«Mitten während dem Date stürmte seine Ehefrau ins Restaurant»

Du vermisst derzeit das wilde Datingleben? Nach diesen Erlebnissen wahrscheinlich nicht mehr.

Mittwoch, 27.5.2020

«Mitten während dem Date stürmte seine Ehefrau ins Restaurant»

Cecilia*, 32, konnte sich mit Fabian*, 38 mehr vorstellen. Bis sich herausgestellt hat, dass Fabian schon viel mehr hat.

Bild: Anna Deér

Ich habe Fabian bei Tinder kennengelernt und wir haben eine ganze Weile nur geschrieben. Er war zwar mit manchen Antworten ein bisschen vage («Ich wohne in einer Art Wohngemeinschaft mit verschiedenen Generationen» hat er gesagt), aber für mich hat nichts davon irgendwelche Warnglocken läuten lassen. Das lag wohl, zugegeben, auch an einer Optik: Fabian sah aus, wie der perfekte Schwiegersohn.

Fabian hatte ausserdem einen guten Job, einen herzigen Hund und konnte gut mit Kindern – so sah es zumindest auf den Tinderbildern aus, auf denen auch zwei Kids zu sehen waren. Das seien die Kinder seine Mitbewohnerin, hat er gesagt. Ich dachte mit so «Cool, ein Typ der kein Problem hat, mit einer alleinerziehenden Mutter zusammenzuwohnen. Voll sympathisch!» – ich könnte mir inzwischen selbst eine runterhauen.

«So viele Lügen...»

Schliesslich haben wir uns getroffen. Ich habe ein Restaurant in Bern ausgewählt, da wir beide aus Gemeinden ausserhalb der Stadt sind. Bei der Begrüssung wollte Fabian mich gleich küssen, was mir ein bisschen zu schnell ging. Wir haben uns hingesetzt und unterhalten – und ich habe zum ersten Mal realisiert, dass er vielleicht lügt, weil er sich immer wieder in seinen eigenen Geschichten verstrickt hat.

Ich habe ihn nämlich gefragt, wie es zu seiner Wohnsituation gekommen ist – und plötzlich ändert er die Story. Nichts mehr von einer Mehr-Generationen-WG, plötzlich will Fabian alleine wohnen und die Kinder auf den Fotos sind die von seiner Schwester, die er zuvor auch nie erwähnt hat. Ich bin verwirrt, will ihm aber noch eine Chance geben. Vielleicht war das ja ein Missverständnis. Denkste.

«Es war wie im Film!»

In diesem Augenblick, gleichzeitig mit dem Kellner und unserem Hauptgang, taucht am Tisch eine blonde, wütende Frau auf und schreit mein gegenüber an: «ICH KANN NICHT GLAUBEN, DASS DU MICH SCHON WIEDER BETRÜGST, MARKUS!». Wie, Markus? Fabian heisst gar nicht Fabian? UND ER IST VERHEIRATET? Es war wirklich wie im Film, ich sags euch. Surreal.

Mir war das so schrecklich unangenehm, ich habe einfach mal gar nichts gesagt. Die Blondine hat Markus/Fabian dann sehr schnell unter wüsten Beschimpfungen aus dem Restaurant gezerrt und ich sass da immer noch am Tisch – wie bestellt und nicht abgeholt. Wenigstens hatten die vom Restaurant «verbarmen» mit mir und haben mir die Rechnung für das wirklich misslungene Essen erlassen...

Donnerstag, 14.5.2020

«Mein schwules Date war echt homophob»

Leandro* (26) bezeichnet sich selbst als «eher weiblicher Mann». Bei seinem Date mit Tim* (32) kam das nicht so gut an.

Bild: Anna Deér

Wisst ihr, ich habe kein Problem mit meiner Sexualität. Ich bin, offensichtlich, schwul. Ich habe eine sehr feminine Art und ja, manchmal bezeichne ich mich selbst liebevoll als «kleine Tunte». All das ist auf meinem Grindr-Profil ersichtlich, genau wie die Tatsache, dass ich eher so nach einem «manly Man» suche, halt so das Modell Holzfäller.

Als ich mit Tim gematcht habe, war ich sozusagen verliebt. Er war unfassbar attraktiv. Wie aus einem Werbespot für Flanellhemden, Old Spice oder Holzäxte! Gross, bärtig, insgesamt also genau mein Typ. Auch er schien interessiert und so haben wir uns für Drinks in einer Bar in Aarau verabredet.


«Wow, du bist echt eine Tunte, was?»


