Online-Betrug: Dieses E-Mail kann Sie 1000 Franken kosten
Aktualisiert

Online-BetrugDieses E-Mail kann Sie 1000 Franken kosten

Mail-Betrüger schlagen wieder zu. Das Fiese: Die neuen «Bettelbriefe» kommen in gutem Deutsch daher. Eine 20-Minuten-Leserin erzählt, warum ihre Freunde fast in die Falle tappten.

von
Oliver Wietlisbach
Konto gehackt, Bettelbrief verschickt und beinahe mehrere tausend Franken erbeutet. Die E-Mail-Betrüger haben dazu gelernt.

Konto gehackt, Bettelbrief verschickt und beinahe mehrere tausend Franken erbeutet. Die E-Mail-Betrüger haben dazu gelernt.

Die Masche ist alles andere als neu: Online-Kriminelle hacken sich in ein Mailkonto und schreiben ein Hilfegesuch an alle Kontakte. In der E-Mail ist die Rede davon, dass man irgendwo im Ausland ausgeraubt worden sei und nun dringend 1000 Franken brauche, beispielsweise um die Hotelrechnung zu begleichen.

In der Vergangenheit waren solche Betrugs-Mails oft in schlechtem Deutsch verfasst. Kaum jemand liess sich daher von den Gaunern übertölpeln. Doch nun haben sich die Online-Betrüger offenbar einen Duden zugelegt: «Die in meinem Namen verfasste E-Mail an mehrere hundert Kontakte hatte nur kleine Fehler, die ich auch ab und zu mache», sagt Christine Gassmann.

Die Betrüger hatten sich in ihr E-Mail-Konto bei Yahoo gehackt. Im «Bettelbrief» an Freunde, Verwandte und Bekannte war zu lesen: «Ich bin zur zeit im Ausland und habe meine Tasche verloren samt Reispass und kreditkarte. Ich wollte dich fragen ob du mir ein bisschen Geld so schnell wie möglich leihen kannst. Ich gebe es dir zurück sobald ich da bin. Ich muss unbedingt den nächsten Flug bekommen. Du kannst mich durch e-mail oder durch die Hotel Reception erreichen.»

Empfänger der Nachricht, die die Story überprüfen wollten und die Telefonnummer in England anriefen, bekamen ein Tonband zu hören. Unterzeichnet war die E-Mail mit «Chrigi», was dem Hilferuf weitere Glaubwürdigkeit verlieh.

Raffiniert geplanter Betrug

Die Kriminellen gehen immer geschickter vor: Sie ändern nicht etwa das Passwort des gehackten Kontos, sondern erstellen eine zweite E-Mail-Adresse, die der Original-Adresse bis aufs Haar gleicht. Im echten Konto löschen sie lediglich das Adressbuch, damit das Opfer seine Kontakte später nicht so einfach warnen kann. Der Betroffene bemerkt daher nicht unmittelbar, dass sein E-Mail-Konto gekapert worden ist.

Die Kriminellen verwenden die gefälschte Adresse, um im Namen des Opfers Geldanfragen zu versenden. «Die Betrüger ersetzten den Punkt in meiner Original-Adresse durch einen Unterstrich. Das fällt den Kontakten nicht auf», sagt Gassmann. Da Freunde und Bekannte an die manipulierte Adresse zurückschreiben, merkt das Opfer zunächst nichts vom Betrugsversuch.

«Vier Freunde haben beinahe Geld überwiesen»

Erst wenn sich die ersten Freunde, die sich über die Bittschriften wundern, per SMS oder Facebook beim Opfer melden, fällt die Attacke auf. Dann kann es aber schon zu spät sein. Auch Frau Gassmann konnte nicht alle ihre E-Mail-Kontakte warnen, weil die Betrüger das Adressbuch gelöscht hatten. Sie habe ihre Freunde auf Facebook gewarnt, aber «mindestens vier Kollegen haben beinahe 1000 Franken per Western Union an die Gauner überwiesen».

Aufgeflogen sei der Schwindel, da sich die Betrüger auf Nachfragen ihrer Freunde bei den weiteren E-Mails weniger Mühe gegeben haben. Manche der fingierten Nachrichten waren plötzlich mit «Ihre Christine Gassmann» unterzeichnet, was die Freunde skeptisch werden liess.

Sie glauben nun, auf diese Masche fallen höchstens mit dem Internet unvertraute Senioren herein? Dann sind sie falsch gewickelt. Auch die Generation Facebook ist gegen gut gemachte Betrugs-Versuche nicht gefeit. Wenn eine Nachricht plausibel erscheint, weil man beispielsweise weiss, dass der Freund oder die Freundin tatsächlich im Moment im Ausland weilt, werden alle Warnsignale oft übersehen.

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