14.09.2020 02:45

Eltern empörtDietikon verschenkt Aschenbecher an 14-Jährige

Um gegen Littering zu kämpfen, verteilte die Stadt Dietikon portable Aschenbecher an 14-Jährige. «Nächstes Jahr gibts dann ein Päckli Zigaretten», entrüsten sich die Eltern.

von
Joel Probst
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Diesen Taschenaschenbecher verteilte die Stadt Dietikon am Samstag an Pfadikinder.

Diesen Taschenaschenbecher verteilte die Stadt Dietikon am Samstag an Pfadikinder.

Privat
Anlass war der jährliche Clean-up-Day. Die Kinder halfen, Abfall zu sammeln, und erhielten dann den Aschenbecher geschenkt.

Anlass war der jährliche Clean-up-Day. Die Kinder halfen, Abfall zu sammeln, und erhielten dann den Aschenbecher geschenkt.

KEYSTONE
Die Mutter eines 14-Jährigen ist entsetzt: «Einem Kind schenkt man doch keinen Aschenbecher.»

Die Mutter eines 14-Jährigen ist entsetzt: «Einem Kind schenkt man doch keinen Aschenbecher.»

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Darum gehts

  • Am Clean-up-Day verteilte die Stadt Dietikon Taschenaschenbecher an 14-Jährige.
  • Die Eltern haben keine Freude am Geschenk: «Einem Kind schenkt man doch keinen Aschenbecher», sagt eine Mutter.
  • Auch die Arbeitsgemeinschaft für Tabakprävention und die Krebsliga beurteilen die Aktion kritisch.
  • Der zuständige Stadtrat verteidigt sich. Die Aschenbecher seien zum Weiterverschenken gedacht gewesen.

Manuela Suter ist entsetzt, als ihr 14-jähriger Sohn am Samstag mit einem portablen Aschenbecher nach Hause kommt. Geschenkt bekam er das ungewöhnliche Präsent von der Stadt Dietikon, die sich auch mit einer Gravur darauf verewigte. Mit dem Aschenbecher habe sich die Infrastrukturabteilung der Stadt Dietikon beim 14-Jährigen für seine Teilnahme am Clean-up-Day bedankt, sagt Suter.

Sie findet das Geschenk völlig unpassend: «Einem Kind schenkt man doch keinen Aschenbecher», sagt die Mutter zu 20 Minuten. Ihr Sohn habe mit seiner Pfadigruppe am Anlass teilgenommen. Neben dem 14-Jährigen hätten also dreissig bis vierzig Kinder – «teils sogar noch jüngere» – von der Stadt Dietikon Aschenbecher geschenkt bekommen.

Eltern sind erzürnt

«Nächstes Jahr gibts dann ein Päckli Zigaretten», entrüstet sich Suter. Doch sie ärgert sich nicht nur am fehlenden Gespür für Tabakprävention bei der Stadtverwaltung, sondern auch über die Auswahl des Giveaways: «Für die Kinder, die vier Stunden lang freiwillig den Güsel der Stadt auflasen, hätte man wirklich ein gescheiteres Geschenk finden können.» Ein gratis Badi-Eintritt zum Beispiel. Suter ist mit ihrem Unmut nicht alleine.

Auch ein Dietiker Vater, der anonym bleiben will, hat wenig Freude am Mitbringsel seines 14-jährigen Sohnes: «Eine Stadt sollte Kindern keine Aschenbecher schenken», sagt er. «Wir wissen nicht, was wir damit machen sollen. Wir sind alles Nichtraucher.» Er meint: «Statt den Tabakkonsum Minderjähriger zu fördern, hätte die Stadt lieber der Pfadi etwas gespendet.»

«Werbung für Tabak»

Tatsächlich hält die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention wenig vom Aschenbecher-Geschenk der Stadt Dietikon: «Es ist eine schlechte Idee, Kindern ein Giveaway aus dem Bereich Tabak mitzugeben», sagt Sprecher Wolfgang Kweitel. «Alles, was Kinder in Kontakt mit dem Rauchen bringt, ist Werbung für den Tabak.» Littering von Zigistummeln verhindern zu wollen, sei aber grundsätzlich eine gute Bestrebung. Das sieht auch die Krebsliga so: «Für Jugendliche gäbe es aber sicher sinnvollere Geschenke», sagt Sprecherin Stefanie de Borba.

Die IG saubere Umwelt, welche den schweizweiten Clean-Up-Day organisiert, weiss nichts über die genauen Umstände der Geschenkaktion. Sprecher Maurice Desiderato sagt aber, allfällige Geschenke müssten immer der Zielgruppe angepasst sein. «Es ist sicher keine gute Idee, Taschenaschenbecher an 14-Jährige abzugeben.» Er gehe deshalb davon aus, dass dies sicher auch nicht die Absicht der Aktion war.

Stadt verteidigt sich

Lucas Neff, der Grüne Infrastrukturvorstand von Dietikon, sieht es nicht so eng: «Die Taschenaschenbecher waren keine Aufforderung an die Kinder, zu rauchen. Es wäre ein Problem, wenn wir Zigarettenmuster verteilt hätten.» Die Aschenbecher seien den Jugendlichen nicht für den Eigenverbrauch verteilt worden, sondern nur, um sie weiterzuschenken.

Trotzdem entschuldigt sich Neff: «Wenn das von den Eltern negativ aufgefasst wurde, tut es mir leid.» Die Aschenbecher seien aber nie als Dankeschön gedacht gewesen: «Dafür haben alle Sandwiches und ein alkoholfreies Getränk erhalten.» Neff verspricht: «Wir werden die Aschenbecher künftig nicht mehr an Kinder abgeben.»

«Clean-Up-Day»

Tag gegen Littering

Am nationalen Clean-Up-Day räumen Gemeinden, Schulklassen und Vereine laut Selbstbeschrieb der IG saubere Umwelt «gemeinsam öffentliche Plätze, Strassen und Wiesen auf». Damit sollen sie «ein nachhaltiges Zeichen gegen Littering und für eine saubere Umwelt» setzen. 2020 zählten die Organisatoren 450 Aufräum-Aktionen und schätzungsweise 25’000 Teilnehmer.

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119 Kommentare
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Vater

14.09.2020, 06:42

Und wetten wie die Eltern die gewettert haben, haben auch die meisten den Artikeln nicht gelesen wie die Journalisten nur profit machen wollen. Die Kinder haben alle am Clean-up-Day mitgemacht, haben Essen/Trinken erhalten, die kleinen Kinder haben ein anderes Geschenk bekommen und die älteren um diese zu Hause abzugeben einen Taschenaschenbecher oder um diesen weiter zu verschenken. Wieder typisch diese Helikoptereltern. Aber gemerkt das ihr Kinder vielleicht schon kiffen hat man dann nicht. Tzzz

Bernie

14.09.2020, 06:41

Noch schlimmer als die Tatsache, dass Aschenbecher an die Kids abgegeben werden, finde ich die abstrusen Selbstrechtfertigungsbestrebungen des Abfallverantwortlichen. Also unüberlegter geht schon gar nicht mehr.

Knut

14.09.2020, 06:39

Ein großes Sorry an alle blinden Mütter wie ich es auch lange Zeit war. Die Jugendlichen von heute rauchen heimlich und helfen untereinander mit Zigaretten aus, damit es zuhause nicht auskommen sollte, bis doch irgendwann wann mal ein Päckchen in der Wäsche landet.