner Dates geachtet – und fragte in meinem Freundeskreis zusätzlich nach, ob jemand die Person persönlich kennt.

*Namen geändert