Quannah Chasinghorse verändert als indigenes Model die Modebranche
Quannah Chasinghorse mit ihren traditionellen Gesichtstattoos, auch Yidįįłtoo genannt, auf dem Cover der amerikanischen Elle.

Quannah Chasinghorse mit ihren traditionellen Gesichtstattoos, auch Yidįįłtoo genannt, auf dem Cover der amerikanischen Elle.

Instagram/quannahchasinghorse
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Quannah ChasinghorseDieses indigene Model verändert gerade die Modewelt

Quannah Chasinghorse ist eines der indigenen Models, die den Durchbruch auf dem internationalen Modeparkett geschafft haben. Ihre Plattform will sie dafür nutzen, ihre Kultur zu repräsentieren.

von
Johanna Senn

Die letzten Jahre ist die Modebranche inklusiver geworden. Mittlerweile gehören die Laufstege nicht nur spindeldürren weissen Models – immer mehr bahnen sich Models den Weg auf den Catwalk und in die Modemagazine, denen ein Platz in der Branche lange verwehrt blieb. Nebst Plus-Size-Models zum Beispiel auch indigene Models wie Quannah Chasinghorse.

Aktivistin und Model

Bevor Quannah Chasinghorse Teil der Modewelt wurde, machte sie als Umweltaktivistin auf die Klimakrise aufmerksam. Auch heute noch nutzt sie ihre Plattform dazu rege. Die 19-Jährige kommt aus Alaska, wo die Auswirkungen der Erderwärmung, etwa mit dem Verschwinden des Permafrosts, besonders zu spüren sind. Sie machte sich auch dafür stark, dass in Alaska nicht weiter nach Öl gebohrt wird.

Auch durch ihre aktivistische Arbeit wurde die Modebranche auf sie aufmerksam. Nach einer Kampagne mit Calvin Klein nahm die internationale Modelagentur IMG Models Quannah unter Vertrag.

Quannah Chasinghorse stammt von den Stämmen Hän Gwich'in (aus Alaska und Kanada) und von den Oglala Lakota (aus Süddakota) ab. Modeshows schaute sie sich schon immer leidenschaftlich gerne an, sah ihre Kultur darin aber nie vertreten: «Ich war besessen davon, Laufstegshows von Dior, Chanel oder Prada im Fernsehen zu schauen und ich habe immer für Fotos posiert», sagt sie zur US-«Vogue». Wegen der fehlenden Repräsentation von indigenen Models sei es für sie wirklich schwer gewesen, das Gefühl zu haben, dass sie überhaupt das Potenzial hätte, ein Model zu werden.

Indigene Repräsentation in der Modebranche

Inzwischen ist Quannah Chasinghorse selbst zu einer Repräsentationsfigur geworden, die sie sich in ihrer Jugend gewünscht hätte. Ihr Debüt an der New York Fashion Week gab sie für den amerikanischen Designer Prabal Gurung:

Für Designer Gabriela Hearst durfte sie gar die Show eröffnen und schliessen. Die Kollektion von Hearst wurde von zwei Frauen, die dem indigenen Volk der Navajos angehören, mitentworfen und gewebt.

Für die Show zum 100-Jahr-Jubiläum von Gucci war Quannah auch auf dem Laufsteg.

2021 wurde das Model sogar zur Met Gala eingeladen. Quannah kombinierte zu ihrer Robe von Peter Dundas türkise, indigene Schmuckstücke. «Das Türkis steht für Schutz, Führung und Liebe. All das spürte ich, als ich über den Roten Teppich schritt und der Geist meiner Vorfahren mich begleitete.»

Quannah nutzte auch an der Met-Gala ihre Plattform, um ihre Kultur sichtbar zu machen: «Es ist wirklich ein ermächtigendes Gefühl zu wissen, dass meine Anwesenheit die dringend benötigte Sichtbarkeit für indigene Schönheit, Mode, Kunst und unsere Gemeinschaften bringt», schrieb sie dazu auf Instagram.

Das bedeutet ihr Gesichtstattoo

Die Linien auf Quannah Chasinghorses Kinn sind traditionelle Hän Gwich Tattoos, auch Yidįįłtoo genannt. Ebenso wie viele indigene Traditionen und Sprachen verbannten die Missionare im 19. und 20. Jahrhundert diese traditionellen Gesichtstattoos. «Die Möglichkeit, die Tätowierungen zurückzubringen, ist eine starke Sache – man fühlt sich ermächtigt, weil man weiss, dass man eine Tradition fortführt, die eigentlich ausgelöscht werden sollte», sagt das Model zur US-«Vogue».

«Die traditionellen Tätowierungen dienen nicht nur dem Aussehen, sie sind kein Trend oder eine Modeerscheinung. Ich musste geistig, mental und emotional bereit sein für den grossen Schritt, diese Markierungen in der heutigen Welt zu tragen. Die Tattoos werden traditionellerweise von einer Frau von Hand gestochen», schreibt sie auf Instagram. Bei Quannah war es ihre eigene Mutter, die ihr die Linien auf Kinn und Stirn tätowierte. «Jede Yidįįłtoo (Tätowierung), die in einer Zeremonie durchgeführt wird, stellt einen Übergangsritus dar, wird Teil unserer Geschichte und hat eine kraftvolle Bedeutung», so Quannah.

Mehr indigene Gesichter in der Modebranche

Quannah Chasinghorse ist nicht das einzige indigene Model, das auf dem internationalen Modeparkett angekommen ist. Auch Cherokee Jack lief im vergangenen Jahr an der Show von Gabriela Hearst. Für ihn ein sehr emotionaler Moment: «Ich habe die Tränen zurückgehalten, weil ich nie indigene Männer auf der Fashion Week oder in Kampagnen gesehen habe.»

Cherokee Jack sieht sich, wie Quannah, in der Verantwortung, seine Erfahrungen zu teilen, wie er der US-«Vogue» sagt: «Es gibt so viele Menschen, die noch nie eine indigene Person getroffen haben. Es ist das Privileg und die Verantwortung jedes Einzelnen, sich zu informieren, aber ich bin in einer Position, in der ich meine eigenen Erfahrungen teilen und erzählen kann.»

Valentine Alvarez ist ein weiteres indigenes Model, das den Durchbruch in die internationale Szene geschafft hat und auch bei Guccis 100-Jahr-Jubiläums-Show lief:

«Als ich aufwuchs, war die Mode sehr eurozentrisch», sagt Valentine zur US-«Vogue». «Ich bin nicht mit dem Gefühl aufgewachsen, schön zu sein. Ich hatte das Gefühl, dass ich nie ein Model sein könnte.»

Sie ergänzt: «Alle, die als Inbegriff von Schönheit galten, sahen nicht so aus wie ich sie hatten keinen Nasenrücken wie ich und sie hatten keine braune Haut wie ich.» Das sei mit ein Grund, wieso Repräsentation so wichtig sei: «Das bringt mich dazu, mein Gesicht an mehr Orten zu zeigen, denn ich möchte, dass mehr Menschen, die sich in mir wiedererkennen, mich sehen und wissen, dass sie auch schön sind.»

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