Aktualisiert 02.10.2017 07:52

Young Boys

Dieses Team ist reif für den Titel

Acht Meistertitel hat Basel seit der Saison 2010 aneinandergereiht. Viermal hiess der Zweite in dieser Zeitspanne YB. Jetzt wird es wohl anders.

von
ete

Das sagt YB-Trainer Adi Hütter nach dem 6:1-Sieg gegen den FC St. Gallen und zum Thema Meisterkurs. (Video: 20 Minuten)

Nach 10 Runden hatte der FC Basel in der letzten Saison 10 Zähler Vorsprung auf den ersten Verfolger. Ende Saison wurde Rotblau zum 8. Mal in Folge Meister. YB hat sich in der aktuellen Saison nach gleich vielen Runden ein 8-Punkte-Polster auf Basel herausgearbeitet. Das soll nicht viel heissen, denn die Berner haben in der Meisterschaft 2009/2010 schon einmal geschafft, 13 Punkte Vorsprung zu vergeigen.

Im Oktober 2017 führt YB die Tabelle souverän an, hat bisher nur eine Partie verloren und ist seit dem 9. August (0:4 gegen Thun) ungeschlagen – 6 Partien in Folge. Die Young Boys sind diese Saison offensichtlich endlich reif für den Titel. YB ist zurzeit nicht nur Leader, sondern spielt auch den besten Fussball.

Die Offensivpower

Der 6:1-Sieg gegen den FC St. Gallen am Sonntag war ein Statement. «Ich habe schon lange kein Spiel mehr so genossen», sagte YB-Trainer Adi Hütter. Die Berner Offensive ist nicht nur die beste der Liga, sie ist titelwürdig. Mit 57 Schüssen hat die Abteilung Attacke so häufig auf das Tor geschossen wie kein anderes Team und dabei 25 Treffer (Quote 21%) erzielt. Acht mehr als Thun (44 Torschüsse/Quote 18,3) und sogar elf Treffer mehr als Basel (38 Torschüsse/Quote 17,5). Vom Mittelfeld bis zum Sturm ist YB in dieser Saison besser und breiter besetzt als der FCB. Und das ohne den letztjährigen Toptorjäger Guillaume Hoarau (18 Tore). Der Franzose kommt verletzungsbedingt auf erst fünf Partien (1 Tor) bisher.

Die stabilere Abwehr

YB hat in der letzten Saison vor allem gegen vermeintlich «Kleinere» zu viele Punkte liegen gelassen. Ausser bei der Niederlage gegen Thun haben die Berner im ersten Quartal 2017/18 nur gegen den FCZ (0:0) und in St. Gallen (2:2) den Sieg verpasst – Teams unter den Top 4 der Rangliste. Zurückzuführen ist das auch auf die stabilere Abwehr, die sehr wenig zulässt und lediglich acht Gegentore (die Hälfte allein beim 0:4 gegen Thun) kassiert hat. Hütter lobte auch am Sonntag die Defensive. «Steve von Bergen ist in einer super Verfassung», so der Österreicher. David von Ballmoos ist momentan jener Keeper mit den meisten Zu-Null-Spielen (5).

Das Fokus nationale Meisterschaft

Der ZSKA Moskau hat YB den Einzug in die Königsklasse verwehrt. YB musste in die Europa League und diese könnte zum Vorteil der Berner gegenüber Basel werden. Nach einem spektakulären 5:0-Sieg in Bestbesetzung gegen Benfica kam der FCB drei Tage später gegen GC nur zu einem 0:0. Adi Hütter schonte letzten Donnerstag gegen Skenderbeu (1:1) einige Stammspieler, beliess die in der Meisterschaft gesetzten Verteidiger Kevin Mbabu und Kasim Nuhu auf der Bank, ebenso Christian Fassnacht und Djibril Sow. Am Sonntag gegen den FCSG nahm Hütter sechs Wechsel gegenüber dem Spiel in Albanien vor, um mit der besten Formation antreten zu können und die Chance zu wahren, den Vorsprung in der Tabelle auszubauen. Die Richtung ist klar: YB richtet den Fokus voll auf die Meisterschaft.

Basler Schwäche als Motivation

Niederlagen gegen Lausanne und St. Gallen haben der Konkurrenz signalisiert: Dieser FCB ist zu schlagen. Die Basler Schwäche ist Motivation – auch für die Spieler in Bern. Sie machten den Auftakt mit dem Heimsieg am 1. Spieltag. Mit Adi Hütter hat YB einen ehrgeizigen Trainer, der den Hunger nach Erfolg auf seine Mannschaft überträgt. «Es war beeindruckend, was wir nach dem 3:1 zeigten», sagt Hütter am Sonntag.

Das M-Wort (Meister) nimmt in Bern aber keiner in den Mund. «Es sind erst zehn Runden gespielt, und nach zehn Runden ist noch niemand Meister geworden», dämpft Hütter die Euphorie trotz acht Punkten Vorsprung auf Basel. Aber eben – das muss ja in Bern nicht viel heissen. Der Mief des ewigen Zweiten lässt sich nicht so schnell vertreiben.

YB nimmt das Wort «Meister» nicht in den Mund

YB-Goalie David von Ballmoos nach dem 6:1-Kantersieg gegen St. Gallen und zur Leaderposition. (Video: 20 Minuten)

YB-Goalie David von Ballmoos spricht das M-Wort nicht aus. (Video: 20 Minuten)

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