Wer trifft das Minarett?: «Dieses Spiel ist Menschen-entwürdigend»
Aktualisiert

Wer trifft das Minarett?«Dieses Spiel ist Menschen-entwürdigend»

Auf Muezzine schiessen? Kein Problem für die Befürworter der Minarett-Initiative. In einem Online-Game rufen sie genau dazu auf und riskieren eine Klage.

von
Deborah Rast

Der Streit zwischen Befürwortern und Gegnern der Minarett-Initiative erreicht einen neuen Höhepunkt: Am Sonntag stellte das Pro-Kommitee ein Spiel ins Web, bei dem auf Minarette geschossen werden muss, um diese zum ­Verschwinden zu bringen. Gelingt das nicht, kommen Muezzine auf die Minarette und verbreiten lautstark die Botschaft Allahs. Doch schiesst man auf den Muezzin, kehrt dieser wieder in sein Minarett zurück.

«Das ist eine neue und gefährliche Dimension im Umgang mit anderen», tobt der Präsident der Föderation ­Islamischer Dachorganisa­tionen, Hisham Maizar. Das Spiel sei abscheulich und Menschen-entwürdigend. Der gleichen Meinung ist der Präsident der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Georg Kreis: «Mit diesem Produkt müssen sich die Staatsanwaltschaften und dann die ordentlichen Gerichte befassen. Unser Problem in der Schweiz sind ganz offensichtlich nicht die Muslime, sondern die vermeintlich ureidgenössischen Taliban.» Auch bei den Politikern sorgt das Minarett-Game für Aufregung: «Das ist ein indirekter Aufruf zur Gewalt gegen Muslime», findet CVP-Nationalrätin Ruth Humbel.

Der Präsident des Initiativ-Kommitees Walter Wobmann (SVP) rechtfertigt sich: «Auf die Muezzine wird nicht geschossen, sie werden nur gestoppt.»

Rechtliche Schritte gegen Basel

Das Anti-Minarett-Initiativkomitee leitet wegen des Plakatverbots gegen die Stadt Basel rechtliche Schritte ein. Der Walter Wobmann (SVP), Präsident des Ini­tiativkomitees, bestätigte eine entsprechende Meldung des «SonntagsBlick». Zudem wurde ein zweites Plakat entworfen. Dieses wird in den Städten hängen, in denen das Anti-Minarett-Plakat verboten ist. Es zeigt das Wort «Zensur» mit dem Slogan «Trotzdem: Ja zum Minarettverbot.»

Auch Burka soll verboten werden

Nicht nur Minarette, auch die Burka sollen in der Schweiz verboten werden, fordert der ­Verein der Ex-Muslime. Dieses wolle man über ein öffentliches Vermummungsverbot durchsetzten: «Es muss gesetzlich verankert werden, dass man sich auf keinem öffentlichen Platz in der Schweiz vermummen darf», so der Präsident des Vereins, Ebadullah MahMehtinezhad im «Sonntag». In mehreren Kantonen sei eine ­Kampagne geplant. (dra)

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