Aktualisiert 19.03.2020 16:12

Irre Forschung? Dieses Garn besteht aus Menschenhaut

Es klingt so makaber, dass man direkt an Frankensteins Monster denkt. Dabei hat die Entwicklung aus Frankreich einen ernsten Hintergrund.

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Auf den ersten Blick sieht das Garn wie ganz gewöhnliches aus, ...

Auf den ersten Blick sieht das Garn wie ganz gewöhnliches aus, ...

Nicolas LHeureux
... doch wer erfährt, woraus es besteht, fühlt sich augenblicklich an Frankensteins Monster oder ...

... doch wer erfährt, woraus es besteht, fühlt sich augenblicklich an Frankensteins Monster oder ...

Keystone/AP/Universal Studios Home Entertainment
... einen düsteren Horrorfilm erinnert. (Im Bild: Szene aus «Sinister», 2012)

... einen düsteren Horrorfilm erinnert. (Im Bild: Szene aus «Sinister», 2012)

Summit Entertainment

Keine Idee aus einem Horrorfilm, sondern Realität: Forscher der Universität Bordeaux haben ein Garn entwickelt, das aus menschlichen Hautzellen hergestellt wird (siehe Box). Die Idee hinter der im ersten Augenblick merkwürdig tönenden Innovation: Sie soll Leben retten, wie es im Fachjournal «Acta Biomaterialia» heisst.

«Unser Hauptziel ist es, mit dem Garn Elemente herzustellen, mit denen sich verletzte Blutgefässe ersetzen lassen», so Studienleiter Nicolas L'Heureux in einer Mitteilung des verantwortlichen Inserm-Instituts.

Alle Strukturen möglich

Das neue Garn birgt laut den Forschern gleich mehrere Vorteile: Da die Fäden aus körpereigenem Material bestehen, erwarten die Forscher, dass sie anders als synthetisches Material vom Körper nicht als fremd erkannt und in der Folge abgestossen oder eingekapselt werden. Somit kann dadurch auch ihre Funktionalität nicht beeinträchtigt werden.

Weiterer Pluspunkt: Je nach Verarbeitung des Fadens lassen sich ganz unterschiedliche Eigenschaften erzielen. «Das so entstandene Garn kann gewebt, gestrickt oder zu verschiedenen Formen geflochten werden», so L'Heureux in einer weiteren Mitteilung. Dadurch könnten sowohl starre als auch flexible Strukturen entstehen.

Erfolgreiche Untersuchungen

Auch wenn es bis zum wirklichen Einsatz in der Medizin noch einige Zeit dauern wird, sind die Forscher zuversichtlich, dass sie mit dem aus menschlichen Hautzellen hergestellten Garn auf dem richtigen Weg sind.

Erste Machbarkeitsstudien, in denen die Wissenschaftler mit den Fäden einerseits Wunden verschlossen und andererseits ein Röhrchen webten, das sie in die Halsschlagader eines Schafes einsetzten, verliefen ohne Probleme. Die reparierten Stellen waren dicht und hielten sogar dem natürlichen Blutdruck des Tieres stand. Langzeitbeobachtungen sowie klinische Studien stehen jedoch noch aus.

Hautzellen?

Genau genommen verwendeten die Forscher keine menschliche Zellen, sondern sogenannt extrazelluläre Matrix. Dabei handelt es sich um eine Struktur aus Proteinfasern und Zuckermolekülen, die von den Zellen des menschlichen Bindegewebes abgesondert wird und sich zwischen diesen im Interzellularraum ablagert. Sie dient der Festigkeit und Struktur von Geweben.

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