Erster Fall im Kanton GR: Dieses Kalb wurde von einem Wolf gerissen
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Erster Fall im Kanton GRDieses Kalb wurde von einem Wolf gerissen

Der Wolf hat auf der Alp Nera Mitte August ein Kalb aus einer Mutterkuhherde gerissen. Es ist der erste Fall im Kanton Graubünden. Das Kantonale Amt für Jagd und Fischerei und der Bauernverband sehen die Entwicklung mit Sorge.

von
Tabea Waser
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Am 12. August wurde ein neugeborenes Kalb aus einer Mutterkuhherde stark genutzt aufgefunden.

Am 12. August wurde ein neugeborenes Kalb aus einer Mutterkuhherde stark genutzt aufgefunden.

Bündner Bauernverband
Mutterkuh und Kalb auf der Alp Nera.

Mutterkuh und Kalb auf der Alp Nera.

Bündner Bauernverband

Darum gehts

  • Mitte August hat ein Wolf ein Kalb auf der Alp Nera gerissen.
  • Es ist der erste derartige Fall im Kanton Graubünden.
  • Der Bündner Bauernverband ist besorgt.
  • Auch beim Amt für Jagd und Fischerei beobachtet man die Entwicklung mit Sorge.
  • Weitere Fälle seien wahrscheinlich.

«Was lange befürchtet wurde, ist nun Tatsache», schreibt der Bündner Bauernverband am Mittwoch in einer Mitteilung. Auf der Alp Nera in der Gemeinde Casti-Wergenstein wurde ein Kalb aus einer Mutterkuhherde vom Wolf gejagt und gerissen. Am 12. August wurde es stark genutzt aufgefunden. «Das ist eine neue Dimension, waren doch bisher vor allem Schafe und Ziegen Opfer der Wolfsangriffe», so Martin Renner, Geschäftsführer des Bauernverbands. Im Jahr 2020 seien im Kanton bereits 160 Risse aus Schaf- und Ziegenherden durch den Wolf zu verzeichnen. Die Hälfte davon in geschützten Herden.

Die Alp Nera befindet sich im Streifgebiet des Beverin-Rudels. Es sömmern laut Renner rund 50 Kühe und 40 Kälber auf der behirteten Alp im Schamser Gebiet. «Das Kalb war wenige Tage alt und hatte sich gut entwickelt.» Es sei in der Herde gejagt und gerissen geworden. «Die Bauernfamilien und das Hirtpersonal sind nun mit der Realität konfrontiert, dass nicht nur Schafe und Ziegen gerissen werden, sondern auch die Kuhherden – insbesondere die Kälber – nicht sicher vor Angriffen sind.» Das stelle neue Herausforderungen an den Herdenschutz, der ohnehin nicht einfach sei. Nebst einem massiven Mehraufwand an Zäunung, Behirtung und Herdenschutzhunden sei es nämlich im Berg- und Alpgebiet nur schon aus tektonischen Gründen nicht überall möglich, einen wirkungsvollen Herdenschutz umzusetzen.

Erster Fall im Kanton Graubünden

Adrian Arquint, Leiter Amt für Jagd und Fischerei Kanton Graubünden, bestätigt, dass ein Wolf das Kalb gerissen hat. «Wildhüter waren vor Ort. Anhand der Krafteinwirkung in kurzer Zeit musste davon ausgegangen werden, dass ein Wolf das Kalb zumindest stark genutzt hat.» Erfahrene Wildhüter würden dies anhand der Verletzungen feststellen können. Es wurden, wie immer in so einem Fall, aber auch Proben genommen. Zudem wurde das Kalb vom Veterinäramt untersucht. «Das Untersuchungsergebnis hat ergeben, dass das Kalb auch vom Wolf getötet wurde», so Arquint.

In der Vergangenheit habe es bereits Fälle von toten Kälbern gegeben, die der Wolf dann genutzt habe. Arquint verweist etwa auf einen Fall im Jahr 2018 und drei bis vier Fälle in diesem Jahr, bei denen jedoch die Todesursache aufgrund der starken Nutzung nicht mehr habe festgestellt werden können. Der aktuelle Fall sei der erste bestätigte Fall, bei dem ein Wolf das Kalb auch gerissen und nicht nur genutzt habe.

Laut dem Amtsvorsteher wird es wohl nicht bei diesem einen Fall bleiben. «Wir betrachten diese Entwicklung mit Sorge.» Wölfe, die sich in Rindvieh- oder Mutterkuhherden wagen und auch Kälber reissen, seien problematisch. Zudem sei es viel schwieriger, Rinder zu schützen. «Herdenschutzhunde und Rinder können
vereinzelt funktionieren, jedoch reagieren die Rinder- oder Mutterkuhherden sehr unterschiedlich auf Hunde.» Und auch Elektrozäune seien keine wirkliche Option.

2018 kursierte ein Video von einem Rind, das stark lädiert war. Es hatte mehrere tiefe Wunden. Das Video stammt aus dem Südtirol. Als Verursacher der Verletzungen wurde auch ein Bär ins Spiel gebracht, vieles sprach aber für einen Wolf.

Wer zartbeseelt ist, sollte sich das Video nicht anschauen. Es zeigt ein stark verletztes Rind.

Archiv

Kanton St. Gallen

Es ist zwar der erste Fall im Kanton Graubünden, nicht aber in der Schweiz. In einem Video, das 2017 auf der Alp Grueb aufgenommen wurde, scheint ein Wolf eine Kuh anzugreifen:

Wird hier eine Kuh von einem Wolf angegriffen?

Leser-Reporter

Der erste nachweisliche Angriff auf ein Grossvieh im Kanton St. Gallen war bereits im Oktober 2015. Damals haben mehrere Wölfe aus dem Calanda-Rudel am Maiensäss Valenserberg ein neugeborenes Kalb gerissen.

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