Fluidglass: Dieses Fenster kann heizen und kühlen
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FluidglassDieses Fenster kann heizen und kühlen

Wie ein Kühlgerät oder ein Radiator soll ein transparentes Bauelement wirken, dem die Uni Liechtenstein zum Durchbruch verhelfen will. Auch die EU glaubt daran und gibt 3,8 Millionen Euro.

von
jcg

Die Initianten des Projekts bezeichnen es als «transparenten Sonnenkollektor und innovatives Raumsystem in einem» – und prophezeien Fluidglass eine grosse Zukunft, wie die Uni Liechtenstein in einer Mitteilung schreibt. Der Trick des transparenten, zweischichtigen Bauelements ist, dass zwischen jeweils zwei Glasplatten Wasser zirkuliert. Im Sommer können der Flüssigkeit in der äusseren Schicht nach Bedarf Mikropartikel zugegeben werden, die dann die die Sonne reflektieren und für Schatten im Innenraum sorgen (siehe Bildstrecke).

Gleichzeitig absorbiert die Flüssigkeit in der inneren Schicht überschüssige Wärme aus dem Innenraum, die in einem thermischen Speicher «zwischengelagert» werden kann. In der Nacht wird diese dann über die äussere Schicht abgestrahlt. Diese Methode ist energetisch günstiger als eine herkömmliche Kühlung über eine Klimaanlage. Zudem ist die Flächenkühlung komfortabler, da es nicht wie bei einer Klimaanlage «zieht».

Im Winter wird der Sonnenschutz in der äusseren Schicht deaktiviert, damit ein Maximum an Sonnenwärme ins Innere des Gebäudes vordringen kann. In der raumseitigen Schicht kann durch die Zirkulation von warmen Wasser gleichzeitig geheizt werden. Zusätzliche Radiatoren sind überflüssig und die Strahlungssymmetrie verbessert sich, was den Komfort erhöht.

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Die EU-Kommission gibt Geld

An der Entwicklung von Fluidglass sind neben namhaften internationalen Industrieunternehmen auch die NTB Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs, die TU München, die Uni Stuttgart und das Institut National de l'Energie Solaire in Chambery (F) beteiligt. Der Kopf hinter dem neuen Fassadensystem ist Dipl.-Arch. Dietrich Schwarz, Professor am Institut für Architektur und Raumentwicklung an der Universität Liechtenstein. Er erhofft sich von Fluidglass eine deutliche Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden. Bei Gebäudesanierungen sei eine Energieeinsparung von 50 bis 70 Prozent zu erwarten, bei Neubauten von Niedrigenergiehäusern 20 bis 30 Prozent, heisst es in der Mitteilung.

Die EU unterstützt das Projekt mit 3,8 Millionen Euro, um es marktfähig zu machen. «Wir sind überzeugt, dass das Projekt in akademischen, industriellen und architektonischen Kreisen in Europa auf beträchtliches Interesse stossen wird», begründete ein Vertreter der EU-Kommission das Engagement im Zuge des 7. Forschungsrahmenprogramms.

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