Faszinosum Ameisenigel - Dieses Tier hat einen der seltsamsten Penisse des Tierreichs
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Faszinosum AmeisenigelDieses Tier hat einen der seltsamsten Penisse des Tierreichs

Ameisenigel sind in mehrfacher Hinsicht etwas ganz Besonderes. Vor allem die Männchen machen von sich reden – aktuell mit ihrem vierspitzigen Penis.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Auf den ersten Blick sieht der Kurzschnabel-Ameisenigel vor allem unschuldig aus. 

Auf den ersten Blick sieht der Kurzschnabel-Ameisenigel vor allem unschuldig aus.

Wikimedia Commons/Fir0002/GFDL 1.2
Doch der Blick auf seinen Genitalbereich lässt sogar Forschende staunen: Die Männchen verfügen über einen Penis mit vier Spitzen. Mit diesem haben sich nun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Jane Fenelon beschäftigt …. 

Doch der Blick auf seinen Genitalbereich lässt sogar Forschende staunen: Die Männchen verfügen über einen Penis mit vier Spitzen. Mit diesem haben sich nun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Jane Fenelon beschäftigt ….

Jane Fenelon
… mit dem Ziel, mehr über die Fortpflanzung der Tiere zu erfahren, um so langfristig die engen Verwandten der Kurzschnabel-Ameisenigel – die Langschnabel-Echidnas (Bild) in Papua-Neuguinea – vor dem Aussterben zu bewahren. 

… mit dem Ziel, mehr über die Fortpflanzung der Tiere zu erfahren, um so langfristig die engen Verwandten der Kurzschnabel-Ameisenigel – die Langschnabel-Echidnas (Bild) in Papua-Neuguinea – vor dem Aussterben zu bewahren.

Wikimedia Commons/Jaganath/CC BY-SA 3.0

Darum gehts

  • Australische Forschende haben sich in einer Studie mit dem Penis von Kurzschnabel-Ameisenigeln und seinem Einsatz beim Sex befasst.

  • Das tierische Glied stellt tatsächlich eine Besonderheit dar: Es ist knallrot und verfügt über vier Spitzen.

  • Beim Akt kommen allerdings zur zwei davon zum Einsatz.

Für viele Menschen gilt der Penis von Enten als der spektakulärste der Tierwelt. Immerhin ist dieser nicht nur geringelt, sondern auch beim Auftauchen von Konkurrenten jederzeit ausfahrbar – sofern Herr Erpel nicht von Natur aus mit einem beachtlichen Glied gesegnet wurde.

Mindestens ebenso beeindruckend ist auch das Gemächt männlicher Kurzschnabel-Ameisenigel. Der Penis der mitunter auch als Echidna bezeichneten Tiere ist leuchtend rot und mit vier Spitzen versehen. Das renommierte «Smithsonian Magazine» erklärte ihn deshalb zu einem der «seltsamsten Penisse des Tierreichs».

Ein Penis ausschliesslich für Sex

Und das nicht nur aufgrund seines Aussehens, wie Jane Fenelon, Biologin an der University of Melbourne, zu «Australian Geographic» sagt: «Wir sind nicht wirklich sicher, warum er so seltsam aussieht, aber wir wissen, dass sie ihren Penis nur zur Paarung benutzen, nicht zum Urinieren.» Dadurch habe es bei seiner Evolution mehr Möglichkeiten der Gestaltung gegeben. Gemeinsam mit ihrem Team hat Fenelon das vierspitzige Glied nun untersucht.

Ausgangspunkt war eine frühere Studie ihres Co-Autors Steve Johnson von der University of Queensland in Gatton. In dieser hatte er dokumentiert, dass Echidnas bei einer Erektion immer nur zwei der vier Spitzen benutzen (siehe Box). Eine Eigenart, die man laut Fenelon eher von Reptilien als von Säugetieren kennt. So nutzten etwa Schlangen immer nur einen ihrer beiden Penisse zur Kopulation, der andere hat währenddessen Pause. Entsprechend neugierig seien sie und ihre Kolleginnen und Kollegen gewesen: «Wir wollten wissen, wie die Männchen das machen.»

Wie passt das zusammen?

Warum haben männliche Ameisenigel einen Penis mit vier Spitzen, wenn die Weibchen doch nur einen Fortpflanzungstrakt mit zwei Eingängen aufweisen? Diese Frage stellten sich Forschende bis ins Jahr 2007. Dann fand das Team um Steve Johnston durch einen glücklichen Zufall heraus, dass die Männchen nur mit der Hälfte ihres Penis ejakulieren. Die Lösung lieferte ein Männchen, das aus einem Zoo verbannt wurde, weil es bei Vorführungen häufig durch eine Dauererektion aufgefallen war. Dieses filmten die Wissenschaftler ausgiebig und kamen so erstmals der Erektion und dem Samenerguss der Ameisenigel auf die Spur: «Wir wissen nun, dass während einer normalen Erektion zwei Spitzen stillgelegt werden, während die anderen beiden aktiv sind», so Johnston damals. Damit würden die Genitalbereiche von Männchen und Weibchen wieder passen. «Und beim nächsten Akt wird einfach getauscht und die beiden anderen Spitzen kommen zum Einsatz.»

Ernster Forschungshintergrund

In der nun im Fachjournal «Sexual Development» veröffentlichten Studie kommt das Team zu dem Schluss, dass das aussergewöhnliche Paarungsverhalten der Ameisenigel darauf zurückzuführen ist, dass sie im Penis über zwei durch eine Scheidewand komplett voneinander getrennte Schwellkörper verfügen, die je einen Ast der Harnröhre umgeben.

Dank der gegabelten Hauptpenisarterie ist es möglich, den Blutfluss nur zu einem Schwellkörper zu leiten. Nur in diesem ist dann die Harnröhre offen, wodurch nur zwei der vier Eicheln versorgt werden, wie die Forscher in der Studie schreiben. Das erkläre, wie die Ameisenigel die einseitige Ejakulation durchführen können. «Bislang dachten wir, dass es eine Art Ventilmechanismus geben würde, der dies steuert, aber wir fanden nichts dergleichen», wie Fenelon zu Iflscience.com sagte.

Die detaillierte Erforschung der ungewöhnlichen Tiere hat einen ernsten Hintergrund: Die Ameisenigel sind schwierig zu züchten. Während sie in Australien zuhauf vorkommen, ist es um ihre engen Verwandten, die Langschnabel-Echidnas, in Papua-Neuguinea deutlich schlechter gestellt. Ihnen wollen die Forschenden mit ihrem neuen Wissen über die Fortpflanzung der Tiere helfen.

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