Aktualisiert 02.10.2012 05:35

Fortschritt

Digitale Mammographie zahlt sich aus

Die digitale Methode zur Brustkrebs-Früherkennung ist der herkömmlichen Methode überlegen. Sie erkennt aggressive Brustkrebs-Tumore besser, liefert aber dennoch nicht mehr Fehldiagnosen.

Die bisherigen Befürchtungen haben sich als unbegründet erwiesen: Die Rate der falsch positiven Diagnosen steigt durch den Wechsel auf die digitalen Mammografie nicht an. Dagegen werden aggressive Tumore mit der Digitaltechnik besser gefunden als mit der herkömmlichen, auf Röntgenfilmen basierenden Methode.

Das zeigt eine Studie niederländischer Forscher, die insgesamt rund 1,2 Millionen Mammografie-Befunde aus den Niederlanden ausgewertet haben. Durch den Wechsel zum digitalen Brustkrebs- Screening seien nicht mehr langsam wachsende und damit wenig gefährliche Tumore entdeckt worden als zuvor.

Die Entdeckungs-Rate bei den schnell wachsenden, potenziell invasiven Tumoren sei aber deutlich gestiegen, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin «Radiology».

Vor allem aggressive Formen des Duktalen Karzinoms in situ (DCIS), einer der Brustkrebsvorstufen, seien durch die digitale Mammografie besser detektiert worden. Nach Angaben der Forscher liegt das vor allem daran, dass mikroskopisch kleine Kalkablagerungen, die häufig ein DCIS anzeigen, von der Digitaltechnik besser aufgelöst werden.

Keine Überdiagnose

«Das Ziel der Früherkennung bei Brustkrebs ist es nicht, einfach nur Tumore als solche zu entdecken», erklären Adriana Bluekens vom Nationalen Experten- und Trainingszentrum für Brustkrebs-Screening in Nijmegen und ihre Kollegen. Denn nicht aus allen Frühstufen des Brustkrebses entwickele sich in der Lebenszeit der Patientinnen ein lebensbedrohlicher Tumor.

Das Ziel sei es daher, möglichst viele der potenziell aggressiven Frühformen zu identifizieren, um zu verhindern, dass sich diese weiterentwickeln. «Alles andere wäre eine Überdiagnose», betonen die Forscher. Ein gewisser Anteil solcher Überdiagnosen sei zwar beim Brustkrebs-Screening kaum zu vermeiden.

Unklar sei jedoch bisher geblieben, inwieweit die neue digitale Mammografie den Anteil solcher Überdiagnosen möglicherweise erhöhe. Doch bei beiden Mammografie-Techniken hätten langsam wachsende, sogenannte geringgradige DCIS nur drei Prozent der Befunde ausgemacht. «Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass Überdiagnosen durch die digitale Mammografie bei der Brustkrebs-Früherkennung nicht zunehmen», konstatieren Bluekens und ihre Kollegen.

In den Niederlanden gibt es ein landesweites Programm zum Mammografie-Screening schon seit 1990. In der Schweiz laden Kantone, die bereits ein Programm zur Brustkrebs-Früherkennung eingeführt haben, Frauen zwischen 50 und 70 Jahren jedes zweite Jahr zur Früherkennungs-Mammografie ein.

Bei der Mammografie werden Röntgenaufnahmen der weiblichen Brust gemacht, um damit Tumore und ihre Vorstadien möglichst früh zu identifizieren. (sda)

Brustkrebs

Weltweit wird bei mehr als 1,3 Millionen Frauen pro Jahr Brustkrebs diagnostiziert, etwa 500 000 Frauen sterben daran. Laut Informationen der Krebsliga erkranken jedes Jahr etwa 5500 Frauen und 30 bis 40 Männer an einem Mammakarzinom. Risikofaktoren sind unter anderem das Alter, die erbliche Veranlagung oder Übergewicht. Auch die weiblichen Hormone spielen häufig eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Brustkrebs. Etwa zwei Drittel der bösartigen Brusttumoren wachsen in Relation zu den Geschlechtshormonen, insbesondere zum Östrogen. So gelangen in der Krebstherapie neben der Standardbehandlung auch Medikamente zum Einsatz, die antihormonell wirken.

(rre)

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