Als Tim in der Bar auftauchte, war ich erstmal hin und weg. Der sah ja noch besser auf als auf den Fotos! Überschwänglich bin ich also zu ihm hin und habe ihn sehr euphorisch begrüsst. Und wisst ihr, was das erste war, das der schöne Tim zu mir gesagt hat? «Wow, du bist echt eine Tunte, was?» Ich war sprachlos, habe aber ehrlich gesagt gehofft, das es einfach eine Feststellung war und nicht so wertend, wie es sich angehört hatte. Oh boy, lag ich falsch.


Tim wurde mit jedem Satz unattraktiver für mich. Er lästerte über all die Männer, die seiner Meinung nach keine richtigen sind (Also schlaksige, eher kleinere Männer mit femininen Zügen, wie ich es habe) und liess keine Gelegenheit aus, sich über meine «übertrieben Weiblichkeit» lustig zu machen. Er hat mich sogar gefragt, ob ich transsexuell sei und eine Frau werden möchte. Ugh.


Ich bin schliesslich gegangen, als er einen zehnminütigen Rant über Ausländer abgelassen hat (ich bin Halb-Spanier) und die Barkeeperin (dunkelhäutig) beleidigt hat. Irgendwann ist echt genug. Ich finde es schockierend, wie viele Vorurteile jemand haben kann, der selbst einer Minderheit angehört.

*Namen geändert

Donnerstag, 30.4.2020

«Ich war das Horrordate»

Jonas* (29) wollte Anna* (24) zum Essen ausführen – und hat dann alles falsch gemacht. Bild: Anna Deér

Ich möchte erstmal sagen: Anna, es tut mir leid. Falls du das liest und dich erkennst, ich schäme mich immer noch dafür. Dabei hat alles so gut angefangen! Ich habe Anna auf einer «seriösen» Datingplattform kennengelernt und unsere Beschreibungen haben super zueinander gepasst. Wir gehen beide gerne in die Natur und haben ähnliche Interessen.

Wir haben uns also zum Essen verabredet. Schon da ist mir der erste blöde Fehler passiert: Anna ist Vegetarierin und ich habe es geschafft, sie in in Restaurant auszuführen, in dem es ausser dem Beilagensalat und Nudeln mit Tomatensauce eigentlich nichts vegetarisches gab. Okay, blöd, aber sie hätte ja auch was sagen können.

«Plötzlich ist mir schlecht geworden»

Irgendwann während dem Essen ist mir plötzlich furchtbar schlecht geworden. Magenverstimmung, keine Ahnung. Ich habe mich ein-, zweimal entschuldigt und bin zur Toilette, aber es ist einfach nicht besser geworden. Ihr ahnt bestimmt, was jetzt kommt. Die arme Anna sass mir, einem bleichen, schwitzenden Bündel Elend gegenüber und hat versucht, mich zu trösten oder aufzumuntern – und dann habe ich in hohem Bogen in meinen Teller gekotzt. Volle Kanne. Mitten im Restaurant, vor allen Menschen.

Es war mir so unfassbar peinlich, ihr könnt es euch gar nicht vorstellen. Ich habe fast geweint, was meiner Attraktivität bei Anna wahrscheinlich nicht unbedingt geholfen hat. Als ich dann alles bezahlen wollte, um mein Date wenigstens zu «entschädigen», habe ich gemerkt, dass ich mein Portmonnaie nicht dabei hatte. Anna hatte also nicht nur ein reiherndes Date, sie musste auch noch dafür bezahlen. Ich habe nie wieder etwas von ihr gehört und ich kann das völlig verstehen.

*Namen geändert

Mittwoch, 15.4.2020

«Er hat mich mit der Rechnung für seine Drinks stehen lassen»

Tamara* (26) hat sich nach einigen Tinder-Nachrichten mit Pedro* (31) getroffen. Das Date kam sie teuer zu stehen. Bild: Anna Deér

Ich habe Pedro auf Tinder gesehen und war von seinem Foto hin und weg. Südländer halt, voll mein Typ, und dann war er auch noch sportlich und schien gerne feiern zu gehen. Ein Match! Ich habe mit ihm ein paar Mal geschrieben und dann haben wir uns Abends in einer Bar in Zürich getroffen. Eigentlich hätte ich schon misstrauisch werden müssen, als er gut 20 Minuten zu spät gekommen ist – ohne sich zu entschuldigen.


