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Polizei gegen Priester Dieses Foto versetzt Frankreich in heiligen Zorn

Eine Kirche im Herzen von Paris soll abgerissen werden und die katholische Gemeinschaft hält dagegen. Jetzt eskaliert die Affäre.

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Am 3. August 2016 stürmte eine Spezialeinheit der Polizei die Kirche St. Rita in Paris, um eine Sitzblockade aufzulösen. Rund 30 Personen hatten sich Zugang zur abgesperrten Kirche verschaffen und hielten dort eine Messe ab.

Am 3. August 2016 stürmte eine Spezialeinheit der Polizei die Kirche St. Rita in Paris, um eine Sitzblockade aufzulösen. Rund 30 Personen hatten sich Zugang zur abgesperrten Kirche verschaffen und hielten dort eine Messe ab.

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Die Gläubigen wollten damit vermeiden, dass die Kirche abgerissen wird.

Die Gläubigen wollten damit vermeiden, dass die Kirche abgerissen wird.

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Dabei wurde das Gebäude vor Jahren an eine Baufirma verkauft. Auf dem Grundstück sollen ein Hochhaus samt Parkgarage entstehen.

Dabei wurde das Gebäude vor Jahren an eine Baufirma verkauft. Auf dem Grundstück sollen ein Hochhaus samt Parkgarage entstehen.

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Das Foto eines katholischen Priesters, der von Polizisten aus einer Kirche in Paris gezerrt wird, sorgt unter Katholiken und bei rechten Parteien in Frankreich für Empörung. Am Mittwoch stürmte eine Spezialeinheit der Polizei die Kirche Sainte Rita 15. Arrondissement, um eine Sitzblockade aufzulösen. Rund 30 Personen hatten sich Zugang zur abgesperrten Kirche verschafft und hielten dort eine Messe ab.

Die Kirche Sainte Rita soll abgerissen werden, um einem Immobilienprojekt samt Parkgarage zu weichen. Laut Le Figaro hatte ein Gericht am 6. Januar der Baufirma Garibaldi die Genehmigung erteilt, Besetzer zu vertreiben. Eigentlich hätten die Bauarbeiten schon im Oktober 2015 beginnen sollen, aber weil Gläubige sich immer wieder mit Sitzblockaden und Demos dagegen wehren, konnte bis anhin mit dem Abriss des Gebäudes nicht begonnen werden.

Drei Millionen Euro für das Grundstück

«Die Evakuation verlief ohne Vorfälle», teilte die Polizei in einer Medienmitteilung jetzt mit. Doch das Bild des Priesters, der von einem Polizisten über den Boden durch die Kirche geschleift wird, sowie Handyvideos von Kirchenbesetzern sprechen eine etwas andere Sprache.

(Quelle: Youtube/RT Deutsch)

«Wie wärs, wenn wir Parkplätze auf den Grundstücken von Moscheen bauen würden, statt auf jenen unserer Kirchen?», twitterte daraufhin Marine Le Pen, Vorsitzende der rechtsextremen Partei Front National. Ihre Nichte Marion, seit 2012 Abgeordnete in der Nationalversammlung, doppelte nach: «Frankreich 2016», schrieb sie zum Bild eines Messdieners, der von der Polizei aus der Kirche eskortiert wird.

Katholische Geistliche und Kirchen geniessen seit der Ermordung des Priesters Jacques Hamel im nordfranzösischen Rouen durch zwei Islamisten einen besonderen Status. Dabei war es doch der katholische Kirchenverein selbst, der die Kirche vor einigen Jahren zum Verkauf anbot, um die Kosten diverser Gerichtsverfahren zu decken. Wie die «Washington Post» berichtet, bezahlten die Immobilienmakler dem Verein damals drei Millionen Euro — ein Betrag weit über dem üblichen Marktpreis.

20 Moscheen geschlossen

Nicht nur katholische Kirchen werden in Frankreich geschlossen. Laut Innenminister Bernard Cazeneuve sind seit vergangenem Dezember 20 Moscheen – von insgesamt 2500 – zugemacht worden, weil dort radikalisierte Predigten abgehalten worden waren.

Es werden künftig weitere Moscheen schliessen, drohte der Minister via Twitter. Derzeit stünden 120 Gebetshäuser im Verdacht, fundamentalistischen Salafismus zu propagieren. «Es gibt keinen Platz in Frankreich für jene, die Hass ausstreuen», schrieb Cazeneuve.

Zudem sprach sich Premierminister Manuel Valls kürzlich in der Zeitung Le Monde für ein Verbot der Finanzierung von Moscheen vom Ausland aus aus. Für einen gewissen Zeitraum soll der Bau von Moscheen in Frankreich nicht durch ausländische Mittel finanziert werden können, sagte Valls. Zudem sollen Imame in Frankreich ausgebildet werden.

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