Weihnachtsschmuck: Dieses Jahr wird schlicht und traditionell gefeiert
Aktualisiert

WeihnachtsschmuckDieses Jahr wird schlicht und traditionell gefeiert

Terror und Flüchtlingskrise haben Spuren hinterlassen im Weihnachtsgeschäft: Angesagt seien fürs Fest Pastelltöne, klassische Motive, aber sicher kein Pomp.

von
B. Zanni

Auffällig oder üppig geschmückte Tannen: Das wird man an Weihnachten in den Haushalten kaum finden. Herr und Frau Schweizer setzen beim Dekorieren auf Bewährtes. Experimenteller und üppiger Weihnachtsschmuck sei nicht gefragt, sagt Niels Humpert, Designer beim Detailhändler Globus. «Wegen der Terroranschläge und der Flüchtlingskrise sind die Menschen dieses Jahr nicht zum prunkvollen Feiern aufgelegt.» Es habe eine Rückkehr zum traditionellen, festlichen Stil stattgefunden. «Bei den Kugeln sind gefällige Farben wie Gold, Silber und Rot beliebt.» Auch komme der Wunsch nach Lametta aus Metallblättern wieder auf.

Ähnliches stellt Johann Wanner, Inhaber des Basler Weihnachtshauses, fest. «Die Leute lieben die Einfachheit.» Sie zögen rote, goldene und silberne Kugeln vor. «Mir scheint, dass die Leute vor grossen Kugeln Angst haben.» Gerne schmückten sie den Baum dagegen mit Krönchen, Geigen, Engelchen und Häuschen. Das Weihnachtshaus beliefert weltweit Prominenz mit Weihnachtsschmuck. Was mögen die Schönen und Reichen? «Wenn ich nach dem Prinzip 60 Prozent Grundfarbe, 30 Prozent weitere Farbe und 10 Prozent Schwarz oder Weiss gehe, liege ich immer richtig.»

Kugeln dürfen glitzern

Auch Ikea-Kunden wollen beim Dekorieren kein Risiko eingehen. «Im Trend liegen Pastelltöne», stellt Interior-Designerin Nicole Wederich fest. Bei den Anhängern seien geometrische Formen gefragt. Gerne dekorierten die Kunden ihre Bäume auch mit Schmuck aus Holz und Filz. Bei den Figuren stehen laut Wederich klassische Motive wie Pilze, Vögel und Schneemänner hoch im Kurs. Zudem bemerkt sie: «Ein grosses Comeback feiern die kupferfarbenen Kugeln.» Out ist dagegen, dem Baum eine Spitzenkrone aufzusetzen. «Man lässt die Tanne oben lieber natürlich.» Dennoch ist Glamour nicht völlig tabu. «Die Kugeln dürfen durchaus etwas glitzrig schimmern.»

Die hübsche Berner Weihnachtstanne

Auch bei Coop kann man sich mit Traditionellem eindecken. Der Grossverteiler integriert heuer mit dem Thema «White Christmas» Figuren und Motive wie Schneesterne und Eiszapfen. «Beliebt sind die Farben Weiss, Silber bis hin zu einem feinen, hellen Grau wie auch die Lichterkette Engelshaar aus ganz feinen LED-Lampen», sagt Mediensprecher Urs Meier.

Topf-Tannen sind gefragt

Geht es um das Aufstellen des Tannenbaums, legen die Kunden ebenfalls Wert auf Natürlichkeit. Philipp Gut, Geschäftsführer der IG Suisse-Christbaum, fällt auf, dass Topf-Tannen in den letzten Jahren aufgekommen sind. Die Anbieter verzeichnen eine erhöhte Nachfrage. Die Migros hat die Topf-Christbäume seit 2013 im Angebot. «Seither konnte der Umsatz leicht gesteigert werden», sagt Sprecherin Michèle Hungerbühler. Karin Kressibucher, Mitinhaberin von Christbäume.ch, berichtet, dass die Kunden in diesem Jahr vermehrt nach Topf-Christbäumen fragen. «Sie interessieren sich für diese Variante, weil sie glauben, sie würden mit dem Kauf von gefällten Bäumen der Natur schaden», sagt Kressibucher.

Nach dem Beratungsgespräch entschieden sie sich aber oft dagegen. «Wir machen den Kunden klar, dass die Überlebenschancen im Topf auf dem Balkon klein sind, weil es für den Baum schnell zu warm wird.» Und Philipp Gut warnt: «Man muss aufpassen, dass man die Tanne nicht zu lange im Zimmer lässt, sonst geht sie kaputt.» Danach könne man den Christbaum in den Garten pflanzen und dort noch ein wenig geniessen.

Deine Meinung