Dann, Red Flag: Nachdem ersten Small-Talk hat er mich gleich mal gefragt, wer denn die hübsche Blondine auf einem meiner Tinderfotos ist – die habe ihm nämlich mega gefallen, aber ich «sei ja auch ganz nett». Wow. Ich hätte da gehen sollen. Bin ich aber nicht, ich glaube nämlich an das Gute im Menschen und hielt das einfach nur für Unbeholfenheit.


«Er hat sich richtig zugeschüttet»


Ich habe ihn dann zur Bar geschleppt, weil ich gehofft habe, ein bisschen Promille könnte die Situation retten – aber nein. Ich habe einen Gin Tonic bestellt (war ja Freitag!) und bin mir damit vergleichsweise Verwegen vorgekommen. Er hat sich nicht nur einen doppelten Vodka bestellt, sondern auch noch fünf (FÜNF!) Shots, von denen er vier (VIER!) gleich selbst getrunken hat. Er hat sich richtig zugeschüttet!


Der gute Pedro war so natürlich nach kürzester Zeit voll wie eine Windel und zu nichts mehr zu gebrauchen. Zum Glück sass am Nebentisch eine nette Gruppe, mit der ich mich ein bisschen unterhalten konnte. Und jetzt kommt der Hammer: Irgendwann war Pedro plötzlich verschwunden – ich habe mir noch nichts dabei gedacht. Bis ich schliesslich zahlen wollte: Pedro hat mich mit seiner offenen Vodka-und-Shots-Rechnung über 200 Franken stehen lassen. So ein Idiot. Und er war sogar dreist genug, danach noch bei Tinder nach der Handynummer meiner Freundin zu fragen. Nie mehr Onlinedating, ich sags euch!

*Namen geändert

Donnerstag, 2.4.2020

«Dieses Date ging richtig in die Hose»

Nando* hatte ein wirklich schönes Date mit seiner Online-Bekanntschaft. Bis ihm ein gewisses Bedürfnis einen Strich durch die Rechnung machte. Bild: Anna Deér

Ich habe die Frau online kennengelernt und wir haben uns gleich mega gut verstanden! So gut, dass wir bereits nach wenigen Tagen ein Treffen ausgemacht haben. Wir haben uns an einem schönen Sommertag am Rhein getroffen und dort zwei sehr angenehme Stunden verbracht.

Danach habe ich ihr noch die Stadt gezeigt. Und während wir so stundenlang durch die Gassen von Basel gelaufen sind, habe ich plötzlich einen leichten Druck auf der Blase gespürt. Ich habe mir aber noch keine Gedanken gemacht und meinem Date gesagt, dass ich langsam zurück sollte, um bei mir Zuhause aufs WC zu gehen. Easypeasy.

Der Druck wurde immer grösser

Wir haben uns dann also auf den Rückweg gemacht, rund zwei Kilometer waren es bis zu mir. Einige, die das lesen, kennen das Gefühl vielleicht: Je näher man der rettenden Schüssel kommt, desto grösser wird der Druck auf die Blase – genau so war das bei mir. Inzwischen fiel mir sogar das Laufen ein bisschen schwer, ich musste wirklich furchtbar dringend aufs Klo.

Und dann ist es passiert, 200 Meter vor meiner Haustür: Mein Körper, meine Blase, hat versagt und dem Druck nachgegeben. Ich bin mit eingenässten Hosen stehengeblieben. Sie hat mich angestarrt. Ich habe sie angestarrt. Wir waren beide sprachlos, es war schrecklich. Das Date war so richtig in die Hose gegangen und sie hat den Kontakt zu mir abgebrochen.

(*Namen geändert)

Dienstag, 24.3.2020

«Er glaubte die wildesten Verschwörungstheorien»

Bild: Anna Deér

Ich habe Steven* über ein Datingportal kennen gelernt und fand ihn richtig gut! Er war mittelgross, ein eher schmaler Typ und wirkte auf mich sehr sympathisch. Wir haben erst mal nur Nachrichten ausgetauscht und über ganz normale Sachen geredet: Wwas wir arbeiten, wo wir leben, unsere Hobbys und so weiter.

Steven wirkte wirklich völlig normal, und so haben wir ein Treffen in einer Bar ausgemacht. Als er ankam, meinte er, er habe noch was für mich, wolle mir das aber erst später geben. Ich habe mich gewundert, aber noch nichts Böses dabei gedacht.

