Energy Sniff von Wildkraut: Dieses weisse Pulver soll wach machen

Das Pulver Energy Sniff von Wildkraut soll dich fit, konzentriert und happy machen. Ein Experte klärt auf, was dahintersteckt.

Das Pulver Energy Sniff von Wildkraut soll dich fit, konzentriert und happy machen. Ein Experte klärt auf, was dahintersteckt.

Wildkraut Energy Sniff / Instagram
Publiziert

Kontroverse Erfindung
Dieses weisse Pulver macht dich wach und konzentriert – ganz legal

Energy Sniff von Wildkraut wird durch die Nase gezogen und soll fit für Partys und Prüfungen machen. Ein Mediziner verrät, ob das Produkt des österreichischen Start-ups problematisch ist.

von
Luise Faupel

Ein weisses Pulver, das man durch die Nase zieht, um wach zu werden – klingt erstmal nicht wirklich neu. Doch das Produkt der österreichischen Firma Wildkraut ist komplett legal: Es enthält Koffein und Guarana sowie Alpenkräuter wie Meisterwurz und Rosenwurz und soll eine entgiftende, wachmachende Wirkung haben und dein Wohlbefinden sowie deine Konzentrations-, Gedächtnis- und Reaktionsfähigkeiten verbessern.

Neben Koffein und Guarana sind noch weitere altbekannte Wachmacher, wie etwa die in grünem Tee enthaltene Aminosäure Theanin, enthalten. Letztere soll die Nebenwirkungen des Koffeins – Herzrasen und Bluthochdruck – verhindern und guten Schlaf garantieren. Anders als Schnupftabak enthält der Energy Sniff kein Nikotin. Geschnupft werden soll vor Prüfungen, Partys oder dem Sport.

Auf Social Media wird über das kontroverse Produkt heftig diskutiert: «Damit muss man aufpassen, dass der Türsteher einen nicht aus dem Club wirft», sagt etwa ein Tiktoker. Wer so ein Produkt öffentlich konsumiert, müsse davon ausgehen, dass es konfisziert wird.

So wird das Pulver eingenommen

Die Einnahme erfolgt über die Nase, vom Handrücken oder einer Oberfläche. «Über die Nasenschleimhäute werden einige der Wirkstoffe schneller und vor allem besser aufgenommen», so Gründer Eugen Fulterer. Die Tageshöchstdosis liegt bei einem Fläschchen, etwa zehn Portionen pro Nasenloch und hängt laut Website «von Müdigkeit und Appetit» ab. Es wird eine erbsengrosse Prise empfohlen oder eine streichholzlange Line «für den vollen Kawumm-Effekt».

Kleine Menge gibt es auch in der Schweiz

Die Einzelpackung mit 20 Sniffs kostet umgerechnet 15 Franken, die «Festivalpackung» liegt bei 120 Franken. Geliefert wird aktuell nach Deutschland und Österreich, kleine Mengen auch in die Schweiz. Hierzulande will das Start-up Anfang nächsten Jahres voll durchstarten.

Würdest du ein solches Produkt einnehmen?

«Da die Schweiz unseren Energy Sniff als Schnupftabak-Ersatzprodukt einstuft und für grössere Importe die Eintragung im Schweizer Tabakregister vorschreibt, wird 2023 eine Zweigniederlassung in der Schweiz gegründet. Bis dahin sind leider nur geringe Tageskontingente verfügbar», teilt der Gründer mit.

Wildkraut-Gründer Eugen Fulterer.

Wildkraut-Gründer Eugen Fulterer.

Martin Schachenhofer

«Tradition des Schnupfens gibts schon lange»

«Ich wollte die Lücke zwischen dem boomenden Energydrink-Segment und dem eher angestaubten Schnupftabakmilieu füllen, aber naturbelassen arbeiten und Schnupfen wieder salonfähig machen», so Gründer Eugen Fulterer. «An einer Energydrink-Dose zu nippeln, macht ja nicht wirklich Spass.»

Und was sagt er zur Ähnlichkeit zu illegalen Drogen wie Kokain? «Die Tradition des Schnupfens ist schon so alt. Die gab es schon, bevor der Mensch mittels Chemikalien illegale Drogen herstellen konnte.» Eine Ähnlichkeit mit seinem Produkt sehe er lediglich in der nasalen Konsumationsform.

Das sagt der Experte

Wir haben Präventivmediziner und Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. med. David Fäh von der Berner Fachhochschule den Energy Sniff gezeigt und ihn nach seiner Meinung gefragt: «Mein persönlicher Eindruck ist, dass sich hier ein paar junge Leute überlegt haben, was sie zusammenmischen können, damit es für die Zielgruppe attraktiv wirkt», so der Ernährungs- und Bewegungsexperte.

Präventivmediziner und Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. med. David Fäh bewertet das Produkt.

Präventivmediziner und Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. med. David Fäh bewertet das Produkt.

Berner Fachhochschule, Departement Gesundheit / davidfaeh.ch

Die Inhaltsstoffe wie Koffein aus Kaffee oder Guarana seien bereits als Wachmacher bekannt – dies sei förderlich fürs Marketing. «Doch ich sehe auch einen Widerspruch. Tryptophan, eine der Zutaten im Energy Sniff, ist eine Vorstufe des Schlafhormons Melatonin. Soll denn der Sniff nun wach oder müde machen? Die Kombination macht nicht unbedingt Sinn.»

Wirkt der Energy Sniff wirklich?

Für Prof. Dr. med. David Fäh sei es fragwürdig, ob die Inhaltsstoffe wirklich über die Nasenschleimhaut appliziert in einer Konzentration in die Blutbahn gelangen, von der eine spürbare Wirkung erwartet werden kann. Studien zu dieser Art von Einnahme gebe es bislang nur zu Nasensprays oder von Stoffen, die bereits in sehr niedriger Konzentration wirken – etwa Oxytocin. Koffein sei als Inhaltsstoff grundsätzlich aber sinnvoll, da Studien deren positive Wirkung bestätigt haben. «Doch ich würde einfach Kaffee auf herkömmlichen Wege konsumieren.» 

Koffein als legales Doping

Kann das die Atemwege gefährden? «Wenn man das Pulver korrekt appliziert, ist es unwahrscheinlich, dass es in die tieferen Atemwege gelangt, da die Partikel vermutlich zu gross sind», so Fäh. Inhaltsstoffe könnten nach einer intensiven Nutzung jedoch die Nasenschleimhaut reizen, was wiederum ein potentielles Krebsrisiko darstelle, da es hier zur erhöhten Zellteilung und zu Schäden an der Erbsubstanz kommen könnte. «Unter Einhaltung unserer Warnhinweise wird mein Produkt für die menschliche Gesundheit von einer unabhängigen Begutachtungsstelle als unbedenklich bewertet», so der Wildkraut-Gründer.

Eine Gefahr für eine Überdosierung sieht der Experte nicht. «Wenn man jedoch zu intensiv darauf reagiert, mit Herzrasen, Schweissausbrüchen oder Nervosität, sollte die Dosis heruntergefahren werden», sagt Fäh. Dies empfehle er auch Menschen, die überempfindlich auf Kaffee reagieren. 

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Problem mit illegalen Drogen?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Infodrog, Information und Substanzwarnungen

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