Aktualisiert

Wattwil SGDieses Dokument soll Millionen wert sein

Metallbauer K. N.* (36) und sein Kollege E. A.* träumen vom grossen Reichtum dank einem historischen US-Dokument. Experten sind geteilter Meinung.

von
Julia Ullrich
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Metallbauer K. N.* (36, links) und sein Kollege E. A. glauben, eine sogenannte Kongresskopie der US-Unabhängigkeitserklärung von 1776 gefunden zu haben.

Metallbauer K. N.* (36, links) und sein Kollege E. A. glauben, eine sogenannte Kongresskopie der US-Unabhängigkeitserklärung von 1776 gefunden zu haben.

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Vor drei Jahren hatte N. das Dokument von einem befreundeten Antiquitätensammler übernommen.

Vor drei Jahren hatte N. das Dokument von einem befreundeten Antiquitätensammler übernommen.

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Seither befinde sich die Urkunde in einem Bankschliessfach.

Seither befinde sich die Urkunde in einem Bankschliessfach.

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«Wir sind uns sicher, es ist ein Original. Daran besteht für uns kein Zweifel mehr», sagt der Wattwiler K. N. gegenüber 20 Minuten. Bei dem besagten Dokument soll es sich um eine sogenannte Kongresskopie der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten aus dem Jahr 1776 handeln (siehe Box).

200 dieser handgeschriebenen Papiere wurden seinerzeit angefertigt. 26 Exemplare sind bis heute aufgetaucht. 2008 erzielte ein Original-Dokument in einer Auktion 8,1 Millionen Dollar.

Vor drei Jahren habe N. das Dokument von einem befreundeten Antiquitätensammler übernommen. Am Anfang sei er selbst davon ausgegangen, dass es sich nur um ein Souvenir handle. Mit der Zeit sei er aber stutzig geworden: «Es hatte etwas Besonderes an sich. Ich kontaktierte einen Althistoriker, um Gewissheit zu bekommen», sagt N.

«Zu gut für eine Fälschung»

Althistoriker und Kodikologe Hassan Nahas aus Märwil TG nahm sich des Falles Anfang Jahr an: «Ich habe dieses Dokument geprüft und kann mit ziemlicher Sicherheit bestätigen, dass es sich um eine originale Kongresskopie handelt.» Eine Fälschung schliesst Nahas fast gänzlich aus: «Dafür ist es zu aufwendig verarbeitet, zu detailreich geschrieben und das Papier zu alt», so der Kodikologe zu 20 Minuten.

Bestärkt, dass es sich tatsächlich um ein Original handeln könnte, reisten die beiden Metallbauer nach München zu Druckgutachter Michael Kirmeier. «Es ist definitiv handschriftlich und auf rund 250 Jahre altem Hanfpapier verfasst worden», bestätigt dieser gegenüber 20 Minuten. Der Fall beschäftigt in der Folge auch drei Anwälte und einen Notar. «Von dem Geld, das ich da reingesteckt habe, könnte ich mir ein Einfamilienhaus kaufen», sagt der 36-jährige N.

Viele gute Falsifikate

Die Gutachter Nahas und Kirmeier betonen, dass sie die Echtheit des Dokuments nur zu 95 Prozent bestätigen könnten. Um absolut sicher zu sein, würden sie eine Tintenprobe benötigen: «Ohne diese Probe ist eine genaue Analyse nicht machbar. Leider würde man dabei in fast jedem Fall das Papier beschädigen oder gar zerstören», sagt Kirmeier.

Für die Fälschungsexpertin Ursula Kampmann sind die eingeholten Gutachten zu vage: «Ich habe schon sehr viele, sehr gute Falsifikate gesehen. Es gibt nichts, was es nicht gibt», sagt sie zu 20 Minuten. Die deutsche Historikerin sagt deshalb: «Wenn man ein wirklich verlässliches Gutachten bekommen möchte, sollte man dieses in den USA einholen, am besten über die Library of Congress.»

«Das meistgefälschte Dokument»

Auch für das Auktionshaus Sotheby's sind Anfragen dieser Art nichts Neues: «Die Unabhängigkeitserklärung der USA ist das meistgefälschte Dokument in unserer Americana-Abteilung», sagt eine Mitarbeiterin. Meist stelle sich bei der Prüfung heraus, dass es sich um ein günstiges Souvenir handle.

Auf Sotheby's ist N. nicht gut zu sprechen. Er habe es dort einmal versucht, doch die Leute dort seien der Sache nicht mal richtig nachgegangen. Der gebürtige Kosovare hat seine Meinung gemacht: «Auktionshäuser sind nichts für mich.»

Ob er die Erklärung überhaupt verkaufen will, stehe für ihn noch in den Sternen. Sein eigentliches Ziel sei es, ein Museum in seinem Heimatland zu eröffnen. «Verkaufen würde ich es nur, wenn der Preis mich umhaut», so der 36-Jährige. Bis auf weiteres soll das Dokument in einem Bankschliessfach liegen.

* Namen der Redaktion bekannt

Kongresskopien der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung

Die Unabhängigkeitserklärung von 1776 ist die Gründungsurkunde der USA und eines der wichtigsten Dokumente Amerikas. Neben der Originalurkunde wurden seinerzeit 200 handschriftliche Kopien angefertigt, die den Mitgliedern des Kongresses ausgehändigt wurden, die sogenannten Kongresskopien. Von den 200 Exemplaren sind derzeit 26 bekannt. Im Jahre 1990 wurde eine Kongresskopie für vier Dollar auf einem Flohmarkt erstanden. Kurze Zeit später wurde sie für 2,4 Mio. Dollar bei Sotheby's versteigert. 2008 ging ein Exemplar für 8,1 Mio. Dollar weg.

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