«In zehn Jahren haben wir alle keinen freien Willen mehr»

Doch kaum hatte es sich Steven auf seinem Sessel bequem gemacht, ging das Gespräch in eine total schräge Richtung: «Das Leben ist kein Ponyhof, mir wärs echt egal, wenn ich heute sterbe», hat er gesagt. So aus dem Nichts! Und dann begann er zu zu erzählen, er habe ja auch schon «Haustiere, Verwandte und Jobs verloren» und «das Jenseits sei bestimmt auch schön».

Immer weiter holte der gute Steven aus und erklärte mir, ich müsse aufpassen, weil in zehn Jahren niemand mehr einen eigenen Willen habe. Wisst ihr, wieso? «Weil die Amerikaner uns Chips ins Hirn pflanzen und uns und unsere Gedanken steuern.» Äh, ja, okay.

Und dann ... holte er sein Horoskop heraus

Er wirkte so durchgeknallt, dass ich mich nicht traute, einfach zu gehen. Ich habe also erst mal einen neuen Drink bestellt. Er klaubte einen Zettel aus seiner Tasche – sein Mitbringsel – und hielt ihn mir unter die Nase: Es war sein Horoskop. Darin stand, er werde heute eine Person treffen, die er schon lange kenne, und sie würden sich verlieben.

Jesses. Ich kannte ihn gerade mal einen Monat und nach unserem Gespräch war die Option «verlieben» für mich gestorben. Unbeirrt sprach er weiter und legte dar, dass er, der noch bei seinen Eltern wohnte, eigentlich sofort mit mir zusammenziehen wollte.

Ich war so perplex, ich habe meiner Freundin geschrieben, ob sie mich anrufen und einen Notfall vortäuschen kann, damit ich von diesem Date wegkomme.

(*Namen geändert)

«Sie schlug mir ihre Tasche ins Gesicht»

Bild: Anna Deér

Über eine Dating-App habe ich Paula* kennengelernt. Auf den Fotos sah sie super aus: Sie hatte ein hübsches Gesicht und eine schlanke Figur. Wir verabredeten uns für ein Date in einem Starbucks.

An jenem Tag habe ich an unserem Treffpunkt auf sie gewartet. Paula war zu spät und ich dachte schon, dass sie nicht kommt, als eine Brünette laut ‹Hallo› rief und mir energisch zuwinkte. Die Frau war geschätzt 140 Kilo schwer und sah überhaupt nicht aus wie Paula auf ihren Profilbildern. Ich dachte erst, die Dame hat mich mit jemandem verwechselt.

Doch als sie zielstrebig auf mich zulief und sich vorstellte, war klar: Mein Date hatte sich auf der App bis zur Unkenntlichkeit gephotoshoppt. Ich war baff. Trotzdem wollte ich anständig sein und den versprochenen Kaffee mit ihr trinken. Wer weiss, vielleicht war sie ja ganz nett. Ich liess mir also nichts anmerken und lief mit ihr Richtung Starbucks.

«Du bist so fake!»

Es war ein schöner Tag und das Lokal war voller Leute. Als wir im Café sassen, meinte Paula plötzlich: «Auf deinen Bildern siehst du viel muskulöser aus.» Ich fragte, ob sie das als Witz meine – schliesslich habe ich meine Fotos nicht gephotoshoppt. Sie entgegnete mir: «Nein, ich fühle mich echt verarscht.» Da habe ich ihr gesagt, dass ich dachte, sie sei wesentlich schlanker.

Darauf ist sie ausgerastet. Vor allen Starbucks-Gästen schmiss sie mir ihre Tasche ins Gesicht und schrie: «Schaut euch dieses dürre Arschloch an! Du bist so fake!» Alle Leute im Café haben gelacht. Ich packte schnell meine Sachen und zog Leine. Sie blieb im Café und ass in aller Ruhe ihren Kuchen fertig.

Es scheint Paulas Masche zu sein

Später habe ich einen Kollegen kennen gelernt, dem das Gleiche passiert ist: Sein Date war in echt auch sehr viel korpulenter als auf den Bildern, die er von ihr erhalten hatte. Als er mir ihr Dating-Profil gezeigt hatte, war ich verdutzt: Die Foto-Fakerin war Paula.

Und: Wie er erzählte, war auch sie bei seinem Date aggressiv und rastete plötzlich völlig aus. Das scheint wohl ihre Masche zu sein.

Inzwischen bin ich in einer festen Beziehung. Aber als ich noch single war, habe ich mich nach dieser Erfahrung immer zweimal auf die Bilder meiner Dates geachtet – und fragte in meinem Freundeskreis zusätzlich nach, ob jemand die Person persönlich kennt.

(*Namen geändert)